Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 3 von 46

PDF-Seiten

Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 1 | Alea, die Fledermaus?

 

 

Dass ich in dieser Welt irgendwie reicher sein würde, hatte ich mir ja schon fast gedacht. Immerhin hatte Max irgendwas davon gelabert, dass wir zur Oberschicht gehören würden. Aber mit Prinzessin hätte ich nicht gleich gerechnet. Eigentlich wäre das sogar mein aller letzter Gedanke gewesen. Immerhin war mein Leben sonst nie gnädig mit mir gewesen. Ja, es gab sogar Momente, wo ich ab und an hungern musste. Aber halt, Jenny… nein – Alea, dieses Leben gab es nie! Das ist doch alles nur Einbildung…

»Jetzt bist du sprachlos, was?«, fragte mich Max grinsend. »Na dann wird es wohl Zeit, dass wir nach Hause gehen. Findest du nicht? Du musst doch deine Familie kennenlernen. Da wir kein Auto haben -« »Warte, also existieren Autos in Vellance auch?«, unterbrach ich ihn. »Aber natürlich gibt es die. So viel anders wird Vellance gar nicht sein als deine Fantasiewelt. Die Casses sind nämlich total einfallslos. Allerdings bin ich als Fledermaus zu dir geflogen…und-«

Ich konnte einfach nicht anders als ihn erneut ins Wort zu fallen. »Nein, nein! Auf keinen Fall. Können wir nicht gehen? Ich bin noch nicht bereit dazu, Max.« »Das würde zu Fuß Jahre dauern. Außerdem ist es das simpelste was es gibt – sich in eine Fledermaus zu verwandeln. Das ist somit eine gute Übung für den Anfang.« Ich stöhnte auf. Ich sah es schon kommen: Ich konnte so viel diskutieren wie ich wollte… am Ende würde mein Bruder sowieso seinen Willen bekommen. »Also gut. Was muss ich tun?« »Zunächst solltest du deine Kleidung komplett anlegen, da sie sonst durch die Verwandlung verstört wird.«

Ich starrte ihn entgeistert an. Eigentlich gehörte ich zu der Sorte Menschen, deren Peinlichkeitsgrenze nicht leicht überschritten werden konnte… aber wir sind hier doch in der Öffentlichkeit! Jeder könnte hier vorbei kommen. »Ich weiß ja nicht, warum die Casses es für dein Gedächtnis so programmiert haben, das du es peinlich findest… vielleicht damit du dich nicht so einfach wieder in eine Fledermaus verwandeln kannst. Aber Alea, in Vellance ist das etwas ganz Normales.«

Oh Mann. Hoffentlich würde ich mich irgendwann wieder an mein richtiges Leben gewöhnen. »Macht es dir was aus, wenn ich mich erst noch hinter diesem Busch da stelle? Ich muss mich damit erst noch anfreunden.« »Selbstverständlich«, sagte Max, der sich immer noch über mich amüsierte. Obwohl es auch diesen Blick in seinem Gesicht gab, der wirklich besorgt aussah.

Als wir beiden unsere Kleidung abgelegt hatten, erklärte er: »Die Kleidung können wir hier lassen, da sie durch etwas Magie später wieder an unserem Körper landet, wenn wir zum Menschen werden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob du das schon hinbekommst, aber das macht nichts. Ich werde sie dann für dich holen. Kommen wir nun zu der Verwandlung. Magie hat viel mit Vorstellungskraft zu tun – aber auch mit dem Gedanke, was dich aus macht.«

»Aber wie soll ich wissen was mich ausmacht, wenn ich mich an mein Leben nicht erinnern kann?«, fragte ich ihn aufgebracht. Von wegen total simpel!

»Ja, deshalb nahmen dir die Casses auch deine Erinnerungen – damit du keine Magie praktizieren kannst. Aber die Verwandlung in eine Fledermaus ist eher körperlich als geistlich. Wie eine Fledermaus aussieht weißt du ja… du musst sie dir vorstellen. Schwierig könnte werden, dass du dich nicht mehr daran erinnern kannst, wie man sich als Fledermaus fühlt. Aber das sollte nicht das Problem sein. Jeder muss sich schließlich Mal in einer Fledermaus verwandeln und die wussten das anfangs auch alle nicht.«

Okay, dann mal los. Ich stellte sie mir vor meinen Augen vor: Die großen schwarzen Flügel, die großen Ohren, den Kopf,… Doch irgendwie blieb ich noch der Mensch, der ich auch vor zwei Sekunden gewesen bin. »Was mache ich falsch? Ich stelle sie mir deutlich vor.«

Max musste nur kurz überlegen. »Wahrscheinlich stellst du sie dir nur vor, wie sie vor dir fliegt. Aber das ist nicht richtig. Du musst dir vorstellen wie du zur Fledermaus wirst. Werde eins mit diesem Tier und fühle dich mit diesen Tieren verbunden.« »Hättest du das nicht eher sagen können?«, fragte ich genervt. »Tut mir ja leid, aber für mich geht das inzwischen wie von selbst. Ich weiß gar nicht mehr so genau, was man machen muss. Ich bin ein schlechter Lehrer… ich weiß.«

Plötzlich musste ich feststellen, dass ich eigentlich schon immer von Fledermäusen fasziniert gewesen war. Ich dachte eigentlich immer, weil sie wie ich in den dunkelsten und heruntergekommensten Ecken lebten. Aber vielleicht hatte es doch noch andere Gründe.

Und Max hatte Recht gehabt. Der Rest ging jetzt fast wie von selbst. Als ich meine Arme von mir streckte, merkte ich bereits wie meine Finger miteinander verschmolzen. Es hätte sich komisch anfühlen sollen, doch eigentlich war es ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Mein Körper zog sich zusammen und meine Krallen suchten Halt im Boden. Von irgendwoher hörte ich etwas, das nur Max sein konnte. Allerdings gab Max plötzlich Laute von sich, die ich nicht verstehen konnte.

Bis ich plötzlich Max Krächzen über mir wahrnahm, welches ich nun komischer Weise ziemlich gut verstehen konnte: Na komm schon, Alea. Die Flügel bewegen sich nicht von alleine. Verunsichert bewegte ich den Teil, wo sich eigentlich meine Arme befinden sollten. Doch als mich die Flügel nun in die Luft zogen, war ich ziemlich erleichtert, dass die Arme dort nicht mehr waren.

Und wie ändert man die Richtung?, fragte ich Max verunsichert. Entspann dich mal. Das hättest du auch selber herausgefunden. Aber wenn es dich beruhigt: Bewegst du den rechten Flügel stärker, geht’s nach links. Die Angst wich langsam von mir und ich wurde sicherer was das Fliegen anging. Ich testete das Lenken und … kaum zu glauben, aber wahr … ich machte sogar einen Looping.

Als Max meine Selbstsicherheit bemerkte, fing er an schneller zu fliegen. Ich wollte ihm gerade zu krächzen, dass er doch bitte warten sollte. Doch überrascht stellte ich fest, dass ich doch super mit ihm mithalten konnte.

Der Flug kam mir so kurz vor, dass ich traurig war als er schon wieder vorbei war. Doch irgendwie war ich auch aufgeregt als Mensch in dieses große Schloss zu meiner Familie zu gehen… denn es war wirklich riesig – und wunderschön! Die Rückwandlung brauchte mir Max nicht mehr erklären. Mich wie ein Mensch zu fühlen, das konnte ich schließlich mehr als gut. Halt, falsch. Kein Mensch – Vampir.

Nachdem Max mir meine Kleidung angelegt hatte, fühlte ich mich doch eindeutig wohler. Noch ein Grund, warum ich ein besserer Mensch als Vampir war. Würde sich das je ändern? Könnte man meine richtigen Erinnerungen irgendwie wieder herstellen? Alles Fragen, mit denen ich mich wohl oder übel in Zukunft beschäftigen musste.

Plötzlich wurde ich von einem Mädchen überrumpelt, das aus dem Haupttor des Schlosses auf mich zugerast kam und mich stürmisch umarmte. Sie hatte, so wie ich, braune Haare (Okay, meine waren eher schwarz... aber als dunkelbraun kann man das auch noch gelten lassen), allerdings ist ihr Teint einige Nuancen heller. »Alea! Hast du wieder mit denen aus der Unterschicht rumgehangen? Ich weiß, du machst das, um eine Möglichkeit zu finden, diesen Krieg zu gewinnen… Aber ich halte es immer noch für eine schlechte Idee.« Okay, wer war das nun wieder? Meine andere Schwester vielleicht? Laut Max war er ja nicht mein einziger Geschwisterteil. »Und damit hattest du wahrscheinlich Recht, Ali. Denn dank den Casses musst du Alea jetzt erst davon überzeugen, dass sie deine BFF ist. Die hat nämlich keinerlei Erinnerungen an dich, mich oder sonst jemanden.«