Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 40 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Nacht 17 | Tu es (nicht)!

[erzählt von Alissa Lester]

Irgendwo hier musste doch dieser verdammte braune Stein sein. Vollkommen leise war ich in die Bar geschlichen, damit Jared mich auch ja nicht hörte. Okay, im vorderen Bereich der Bar war dieser Stein definitiv nicht. Aber da gab es ja noch diese Tür, die ich nun vorsichtig öffnete. Auch wenn ich noch eine Weile suchen musste, erblickte ich irgendwann einen antiken Holztisch, auf dem ein kleines vergoldetes Kästchen stand. Das zog meine Aufmerksamkeit sofort auf sich. Und tatsächlich: Als ich das Kästchen öffnete, lag dort der besagte braune Stein. Erleichtert nahm ich ihn zwischen meinen Händen, um ihn endlich und für alle Male zu zerstören. Doch gerade als ich dies vorhatte, ließ mich eine Stim-me zusammen schrecken. »Das würde ich an deiner Stelle nicht tun.« Niemand anderes als Jared natürlich.

»Klar, dass du das sagst. Wird meine Meinung aber trotz-dem nicht ändern.«»Aber du bist doch nicht die Vampirprinzessin. Das sollte Aleas Aufgabe sein.« Ich lachte bitter. »Du weißt sicherlich genau, dass sie dazu nicht in der Lage ist.«»Ja, ich frage mich nur, warum du es bist.«»Das ist doch wirklich nicht schwer zu erraten, oder? Weil es nun Mal das Richtige ist.«

»Vampire zu töten ist das Richtige?«, fragte er mich provo-kant. »Nicht irgendwelche Vampire, sondern die Casses. Das Leben ist für alle besser, wenn ihr nicht mehr existiert um Regeln zu brechen. Es wäre viel sicherer. Das sehen übri-gens alle Feences so… nur Alea scheint die Ausnahme zu sein.«

»Tja, nun. Korrigiere mich, wenn ich mich täusche, aber seid ihr nicht beste Freunde? Willst du das deiner besten Freundin wirklich antun? Könntest du es dir je verzeihen, die Liebe ihres Lebens getötet zu haben?« Ich musste Lachen. »Die Liebe ihres Lebens… aha, okay. Das kann man bei ihr ja nicht wissen, wer das genau ist. Ich habe nämlich immer gedacht die wäre Jayden. Aber ne, Hauptsache Alea bekommt die Liebe ihres Lebens.«

»Stimmt ja, ich vergaß, dass ihr ja neuerdings eine dreier Beziehung führt.« Dabei grinste er total breit. Hä? Was wollte er damit sagen? Wusste er jetzt etwa, dass sowohl Alea als auch ich in ihn verliebt sind? Und das war seine Reaktion? Wie konnte ich mich nur in so einen verlieben? Jetzt mal abgesehen von seinen wunderschönen Augen… »Hallo? Jemand zu Hause?«, fragte er.»Hm?«, war das einzige was ich hervor brachte.

»Ich sagte, dass Daniel vielleicht im Moment nicht hun-dertprozentig fair zwischen euch wählen kann.«Moment was? »Daniel? Wieso Daniel?« Jetzt war auch sein Blick sichtlich verwirrt. »Hä? Von wem sprichst du denn die ganze Zeit? Alea liebt Daniel, du liebst Daniel… ist das etwa keine Dreiecksbeziehung?« Alea liebte Daniel, nicht Jared? Hä, aber ich dachte… Okay, vielleicht war das der Grund, warum sie auf der Hochzeit so hitzig drauf war. Sie dachte, ich würde Daniel lieben. Aber natürlich dachte sie das, immerhin haben wir ja mal so etwas wie eine Beziehung angefangen. Auch wenn es dann irgendwie bei diesem einen Kuss geblieben ist…

»Achso, ja. Natürlich«, stammelte ich somit vor mich rum. Doch Jareds Blick war noch immer skeptisch. »Liebst du jetzt Daniel, oder nicht?«, fragte er mich direkt. Was sollte ich jetzt antworten? Ich konnte ja schlecht sa-gen: Nein, ich liebe dich.

»Das tut nichts zur Sache«, meinte ich deshalb einfach. »Jede Liebe für jemanden von den Casses ist schlecht. Ich habe mir geschworen, komme was wolle, ich werde diese Mission beenden. Ich dachte immer, zusammen mit Alea, aber da sie nun weg fällt, kann ich es auch alleine beenden.« »Und jetzt zur guter Letzt nochmal: Warum willst du uns noch mal töten? Einfach weil wir gegen Regeln versto-ßen.«

»Ja, genau. Ihr seid der Feind. Das ist ganz einfach: So wie in Büchern. Klar ist töten nicht richtig, aber Harry Potter musste Lord Voldemord am Ende auch töten.«

»Was glaubst du denn warum Lord Voldemord der Feind wurde?«»Natürlich weil er sich nicht um Regeln gekümmert hat. Es war verboten Menschen zu töten, um so seine Seele zu spalten, um ewig zu leben. Er hat es aber trotzdem getan.«

»Ich glaube, liebe Alissa, da musst du das Buch nochmal lesen. Du hast es nämlich nicht ganz verstanden. Lord Voldemord wurde böse, weil er die Liebe nicht in sein Herz gelassen hat. Und wenn ich mich nicht täusche hast du gerade eher das Potential der neue Voldemord zu werden.«

Was? Der verglich mich doch jetzt nicht ernsthaft mit Lord Voldemord! »Das sagt der Richtige! Ich habe doch mitbekommen, wie Daniel in der Bar zu dir meinte, dass du jede Nacht eine neue Frau bei dir hast.« Seine Miene wurde mit einem Mal unglaublich traurig.

»Da hast du wahrscheinlich Recht. Ich lasse nur noch sehr wenige Leute in mein Herz hinein. Aber anders als du stoße ich nicht die weg, die bereits drin sind.«»Was bleibt mir denn anderes übrig? Die, denen ich ver-traue, verraten mich.« »Alea hat dich nicht verraten. Sie hat nur das getan, was sie als würdige Vampirprinzessin tun musste.«»Würdige Vampirprinzessinnen lügen?«, ich musste lachen.

»Würdige Vampirprinzessinnen verbünden sich mit dem Feind? Das kann nicht das Richtige sein.«

»Du hast Recht. Es ist nicht das Richtige. Aber manchmal sind nun Mal auch Fehler richtig. Aber nicht nur Fehler können richtig sein, sondern auch das was richtig scheint. Das ist das, was an dieser Welt nicht funktioniert. Wir unterscheiden nur zwischen richtig und falsch und hören nur noch auf unseren Verstand als auf unser Herz. Ich muss zugeben, auch ich habe diesen Fehler ge-macht und deshalb Aleas Erinnerungen genommen. Weil ich nun Mal ein Casses bin. Aber wir müssen aufhören so zu denken wie alle anderen. Das ist mir inzwischen klar. Und deshalb ist Alea eine bessere Vampirprinzessin als du. Nicht, weil sie das Richtige tut, sondern weil sie sich von ihrer Liebe zu Daniel leiten lässt.«

Jared konnte mit seiner Art echt total überzeugend sein. Liebe machte manchmal wirklich blind. Fast wäre ich auf seinen Charme reingefallen. Doch ich rief mir sofort ins Gedächtnis: Das wäre das Ende. Du darfst dich nicht von den Casses manipulieren lassen – so wie Alea. Jared hatte nämlich gelogen. Ich könnte eine bessere Vampirprinzessin sein, wenn ich es schaffen würde, nicht auf die Casses hereinzufallen. Die Aufgabe war schwierig. Nicht, weil man dazu Casses Magie benötigte. Sondern weil die Casses einen manipulieren konnten und man somit von seiner eigentlichen Aufgabe abkommt. Doch mir würde das nicht passieren. Ich hatte mir ein Versprechen gegeben. Ich würde das hier beenden. Bevor mich Jared weiter in seinen Bann ziehen konnte, zerdrückte ich den Stein zwischen meinen Händen.