Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 44 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Nacht 18 | Alles Gute nachträglich!

 

Ich öffnete jetzt bestimmt schon zum hundertsten Mal das Whatsappchatfenster von Ali und mir.

Ali?

Melde dich bitte endlich mal!

Hör zu, gib dir jetzt bitte nicht die ganze Schuld. Ich habe auch Fehler gemacht.

Nichts. Keine Antwort. Dabei hatte sie jede einzelne Nachricht gelesen. Sonst antwortete sie immer sofort. Ich wusste ja nicht mal, ob sie überhaupt Schuldgefühle hatte. Vielleicht hatte sich nichts geändert und sie war immer noch sauer auf mich. Also tippte ich hinterher:

Sei bitte nicht mehr sauer auf mich. Wir sind doch beste Freunde! Die überstehen alles!

Und plötzlich erschienen die unglaublichen Worte Ali schreibt…

Ich soll nicht mehr sauer auf dich sein?! Hallo? Du hättest allen Grund auf mich sauer zu sein. Warum bist du es nicht? Du verdienst eine bessere beste Freundin, Alea!

Ich wusste genau was ich antworten musste:

Nein, Ali. Du vergisst mit wem du schreibst. Ich weiß alles über dich. Ich kann verstehen, warum du so gehandelt hast. Bei deiner Vergangenheit… mich wundert es echt, warum du dich überhaupt in Jared verliebt hast.

Okay, vielleicht hätte ich das Thema nicht anschneiden sollen. Ich hatte sie immerhin noch nie darauf angesprochen. Und dann gerade so unpersönlich über WhatsApp?

Doch Ali schien mir trotzdem zu antworten:

Ich weiß es ja selber nicht. Ich schätze, wir können es uns nicht aussuchen in wen wir uns verlieben.

Ja, damit hatte sie wohl Recht. Gerade als ich ihr antworten wollte, klopfte es an meiner Tür. »Herein!« Im Türrahmen stand Justine, die mich über beide Backen anstrahlte. Ich fand es echt cool, dass wir uns jetzt wieder öfter sehen konnten, wo sie bei mir im Schloss wohnte.

»Komm mal mit nach unten. Da ist jemand, der dir nachträglich zum Geburtstag gratulieren möchte.« Hä? Mir gratulieren? Ist es dafür nicht etwas spät? Außerdem waren doch alle auf meiner Party gewesen. Skeptisch folgte ich Justine, die anscheinend einfach nicht aufhören konnte zu grinsen.

Sie schob mich quasi aus der hinteren Tür unseres Schlosses und machte die Tür anschließend sofort wieder hinter sich zu. Da war ich nun, im Garten unseres Schlosses… und wow! Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Der Weg war überall mit Lichtern geschmückt. Im weißen Pavillon unseres Gartens stand Daniel, in der Hand ein kleines Geschenk. Lächelnd ging ich die wenigen Stufen zu ihm nach oben.

»Alles Gute nachträglich«, sagte er strahlend und drückte mir einen flüchtigen Kuss auf den Mund. »Du hast mir doch schon gratuliert, Daniel«, sagte ich lachend. »Ja, aber nicht richtig. Ich habe dich an deinem Geburtstag kaum gesehen, weil ich mich die ganze Zeit mit Ali betrunken habe.«

Ich wollte gar nicht daran zurückdenken. »Du und Ali scheint euch gut zu verstehen. Vielleicht hätte ich euch schon früher miteinander bekannt machen sollen.« »Ja, ich mag sie irgendwie… auch wenn sie uns am Ende töten wollte. Damals hat sie mich ziemlich gut verstanden.« »Was hat sie verstanden?«, fragte ich. »Naja, wir hatten beide so unsere Probleme in Sachen Liebe. Ich dachte, ich könnte mich nie in irgendjemanden verlieben… nie dieses Kribbeln im Bauch spüren. Doch wie sich ja herausstellte konnte ich es nicht, weil ich es schon für jemanden empfand. Mir die Fähigkeit dazu aber genommen wurde.«

Schließlich überreichte er mir das kleine Geschenk, was ich daraufhin neugierig auspackte. Darin befand sich eine Schachtel, in der eine silberne Unendlichkeitskette lag. Moment… »Ist das etwa die Kette?«, fragte ich verwundert. Er nickte und grinste dabei, sodass seine Grübchen zum Vorschein traten. »Die gab es noch? Das ist doch jetzt bestimmt schon fünf Jahre her, als wir die gesehen haben.« »Ja, habe sie ja auch vor fünf Jahren gekauft. Ich konnte sie dir bloß nie geben, weil es dann nicht gepasst hätte.«

Ich musste überlegen. »Aber als wir an dem Schaufenster waren… war das nicht, als wir unsere Hassphase hatten? Wie konntest du sie mir dann kaufen?« »Eine richtige Hassphase hatte ich für dich eigentlich nie… höchstens von außen, aber nicht von innen.« »Ich… ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Die ist… einfach perfekt.«

»Dann sag einfach nichts. Es gibt da nämlich noch etwas, was wir unbedingt machen müssen.« Ich beäugte ihn skeptisch. Plötzlich drückte er auf einen Knopf neben sich. Erst jetzt bemerkte ich die Stereoanlage, die er auf den Tisch platziert hatte. Als die Musik ertönte, erkannte ich das Lied sofort.

»Das Lied unseres ersten Tanzes?«, fragte ich lachend. »Ich finde ja, dass wir das heute besser hinkriegen als damals, oder?« Statt einer Antwort legte ich meine linke Hand auf seine Schulter und ergriff mit der rechten seine Hand. Während wir uns im Takt der Musik bewegten, legte ich meinen Kopf irgendwann auf seine Schulter.

Als die Zeilen and my memory fades ertönten, sagte ich schließlich: »Obwohl Jared unsere Gefühle manipuliert hat, hast du dagegen angekämpft.« »Was? Indem ich mit deiner besten Freundin rumgemacht habe?« Na toll, jetzt hatte er den Moment kaputt gemacht.

»Nein, als ich dir damals befohlen habe Ali zu retten, hast du mich als erstes gerettet. Auch wenn es natürlich trotzdem nicht richtig war, ich denke, irgendwas in dir hat sich quasi erinnert.« »Erinnern würde ich das jetzt nicht bezeichnen… aber es ist trotzdem schön wenn du das denkst.«

»Ich denke es nicht nur. Es ist so. Ich denke ein Stück weit können wir immer rebellieren – auch wenn es unmöglich scheint. Sonst hätten wir uns schließlich gar nicht erst ineinander verliebt.« Er grinste. »Die Moral ist also… total kitschig, aber anscheinend wahr: Liebe ist die stärkste Magie.«

»Naja, nicht immer. Ali ist das beste Beispiel. Es liegt wahrscheinlich an einem selbst. Durch ihre Vergangenheit fand sie wohl kein Vertrauen mehr in der Liebe.« »Und das kann dann wohl auch kein Friede zwischen den Feences und den Casses richten.« »Ich fürchte nein… nur sie selbst.«

Wir tanzten noch eine Weile weiter. Baby your smile's forever in my mind and memory… Ich wünschte, dass dieser Moment nie enden würde. Er war einfach perfekt. »Dann hat der Stein Dad also wirklich die falsche Zukunft vorher gesagt«, meinte Daniel schließlich. »Das würde ich nicht sagen. Es hieß doch: Ich wäre in der Lage die Casses zu zerstören. Wahr. Und nur du könntest dies verhindern. Auch wahr. Dass ich mich in dich verliebt habe, hat es verhindert. Du bist ein Held, weißt du das?«

Daraufhin musste Daniel loslachen. »Also für mich bist du der Held, Alea.« Und gerade als ich dachte, dass es kitschiger gar nicht mehr werden könnte, küsste er mich als So baby now…Take me into your loving arms…Kiss me under the light of a thousand stars…Oh darling, place your head on my beating heart ertönte.

Obwohl das Lied noch nicht zu Ende war, bekam ich den Rest davon überhaupt nicht mehr mit. Wie schon so viele Male davor, war ich ihm jetzt vollkommen ausgeliefert. Nur dieses Mal brauchte ich keine Angst haben, dass mich einer von den Feences erwischte. Und das machte die Sache nicht gerade leichter, denn ich konnte noch nicht sagen, ob ich jemals damit aufhören könnte.