Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 6 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 2 | Schmeckt das?

 

Genau wusste ich gar nicht mehr, wann Ali und ich eingeschlafen sind. Wir hatten noch so lange getratscht… es wäre gut möglich, dass ich mitten im Satz die Augen zu gemacht hatte. Jedenfalls lagen wir am frühen Abend – meine neue Zeit des Erwachens – nicht im Himmelbett, sondern noch auf der Liegewiese. Ali klagte anscheinend über Rückenschmerzen, aber für mich war dieser Tag total bequem gewesen. Ich war weit aus Schlimmeres gewohnt.

»Uh, Alea. Nach dem Aufstehen… die beste Zeit um Blut zu trinken.« »Bitte nicht«, seufzte ich. Das Abendessen war doch gestern schon reichhaltig gewesen… selbst Muffins gab es – zum Abendessen. Obwohl es eigentlich eher Frühstück sein müsste, aber … bekanntermaßen war mein Rhythmus ja noch nicht ganz umgestellt. »Wozu das Blut? Kann das normale Essen mich nicht bei Kräften halten?«

»Schon, von Blut bekommst du ja auch keine Energie. Das Blut ist für deine Fähigkeiten da, damit du diese einsetzten kannst… irgendwann.« »Wenn ich das jetzt eh nicht kann, können wir nicht noch warten?«, flehte ich Ali an. »Ne, vielleicht kommen sie dann schneller wieder. Nun stell dich nicht so an. Das ist unter Vampiren etwas ganz Natürliches.« »Ja, nur fühle ich mich noch wie ein Mensch.« »Dann müssen wir das ändern, Alea! Damit deine Fähigkeiten wieder kommen.«

Ich sah es schon kommen. Entkommen konnte ich eh nicht. Ich musste Blut trinken. »Na schön, dann mal her mit dem Blutbeutel.« »Blutbeutel? Bitte was? Du trinkst von mir, ich von dir. So haben wir das schon immer gemacht. Das soll jetzt nicht heißen, dass du nicht auf von anderen trinken kannst. Aber im Moment stehe ja nur ich zur Verfügung.«

Irritiert fühlte ich meine vorderen Zähne, die total stumpf und normal aussahen. »Die Zähne sind total stumpf, damit kann ich dich nicht beißen. Selbst wenn… würde das nicht weh tun?« »Quatsch. Unsere Haut ist nicht empfindlich. Das ist schneller verheilt als du lecker sagen kannst. Und die Zähne würden spitz werden, wenn du mich denn Mal endlich beißen würdest.«

Na fein, wenn sie es so wollte. Würde ich das Blut nicht mögen, ich schwöre, ich würde es ihr ins Gesicht spucken. Ich ging die Schritte auf ihr zu, die uns noch trennte und rammte meinen Kiefer in ihren Hals (so hatten es auch die Vampire aus the vampire diaries, und was es sonst noch für irreale Filme und Serien auf der Erde gab, getan). Und es schmeckte genauso wie ich mir Blut vom Geschmack immer vorgestellt hatte… salzig, eisenhaltig … wie Blut eben. Was ich jedoch nicht erwartet hatte: Ich liebte diesen Geschmack. Es war jetzt nicht so als dass ich unmöglich aufhören könnte, eher wie eine leckere Tafel Schokolade.

Auch der Biss von Ali tat nicht weh… ich spürte es nur wie eine Berührung – mehr nicht. Kurz nachdem wir fertig waren mit Blut trinken, klopfte es an der Tür. Eine fremde Stimme drang hervor: »Alea, bist du da?« Ali formte stumm mit dem Mund die Worte Jayden. Mein fester Freund… das hatte mir gerade noch gefehlt. Nervös tippelte ich von einem Bein auf das andere.

Was sollte ich ihm denn nun antworten? Komm rein? Ich wollte aber nicht, dass er rein kam. Ich hatte Angst, denn eigentlich wollte ich doch gar keine Beziehung. Wie sollte ich ihm das nur verklickern? Schlussendlich hätte ich ihm gar nicht antworten müssen, denn kurze Zeit später kam er von alleine durch die Tür. Hm, okay. Das war also Jayden. Gegenüber Max wirkte er jetzt eher schlaksig, aber irgendwie war er ja schon ganz süß. Süß – nicht heiß. Aber es kam ja auch auf die inneren Werte an. »Oh Gott, Süße. Ich habe gehört, was mit dir passiert ist. Diese verdammten Casses! Du hättest die Mission vielleicht doch nicht durchführen sollen, zumindest nicht allein. Aber keine Sorge, du hast dich einmal in mich verliebt, dann geht das auch ein zweites Mal.« Juhu, dabei war ich neuerdings gerne Single.

Da ich ihn aber nicht verärgern wollte, lächelte ich ihm zu. »Dessen bin ich mir sicher. Aber wir haben im Moment größere Probleme… wie zum Beispiel meine verlorengegangenen Fähigkeiten.« »Ja, aber dafür musst du dich selbst finden. Und ich bin ein Teil von dir, den du wieder finden muss.« Ich stöhnte. Vermutlich hatte er ja recht… auch wenn ich es momentan echt nicht wollte: Ich musste mich auf ihn einlassen. Es wäre das einzig Beste für mich und auch für alle anderen.

»Na schön«, sagte ich schließlich.

»Dann haben wir also ein Date?« Ich nickte, unsicher was ich von halten sollte. Einen Film gucken – Kaffee trinken? Nein, ich hatte inzwischen Wichtigeres zu tun. Da kam mir plötzlich eine Idee: »Auf unseren Date kannst du mir ja Vellance zeigen, damit vielleicht alte Erinnerungen wieder hoch kommen.«

Jayden machte den Eindruck, als würde ihm die Idee gefallen, denn er drückte mir strahlend einen Kuss auf die Wange. »Ich hole dich morgen um zwölf Uhr ab. Man bin ich aufgeregt. Das fühlt sich jetzt irgendwie auch für mich wie unser erstes Date an.« Wie ein Honigkuchenpferd galoppierte er aus meinem Zimmer. Okay, er ist sicherlich ein total bezaubernder Freund. Nur war ich im Moment eine total schreckliche Freundin. Verdammt, ich musste endlich wieder Ich werden.

»Und? Ist er knuffig oder ist er knuffig?«, fragte mich Ali, woraufhin ich lachen musste. »Ja, er ist ganz knuffig, Ali.« Könnte ich mit ihr tauschen, ich würde es. Ali sollte gerne die Beziehung und ich das Single-da-sein nehmen. Aber das war ja nicht mein wahres Ich… verdammt. Ich war darin echt schlecht.

»Ali, du musst später in der Nacht mit zu den Casses kommen.« »Was? Aber das haben wir nie so gemacht. Du wolltest immer alleine gehen.« »Jetzt kenn ich mich aber null aus. Ich weiß ja nicht mal, wie diese Steine aussehen. Du musst mir einfach helfen. Ich habe Angst alleine. Das sind immerhin die Typen, die mir meine Erinnerungen genommen haben.«

Ali brauchte wohl nicht lange zu überlegen. »Ich wollte schon von Anfang an mit. Ich dachte nur nicht, dass du es erlauben würdest. Ich bin sowas von dabei.« Um unsere Abmachung vollkommen abzuschließen, wollte sie anscheinend noch, dass ich einschlug. Tja, wenn’s sonst nichts war. Meinetwegen.