Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 11 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 3 | Nicht zerstört?

 

Meine kleine Schwester Dana war echt total niedlich, wie sie durchs Zimmer hüpfte wie ein kleines Känguru. Und warum nochmal? Ach ja, weil ich morgen Geburtstag hatte. Eigentlich hätte ich diese Sprünge machen müssen, immerhin wurde ich endlich einundzwanzig Jahre alt… was so viel heißt wie: Endlich volljährig!

Laut Dana hatte ich diese Party ja schon seit Wochen selber geplant, doch da alle meine Erinnerungen futsch waren, hatte sie das kurzer Hand einfach selbst gemacht. Ich meine wie alt war sie noch? Zwölf? Laut meinen Erinnerungen, auf die ja bekanntlich kein Verlass war, war ich in diesem Alter nicht so organisiert gewesen.

»Das Problem ist jetzt bloß, dass ich deine Gästeliste nicht gefunden habe… beziehungsweise, vielleicht gab es auch nie eine«, erklärte mir Dana betrübt. »Ist doch egal. Ich werde mich an über die Hälfte sowieso nicht erinnern. Lade einfach die ein, die du für wichtig hältst«, ermutigte ich sie. Und dann, mit einem fetten Grinsen im Gesicht, verließ sie wieder das Zimmer. Sie hatte ja noch allerhand in Sachen Partyplanung zu tun.

Ich hatte ihr ja vorgeschlagen, dass ich auch helfen konnte. Doch Dana wollte davon nichts hören und meinte: »Sehe es einfach als Geburtstagsgeschenk an. Du mit deinen falschen Gedanken hast sicher genug um die Ohren.«

Hm, eigentlich nicht. Ich wusste ehrlich nicht wo ich jetzt noch hin sollte. Die Nacht neigte sich langsam dem Ende zu, deshalb drehte ich jetzt die Musikanlage in meinem Zimmer höher. Ich tanzte einfach total gern meinen Frust von der Seele. Das ließ meine Laune immer gleich um mindestens fünfzig Prozent steigen. Gedankenverloren betrat ich meinen begehbaren Kleiderschrank, um mir schon mal das passende Outfit für die morgige Feier auszusuchen. Ich erwischte mich dabei, wie ich überlegte: Welche Farbe Jayden wohl am liebsten mag? Ich wünschte mir, ich könnte mich daran erinnern. Doch da dies nicht der Fall war, suchte ich mir spontan einfach das Kleid aus, was mir persönlich gut gefällt.

Ich konnte die Augen einfach nicht von einem rosa farbigen Kleid wenden, welches an der linken Brust und im unteren Teil mit Rosen verziert war. Die Mitte wurde von einem schwarzen Gürtel verziert, der super zum Rücken passte, da sich dort schwarze Bänder zum Knoten befanden.

In meinen falschen Erinnerungen wäre ich damit für einen einundzwanzigsten Geburtstag zu overdressed. Aber hier, in einem Königreich, war es sicher perfekt. Es war nicht zu lang, sodass ich später noch super darin tanzen konnte. Dann wäre dieser Punkt ja schon Mal geklärt.

Gerade als ich das Kleid wieder zurück hängen wollte, bemerkte ich, dass sich die Wand dahinter bewegen ließ. Neugierig drückte ich stärker dagegen, um festzustellen, dass sich dahinter tatsächlich noch etwas verbarg: Ein Regal, auf dem nach der Reihe überall braune Steine drauflagen. Vorsichtig holte ich einen Stein heraus und betrachtete ihn genauer. Das eine Ende des Steines war rund, während das andere nach unten spitz zu lief. Diese Form schien auf jeden dieser Steine zu zutreffen.

Plötzlich fiel mir ein, dass das nur die Steine sein konnten, die ich früher immer von den Casses gestohlen hatte. Eigenartig… anscheinend hatte ich sie noch nicht zerstört gehabt. Vielleicht mussten die Steine ja alle auf einmal verstört werden.

Nervös schloss ich die Tür wieder. Sollte ich Ali von diesem Versteck erzählen? Ich meine, immerhin hat das mein altes Ich auch nicht getan. Okay, andererseits kam mein altes Ich auch gut alleine klar, während ich jetzt ziemlich hilflos war. Himmel, Ali war ja sogar die mit der besonderen Magie, nicht ich.

Sie war die einzige, die diese Steine zerstören konnte. Natürlich musste ich es ihr sagen. Eine andere Möglichkeit stand nicht zur Option.

Erschöpft schlüpfte ich in meinem Pyjama und kletterte in mein Himmelbett. Ich fühlte mich komplett erledigt. Sowohl geistig als auch körperlich. Wie sehr wünschte ich mir, dass ich mich an meine Vergangenheit wieder erinnern konnte? Ich glaube diese Zahl war so groß, dass es sie gar nicht mehr im Zahlensystem gab. Zu meiner Überraschung kam König Lian noch kurz in mein Zimmer, bevor ich die Augen zu machen konnte. »Ich hoffe du hast noch nicht geschlafen, Alea«, sagte er in einem ruhigen Ton, den man sicher gerne vorm Einschlafen hören möchte. »Nein, noch nicht«, antwortete ich. »Was gibt’s?« »Ich wollte nur Bescheid sagen, dass ich morgen leider aufgrund meines Amtes als König weg muss und deshalb nicht zu deiner Geburtstagsfeier kommen kann. Deshalb wollte ich dir jetzt schon mal eine gute Feier wünschen.«

Ich lächelte. Hier im Schloss waren wir alle anscheinend eine echte Familie. »Danke, lieb von dir. Und viel Spaß bei… was auch immer du morgen machen musst.« Er grinste zurück. »Danke, den werde ich haben.« Dann ging er aus meinem Zimmer und ich konnte endlich einschlafen.

Alles war total vernebelt vor meinen Augen. Vor mir war Jared, der mir einen Beutel voller brauner Steine überreichte. »Warum gibst du mir die Steine?«, hörte ich mich fragen. »Weil es keinen Ort auf der Welt gibt, wo die Steine sicherer wären.« Jared zog mich an sich und flüsterte mir zu: »Sie sind auch dein Alibi.« Er verharrte kurz in der Bewegung und fügte hinzu: »Sei vorsichtig.«

Atemlos schreckte ich aus meinem Himmelbett hoch. Mein Kopf brummte mir total. War das gerade eine echte Erinnerung gewesen oder hatte ich mir das einfach nur ausgedacht. Gut möglich. Seufzend sank ich in die Kissen und dachte nicht mehr länger über meinen Traum nach.

Selbst wenn der Traum wahr gewesen ist, eine Tatsache blieb weiterhin war: Jared hatte Schuld an all diesem Schlamassel und seine scheiß nett gespielte Art würde das auch nicht ändern. Das war nur geplant, weil er Angst hatte. Denn ich war tatsächlich in der Lage seinem Leben ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Das Chaos wäre verschwunden.