Alea Reeves, vampire princess lost
Tag 9 | Das Ende?
Aufwachen, Alea! Wir müssen doch rechtzeitig aufbrechen für das letzte Element«, weckte mich Alis Stimme aus meinen Träumen. Ach, genau. Das letzte Element, das doch nicht das letzte war, laut Jamie. Aber Ali schien trotzdem noch guter Hoffnung zu sein.
Am liebsten hätte ich mich einfach umgedreht und wäre weitergeschlafen. Aber das ging natürlich nicht. Verdammt, manchmal vermisste ich mein falsches Leben echt. Es war nicht so anstrengend. »Gib mir nur noch ein paar Sekunden, bitte.« »In fünf Minuten bist du angezogen und draußen, Alea. Wir warten schon alle draußen auf dich.« Verdammt, alle waren schon auf den Beinen? Grrrrrr….
Ich entschied mich für das schlichte schwarze Oberteil mit der blauen Jeans. Etwas Besseres hätte ich auch nicht gehabt. Die Kleider warteten schließlich alle Zuhause auf mich. Bis mir plötzlich einfiel, dass heute Feuer dran ist. Schwarz war da vielleicht nicht so vorteilhaft. Auch wenn es wahrscheinlich egal gewesen wäre, zog ich mir doch das blaue Karohemd an.
»Wenn dann jetzt auch unsere kleine Schlafmütze wach ist, können wir dann?«, fragte Jayden und grinste mir zu. Haha, sehr witzig. »Ja, wenn Jayden das Zelt eingepackt hat.« »Als wenn abbauen so schwer wäre…« »Das nicht. Du machst es nur trotzdem besser.«
Da Jayden nun mal Jayden war fackelte er nicht lange und packte das Zelt wieder in den Rucksack. »So, meine Damen und Herren. Hier habt ihr gerade einen Profi bei der Arbeit gesehen.« Grinsend nahm ich ihm meine Tasche ab und dann setzten wir uns in Bewegung.
Dieses Mal wurden wir nicht schonend auf das Element vorbereitet. Es wurde nicht wärmer oder sonst was. Wir gingen ganz sinnlich auf brachen Untergrund, als plötzlich eine Feuerfontäne durch den Boden schoss. Zwar ein Stück von mir entfernt, doch natürlich sprühte das Feuer auch einige Meter Funken. Mit weichen Knien entfernte ich mich so weit wie nur irgend möglich von der Feuerfontäne.
»Das gefällt mir hier gar nicht«, murmelte Jamie vor sich hin. Da war sie sicher nicht die einzige. Der ganze Kreis der Elemente war Käse. Ich machte mir jetzt ständig Sorgen, dass die Feuerfontäne noch mal ausbrechen würde, nur dieses Mal direkt unter mir.
Doch wie es aussah, brauchte ich mir darüber keine Sorgen machen. Jedenfalls nicht um eine neue Fontäne. Die alte allerdings umso mehr, denn diese zischte nun an uns vorbei anstatt weiterhin harmlos in die Luft zu funken. Reflexartig sprang ich zur Seite, wobei ich Daniel voll auf die Füße trampelte. »Was ist das?«, fragte ich ängstlich in die Runde, doch bekam natürlich keine Antwort, weil niemand die Antwort kannte. Nicht nur, dass das Feuer vollkommen wild durch die Gegend irrte. Es schien sich jetzt auch zu verformen. Die längliche Gestalt verschwand und das Feuer türmte sich auf.
»Okay, das ist mir langsam aber sicher nicht mehr geheuer«, sagte Max. »Wir sollten schnell von hier verschwinden.« Vorher hatten wir auch schon einen zügigen Schritt drauf gehabt, doch jetzt fingen wir richtig an zu rennen.
Ich bemerkte schnell, dass das nichts brachte. Die Feuergestallt hatte uns bereits eingeholt. Als ich das Feuer jetzt genauer betrachtete, traute ich meinen Augen nicht. »Ist das… ist das… hat das Feuer die Form eines Hundes?« Ali und Jamie, die vorweg liefen, drehten sich jetzt auch zum Feuer um, um es genauer zu begucken. »Ja, irgendwie hat es schon eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Hund«, stellte auch Jamie fest. Kaum hatte sie dies gesagt, ertönte etwas, das ähnlich wie ein Bellen, gemischt mit einem Knurren, klang. Das wurde mir jetzt echt zu viel. »Ali, Daniel oder Jamie? Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um das Feuer mit eurer Magie zu löschen«, schlug ich hitzig vor. »Wie oft noch: Casses können kein Feuer löschen, weil das nicht gegen die Regeln verstößt«, entgegnete Daniel. Ja, das Ganze war immer noch etwas ungewohnt für mich. »Dann Jamie? Du kannst doch Feences Magie einsetzen ohne mit Nebenwirkungen zu rechnen.« Ohne zu zögern schickte Jamie einen Wasserstrahl auf die Feuerhunde zu. Zunächst dachte ich, es wäre tatsächlich gelöscht. Feuer konnte ich nicht mehr sehen, doch dann erklang wieder dieses grausame Knurren und das Feuer entfachte erneut. Jamie hatte anscheinend damit gerechnet: »Dachte ich mir schon fast. Die werden wir so schnell nicht los.« »Hört sich fast so an, als würdest du aus Erfahrung reden«, fand ich. »Ja, ich war schon mal hier«, sagte Jamie mit gesenktem Blick. Ihre Stimme klang überhaupt nicht mehr fröhlich.
»Wie wird man diese Dinger denn los?« »Gar nicht. Sie verfolgen dich, bis sie das bekommen haben, was sie wollen.« »Und was wäre das?«, harkte ich nach. »Eine Seele. Sie brauchen eine Seele.«
Eine angespannte Stille entstand. Eine Seele? Ich verstand nicht ganz. »Wenn sie eine Seele brauchten, wie kannst du dann hier sein?« »Weil sie leider nicht meine Seele genommen haben, sondern die meiner Freundin Cassie.« »Und deine Freundin Cassie…?« Glücklicherweise beendete Jamie den Satz für mich. »Sie ist jetzt tot, ja. Sie kam um mir zu helfen. Ich hätte an ihrer Stelle sein müssen.«
Ich konnte Jamies Worte so gut nachvollziehen. Sie alle riskierten mit dieser Reise ihr Leben für mich. Das konnte ich einfach nicht zulassen. Okay, Alea. Dieser Hund brauchte eine Seele. Sonst würde er nicht mehr verschwinden. Einer von uns müsste sterben. Da wir nur wegen mir überhaupt hier waren, wäre es nur fair, wenn ich das sein würde. Ich musste schlucken. Das war dann wohl wirklich das Ende.
Nachdem ich noch einmal tief durchgeatmet hatte, näherte ich mich vorsichtig dem Monster. Sein Hals (oder was immer das auch sein sollte) drehte er, als er mich bemerkte. Vielleicht täuschte ich mich ja auch, aber ich konnte meinen, dass er wirklich lächelte, als ihm klar wurde, dass ich mich als Opfer darbot. Während nun auch er auf mich zu schlängelte, hörte ich noch wie so gut wie jeder um mich etwas rief wie: Spinnst du, Alea? Nein, tu es nicht! Doch mit diesen Worten hatte ich gerechnet und die ließen mich auch nicht umstimmen.
Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, kurz bevor der Feuerhund mich erreicht hatte, wurde ich zur Seite geschupst und fiel auf den harten Boden. Ich nahm nur noch ein zufriedenes Knurren wahr. Anscheinend hatte der Feuerhund seine Seele bekommen und war verschwunden. Ich schrie auf, da es nicht meine Seele sein konnte.