Alea Reeves, vampire princess lost
Tag 7 | News?
»Ist ja passend. Du möchtest mir etwas Wichtiges sagen und ich möchte etwas Wichtiges wissen.« Max lachte. »Ja, aber höchstwahrscheinlich willst du nicht das wissen, was ich dir sagen möchte.« »Okay, dann mal los: Was willst du mir sagen, was ich eigentlich schon wissen sollte?«
»Also, gestern sollte eigentlich eine große Feier in unserem Königreich stattfinden…« »Oh, und wegen mir und meiner blöden Reise konntest du nicht teilnehmen. Das tut mir echt leid.« Er schüttelte den Kopf, wobei er wieder sein typisches arrogantes Grinsen aufgelegt hatte. »Ne, so ist das nicht. Wir haben die Feier vor sieben Tagen augenblicklich verschoben, als wir wussten, dass du deine Erinnerungen verloren hattest.« Jetzt verstand ich gar nichts mehr. Was hatte das alles bitte mit meinem Gedächtnisverlust zu tun? Vielleicht irgendeine Vampirprinzessinnenfeier, die nicht mehr stattfinden konnte, weil ich ja keine würdige Prinzessin mehr war.
Doch ich hatte mich geirrt. »Gestern wollten Justine und ich eigentlich unsere Hochzeit feiern, doch hielten es beide für besser, solange zu warten, bis du deine Erinnerungen zurück hast.« Max wollte heiraten – schon? So hatte ich ihn nun wirklich nicht eingeschätzt. Er war doch noch so jung… obwohl die Regeln für Vampire und Heiraten vielleicht auch anders aussehen könnten. Keine Ahnung. Da war heiraten in diesem Alter vielleicht total normal. Um Gottes Willen, unser Altersunterschied war total gering. Aber ich … fühlte mich zum Heiraten überhaupt noch nicht bereit. Andererseits… die alte Alea ja vielleicht schon.
»Und dafür soll ich unbedingt meine Erinnerungen zurück haben? Was, wenn das noch Jahre dauert?« »Wieso Jahre, Alea? Wir haben doch schon Element Nummer zwei hinter uns.« Dass ich durch diese Reise meine Erinnerungen zurückbekommen würde, daran dachte ich schon lange nicht mehr. Ich wog nur noch ab, ob wir es hier lebend herausschaffen würden oder nicht.
»Ihr hättet die Hochzeit kurz bevor wir abgereist sind feiern sollen. Für eine schöne Hochzeit braucht ihr doch nicht meine Erinnerungen.« »Das nicht, aber du warst doch die Trauzeugin und solltest eine Hochzeitsrede halten.« »Naja, etwas konnte ich dich ja in der kurzen Zeit kennenlernen. Ich würde also nicht mit leerem Zettel da stehen.«
Doch meine Worte schienen seine Laune nicht zu heben, eher das Gegenteil war der Fall. »Ja, Alea. Du hast mich in diesen sieben Tagen etwas kennengelernt. Aber was sind schon sieben Tage gegen einundzwanzig Jahre?« »Und was ist eine Hochzeit, die nicht ganz so abläuft wie erwartet gegen gar keine Hochzeit?« Okay, das hätte ich jetzt nicht sagen dürfen.
Max hoch verwundert seine Augenbraue. »Was meinst du mit gar keine Hochzeit?« »Was ich damit meine?! Diese Reise ist total lebensgefährlich und du warst nicht der erste, der das heute am lebendigen Leibe erfahren durfte.«
»Klar, ist es gefährlich. Aber deshalb darfst du nicht gleich so pessimistisch denken. Du musst dir einfach unser Ziel vor Augen rufen.« Genau, unser Ziel, dass wahrscheinlich nie existiert hatte. Alles eine Falle der Casses… Warum sollte Jared sonst auch eine Anmerkung über den Aufenthaltsort des Steins machen? Ich bin ja so dämlich gewesen…
»Und was wolltest du von mir wissen?«, holte mich Max zurück aus meinen Gedanken. »Du weißt ja, dass ich ab und zu Träume habe. Träume, wo ich Stücke von meiner Vergangenheit sehe. Naja, heute hatte ich einen darüber, dass unsere Eltern und König Lian wohl eine gemeinsame Vergangenheit haben. Weißt du was darüber?«
Und da hatte sich Max Grinsen wieder auf sein Gesicht geschlichen. »Was ist daran so lustig?« »Naja, weil alles was ich über diese Sache weiß, du mir mal erzählt hast. Ich weiß immer noch nicht, wie du an die ganzen Infos gekommen bist. Ich kann mir kaum vorstellen, dass unsere Eltern dir das alles erzählt haben. Aber ich schätze, das ist typisch für dich. Wenn du etwas wissen willst, erfährst du es – egal wie.«
»Tja, da es aber noch etwas dauern könnte, bis ich meine Erinnerungen zurückbekomme, wäre ich dir dankbar, wenn du es mir erzählen könntest. Ich sterbe vor Neugierde!« »Hm, so interessant ist die Geschichte aber auch nicht, dass es sich lohnt dafür neugierig zu sein.« »Egal! Erzähl einfach!«, rief ich ungeduldig.
»Ist ja gut. Also Mum, Dad und König Lian waren beste Freunde in ihrer Kindheit. Auch wenn König Lian nicht gekrönter König ist, sondern nur angeheiratet, wirst du in dieser kurzen Zeit trotzdem festgestellt haben, dass er trotzdem ziemlich mächtig und besonders ist. Und so war er auch schon als Kind. Auch wenn Dad und Lian beste Freunde waren, schien Dad oft ziemlich neidisch auf Lian gewesen zu sein. Er bekam das bessere Spielzeug und so weiter und so fort. Weil Lian nun gerade so zauberhaft war, schien nun auch unsere Mutter lieber mit Lian spielen zu wollen. Wahrscheinlich spielte sie nicht wirklich lieber mit ihm, nur kam es dem eifersüchtigen achtjährigen Jasper bestimmt so vor.«
Er machte eine kurze Pause. »Wie auch immer. Dann zog König Lian halt weg, Mum und Dad kamen sich näher – Happy End.« Er lachte scherzhaft. »Aber ich weiß noch, dass es kurz vor unserem Umzug ins Schloss noch Mal zu einem ziemlichen Streit zwischen unseren Eltern kam. Natürlich weil Dad auf keinen Fall zu Lian ins Schloss ziehen wollte. Aus dem vollkommen bescheuerten Grund, dass Mum sich wieder in König Lian vergucken könnte. Aber mal ganz ehrlich? Ich bin da total auf der Seite unserer Mutter, wie du übrigens auch warst. Sie hat nie wirklich was für Lian empfunden, immerhin waren sie damals noch Kleinkinder! Außerdem war er inzwischen glücklich verheiratet – und Mum und Dad ja ebenfalls.
Irgendwann konnte er dann aber seine dumme Kindheitseifersucht überwinden und wir konnten, wie du ja weißt, im Schloss leben. Ich schätze mal, dass dieser Streit unserer Eltern deren Ehe aber gefestigt hat – und inzwischen leben wir alle glücklich zusammen im Schloss. Also keine Sorge. Du hast ein Problem weniger.« Naja, als Problem hatte ich das eigentlich auch nie angesehen. Ich wollte es einfach nur gerne wissen. Probleme bereitete mir eher der zweite Teil meines Traumes, doch diesen Gedanken behielt ich noch eine Weile für mich.