Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 5 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 1 | Die Mission?

 

 

Ein Blick auf meine Eltern verriet mir sofort die Frage, die ich mir schon seit Anbeginn gestellt habe: Ja, Vampire waren unsterblich. Wenn sie ausgewachsen waren hörten sie automatisch auf zu altern. Obwohl das eigentlich nicht ganz stimmte, denn wir konnten sterben. Wir lebten nur länger als Menschen, die es eigentlich gar nicht gab… aber okay. Dreihundert Jahre wurden die meisten. Natürlich hatte ich sofort gefragt, wie denn bitteschön mein echtes Alter wäre, aber meine Mutter Taylor meinte daraufhin, dass ich zwanzig Jahre wäre – zwei Jahre jünger als Max… aber acht Jahre älter als Dana, die natürlich noch nicht ausgewachsen war. Dann konnten Vampire also doch Kinder kriegen… natürlich! Also waren doch nicht alle Mythen meines Kopfes wahr. Irgendwann war das Abendessen mit der Familie und Anhang (wer auch immer das alles war) vorbei und ich konnte endlich zusammen mit Ali auf mein Zimmer gehen. Bald nährte sich nämlich der Tag und ich musste dann schlafen, wenn ich nicht verbrennen wollte – auch eine Sache, an der ich mich noch nicht gewöhnen konnte. Okay, Ali hatte mir gesagt, dass wir nicht wirklich verbrennen würden. Ein extrem roter Ausschlag war aber auch nicht schön. Dafür war ich den Casses irgendwie dankbar, dass sie die Sache schlimmer dargestellt hatten als sie eigentlich war. Es war eine gute Warnung an mich gewesen: Sonnenlicht – tabu.

Als wir es uns in meiner gigantischen Liegewiese gemütlich gemacht hatten, kam ich zu dem Punkt zurück, den ich früher schon angesprochen hatte: »Was ist das jetzt für eine Mission, die wir geplant haben?«

Ali drehte sich genervt in die Kissen. Anscheinend wollte sie dieses Thema nicht so gerne durchkauen. Aber sie wusste natürlich genauso gut wie ich, dass es irgendwann angesprochen werden musste. »Max hat dir ja erzählt, dass Magie viel mit dem Ich zu tun hat. Na ja… es hatte einen Grund, warum du so oft zu den Casses gegangen bist. Wir hatten herausgefunden, dass deren Magie irgendwie anders ist. Du wolltest dir diese Magie aneignen, denn nur mit dieser Magie können die Casses am Ende vernichtet werden.«

Vernichtet? Ich hatte mich wohl verhört. Wir wollten die Casses töten? Dass Vampire Mörder waren, wusste ich ja durch meine falschen Erinnerungen. Aber ich glaube nicht, dass ich das jetzt könnte. Nicht mit meinen Erinnerungen, die ich jetzt hatte – als Mensch.

»Töten? Nein, das kommt nicht in Frage.«

»Es hört sich vielleicht zunächst barbarisch an, aber es ist etwas Notwendiges, was gemacht werden muss. Die Casses kümmern sich nicht um Regeln, Alea! Ist dir klar zu was das alles führen kann?« »Wenn ich mich nicht irre, verstößt Töten auch dagegen.« »Nicht, wenn die Regierung diese Regeln aufstellt. Klar ist Töten an sich nicht in Ordnung – untereinander. Aber Alea… Willst du, dass die Casses dies zuerst tun? Früher warst du total überzeugt von dieser Aktion. Da musst du wieder hinkommen. Alle fragen sich, warum du so starke Fähigkeiten besitzt… Nur mir hast du das Geheimnis verraten. Du besitzt beide Arten der Magie. Die Magie, mit denen die Casses getötet werden können. Lass das alles nicht umsonst gewesen sein.«

»Aber ich verstehe das nicht ganz… diese zweite Art von Magie. Wie erlange ich sie? Laut Max muss ich mich selbst finden… wie soll ich das anstellen?« »Genau kann ich das auch nicht sagen. Aber es wäre sicher gut, wenn du das tust, was du immer tust.« »Und was wäre das?«

»Bei deiner Familie sein, deinen Freunden… Du musst sie wieder kennen lernen. Oh… und du musst dich wieder in Jayden verlieben. Ihr zwei seid echt das süßeste Paar weit und breit. Und dann… Am frühen Abend, wenn deine Familie noch schläft schleichst du dich zu den Casses.« »Und was mache ich bei den Casses? Wie komme ich an diese Magie?«

»Hm… sonst hast du da immer so komische magische Steine geklaut. Diese Steine gibt es bei uns im Königreich ja auch, bloß eben für unsere Magie. Ich weiß nicht wie das bei den Casses ist, aber bei uns sind diese Steine total stark. Sie helfen bei Dingen, die normale Vampire nie hinbekommen könnten. Jeder Stein ist unterschiedlich und kann etwas anderes. Wir haben Regeln, die besagen, dass nur die Königin und der König darüber verfügen dürfen. Aber da die Casses keine Regeln haben… wird es da anders und gefährlicher sein. Siehst du, noch ein Grund für diese Mission! Moment,… natürlich!«

Ali schien anscheinend gerade ein Geistesblitz gekommen zu sein. »Was ist denn?«, fragte ich, da ich immer noch null Ahnung hatte… sowieso… von allem. »So wirst du wahrscheinlich irgendwie deine Gedanken verloren haben – mit Hilfe der Steine. Aber… das ist merkwürdig. Dazu bräuchten die Casses das passende Gegenstück von unseren Steinen. Die hätten sie niemals in die Finger bekommen können. Okay, wahrscheinlich irre ich mich doch. Es muss ihnen irgendwie anders gelungen sein.«

Manomann, aus Ali wurde man auch irgendwie nicht schlauer. Okay, so ganz stimmte es ja auch nicht. So grob wusste ich zumindest schon mal, was ich tun könnte, um meine Magie wieder zu erlangen.

»Dann erzähl mir doch noch Mal ein bisschen aus meinem Leben. War ich toll?«, fragte ich grinsend. »Ja, ganz wunderbar. Obwohl wir ehrlichgesagt noch nie so viel über dich geredet haben wie jetzt gerade. Meistens reden wir über mich… oder hören einfach Musik, gucken Filme und spielen mit unseren Fähigkeiten herum. Aber das mit den Fähigkeiten könnte jetzt ja schwierig werden.«

»Aber du könntest mir etwas über dich erzählen. Ich meine, ich habe ja alles wieder vergessen, was du mir je erzählt hast.« »Ist vermutlich auch besser so. In unseren Gesprächen ging es meistens um meine Jungsprobleme… und wie ich mich nie festlegen konnte. Du weißt ja gar nicht wie gut du es hast, dass du den einen gefunden hast.«

»Also laut meinen Erinnerungen bin ich ein überzeugter Single. Hoffentlich haben die Casses mein Gehirn nicht zu sehr verpfuscht, das sich das nicht ändern lässt. Laut deinen Beschreibungen scheint Jayden ja perfekt zu sein… ich hoffe, dass ich mich noch mal in ihn verlieben kann.«

»Davon bin ich überzeugt. Ich weiß auch nicht… in meinem Kopf ist einfach dieses Märchen, dass wahre Liebe alles überstehen kann. Tja… auch wenn ich da schlecht mitreden kann. Ich finde tausend verschiedene Jungs süß, aber bei niemanden von denen bekomme ich Herzklopfen.«

Sie wirkte wirklich betrübt. Das tat mir echt weh, dass ich quasi einen Freund hatte, den ich seelisch eigentlich gar nicht brauchte – ich war, wie gesagt, gerne Single. Und sie, die einen gebraucht hätte, bekam einfach keinen ab.