Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 30 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 8 | Wieso immer ich?

 

 

Ich hätte mir wahrscheinlich einige Rippen gebrochen, wenn Daniel nicht kurz vor meinem Aufprall für einige Sekunden die Zeit angehalten hätte. Die Zeit angehalten hätte… sowas konnte echt nur von den Casses kommen, denn ich war mir sogar ziemlich sicher, dass das nicht den Regeln entsprechen würde.

Trotzdem hatte er mir unangenehme Schmerzen, die als Vampir zwar schnell heilen würden, aber immer noch unangenehm waren, erspart. »Danke«, murmelte ich somit. »Nicht dafür«, antwortete er, während ich mich langsam vom Boden aufrappelte.

»Wo ward ihr denn alle bloß?«, fragte ich in die Runde. Jayden starrte mich entgeistert an. »Wo wir waren? Alea, du warst diejenige, die einfach nicht wieder auf den Boden kommen wollte. Ich habe mir schon voll die Sorgen gemacht.«

»Wie jetzt? Und ihr seid da oben auf keinerlei Gefahren gestoßen?« Das konnte doch nicht sein! Wieso immer ich? Als wäre ich nicht schon genug mit der Tatsache bestraft, dass ich keinerlei Erinnerungen an meine Vergangenheit hatte. »Nein, das kam uns schon irgendwie komisch vor. Allerdings sahen wir genug Gefahr daran, dass du noch nicht zurückgekehrt bist«, meinte Max.

»Was ist dir da oben eigentlich passiert? Wie konntest du so lange da oben bleiben?«, fragte mich Ali. »Keine Ahnung, irgendwie hat der Wind von unten so gedrückt, dass ich zwar nicht mehr durch die Gegend flog, allerdings auch nicht runter konnte. Irgendwann, während ich so durch die Wolken lief, kam ich an einem Luftschloss an. Da drin war es ja mal total creepy. Vieles habe ich selber nicht ganz verstanden. Am Ende sah es dann jedenfalls so aus, dass mein zukünftiges Ich mich töten wollte.«

Alle schauten mich total verdattert an, als hätte ich mir zu hart den Kopf gestoßen. Ich wusste ja selber, dass sich das verrückt anhörte. »Dein zukünftiges Ich?«, harkte Daniel nach, als ich ganz vergaß weiterzuerzählen. »Ja. Aber kurz und knapp: Ich habe die Bude da oben am Ende in die Luft gejagt. So konnte ich entkommen.«

»Du hast was?«, fragte Ali entgeistert.

»Wie hast du das bitte geschafft?«, fragte mich Jamie. Jetzt grinste ich über beide Backen. »Ich habe angefangen wieder Casses Magie zu entwickeln!« Plötzlich kreischte Ali auf, lief auf mich zu und drückte mich fest an sich. »Das ist ja fantastisch! Zeig her, Alea!« »Ich muss dich aber vorwarnen. Sie ist irgendwie noch nicht so stark wie sie eigentlich sein sollte.«

»Egal. Besser als nichts. Nun mach schon und setz den Baum dahinten in Brand.« Ich nickte und dachte wieder an exakt dieselben Sachen, wie auch oben im Schloss… und natürlich daran, wie dieser Baum Flammen fing. Doch dieses Mal… passierte nichts. »Was zur Hölle…?«, setzte ich an. »Warum geht das nicht? Ich mache doch nichts anders als da oben!«

Mein Bruder musste Mal wieder den Klugscheißer raushängen lassen: »Das kommt dir vielleicht so vor, aber in Notfallsituation reagieren wir oft anders. Vielleicht nicht vom Kopf her, aber zumindest fühlen wir uns anders.« »So ein Mist. Ich dachte eigentlich, meine Fähigkeiten würden jetzt eher stärker werden anstatt schwächer.« Jamie schaute die ganze Zeit nur verwirrt zwischen uns hin und her. »Ich komm bei euch irgendwie nicht mit. Sucht Alea etwa immer noch ihre Fähigkeiten? Warum geht sie dann nicht einfach wie normale Vampire zu Schulen, die einem dabei helfen.«

»Weil Alea das alles schon gemacht hat und würde an dieser Stelle wenig Sinn machen. Denn Alea sucht sich nicht mehr selbst und nachdem was sie ausmacht. Das hat sie bereits herausgefunden und hat Fähigkeiten entwickelt. Es bringt nur was, wenn sich Alea wieder erinnert… und genau das haben wir mit dieser Reise vor«, erklärte Max.

»Sie hat ihre Erinnerung verloren? Wie kann denn sowas passieren?«, fragte Jamie. »Wie so was passieren kann?«, entgegnete Jayden wütend. »Natürlich wegen euch Casses. Es wurde ein mächtiger Stein eingesetzt, der ihr ihre Erinnerungen nahm.«

Darauf antwortete Jamie nichts mehr und sagte nur: »Ihr seid ein komischer Haufen, wisst ihr das? Sie besitzt Casses Magie und sie besaß Casses Magie, konnte sie aber kurzzeitig zurückgelangen?!«, dabei zeigte Jamie erst auf Ali und dann auf mich. »Und ich dachte immer, ich wäre die einzige Verrückte auf dieser Welt mit meiner komischen Magie.« Und ich dachte immer, ich wäre ein Mensch namens Jenny aus New York. Anscheinend konnten wir uns alle mal täuschen.

»Wie sieht es aus? Wollen wir unser Lager errichten? Das Element Feuer schaffen wir bis Sonnenaufgang eh nicht mehr«, schlug Jayden vor. »Ja, finde ich auch«, warf ich ein.

Während wir mühsam unsere Zelte aufbauten, zauberte die glückliche Jamie ihres einfach herbei. »Könntest du uns nicht auch gleich eins mitbringen?«, fragte ich, während ich schweißgebadet von meinem Zelt aufschaute. Ich kann einfach kein Zelt aufbauen! Leider waren Ali und Daniel auch nicht viel besser darin. Zum Glück war Jayden Gentleman genug, dass er uns auch mal unter die Arme griff. »Tut mir leid, aber ich habe nur eins. Wir Casses sind ja bekanntlich nicht so reich wie ihr Feences.« Ganz klasse.

Den Rest der Nacht verbrachte ich mit Ali vor dem Lagerfeuer. Wir erzählten uns dies und das, aber nichts Besonderes. Das Thema Daniel wollte sie anscheinend ganz bewusst meiden. Darüber war ich ehrlichgesagt erleichtert. Max und Jayden spielten im Zelt Karten, die Max von Zuhause mit eingepackt hatte.

Und Jamie suchte den Kontakt zu Daniel, was mich kaum wunderte. So funktionierte es nun Mal in Vellance: Die Casses und Feences blieben immer unter sich und bekamen kaum etwas von dem anderen Clan mit. Wahrscheinlich auch der Grund, warum sie sich untereinander nicht kannten. Feences konnten kaum verstehen, wie es war unter schlechten Verhältnissen zu leben. Ich wusste es ja auch nur, weil meine Erinnerungen manipuliert wurden. Ja, und deshalb war Alis und Jamies (und meine frühere) Magie auch komisch. Weil die Feences und die Casses kaum noch in Kontakt traten.

»Vertraust du der neuen?«, fragte mich Ali plötzlich. »Glaub schon, du?« Bis jetzt hatte ich ja noch keine Träume von ihr gehabt. Gut so. »Keine Ahnung. Ich vertraue generell eigentlich keinen. Ich lasse kaum Leute an mich heran. Das hat Vorteile. Dann kann man nicht enttäuscht werden.« »Vertraust du denn mir?«

»Ja, du bist die Ausnahme«, sagte sie und grinste. »Deswegen sind wir ja auch beste Freunde.« »Ach, das ist mir ja was ganz neues«, sagte ich und grinste zurück. Sie hatte mir gefühlte tausend Mal erklärt, dass ich ihre beste Freundin war, als ich meine Erinnerungen verloren hatte. »Ich will nur nicht, dass du es vergisst.« »Das könnte ich glaube ich nie vergessen.« Okay, ich hatte es vergessen. Ich bin davon ausgegangen, dass Julie meine beste Freundin sei. Aber die hatte ich eigentlich schon ganz vergessen. Ich mochte Ali als beste Freundin viel lieber.