Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 34 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 10 | Zwei?

Das. War. Der. Moment. Große Enttäuschung? Oder würden die ganzen Fragen über meine Vergangenheit in meinem Kopf endlich ein Ende nehmen? Ich hoffte immer noch auf letzteres. Zur Abwechslung konnten positive Nachrichten sicher nicht verkehrt sein.

»Ja, das ist echt der perfekte Ort, um Dinge zu verstecken«, meinte Max. Oder um Menschen zu verstecken. Vielleicht würden wir hier nie wieder herauskommen. Ja, ich hatte schon wieder pessimistische Gedanken. Aber wer konnte mir das übel nehmen? Es war ja nicht so, als wenn die Ereignisse der letzten Tage mich anders denken ließen.

Die Höhle war von innen kleiner als sie von außen gewirkt hatte. Hm… sonst war es ja meistens anders herum. Wir befanden uns nämlich in einer Sackgasse. Hier gab es nur diesen einen Hohlraum, der auch nicht besonders groß war. Vielleicht vergleichbar mit der Größe meines Zimmers.

In der Mitte des Raumes stand ein Podest, auf dem etwas zu liegen schien. Etwa der Stein? Das wäre ja zu schön zum wahr zu sein. Voller Hoffnung ging ich schnellen Schrittes auf das Podest zu. Tatsächlich! Angekommen, erblickte ich den mir vertrauten braunen Stein, der rund war und nach unten spitz zu lief. Doch das war nicht das einzige was ich dort sah. Daneben lag ein Stein, der dieselbe Form hatte, nur war er gelb statt braun. Mit etwas Fantasie sahen sie, wenn sie da so nebeneinander lagen, fast wie ein Herz aus. »Warum liegen da zwei Steine?«, fragte ich Ali, weil ich mir vorstellen konnte, dass sie von den anwesenden hier, die meiste Ahnung hatte. »Eigentlich sind zwei Steine ziemlich logisch. Man braucht zwei Steine, wenn damit wirklich deine Erinnerungen genommen wurden. Ich konnte es mir nur nie vorstellen. Wie sollten die Casses auch den gelben Stein in die Finger bekommen? Die liegen sicher verwahrt im Schloss. Gruselig… aber sie haben es wohl wirklich irgendwie geschafft.«

»Aber welcher davon gibt mir nun meine Erinnerungen zurück?«, fragte ich ahnungslos. Ali hatte sich anscheinend schon vor langer Zeit bestens informiert: »Der gelbe natürlich. Gelb steht für die Feences, braun für die Casses.« »Aber warum ist dann der braune hier?«, fragte ich, was ich gleich daraufhin bereute. Auch er war hier versteckt, weil es der letzte Stein war, der von den Casses noch übrig war. Der, der verstört werden musste, um die Casses zu verstören.

»Überleg mal, Alea. Er wird hier versteckt, weil er ziemlich selten ist. Aber ich denke, die beiden Steine gehören irgendwie zusammen. Damit du deine Erinnerungen also vollständig zurückbekommst, solltest du hinterher auch diesen zerstören.« Natürlich hatte es nichts mit meinen Erinnerungen zu tun, aber Ali sagte es, weil hier immerhin zwei Casses anwesend waren. Ich nickte nur.

»Willst du beide zerstören, Ali? Ich schätze deine Fähigkeiten sind stark genug. Du schaffst das bestimmt«, ermutigte ich sie. Ali war in den letzten Tagen eine viel bessere Vampirprinzessin als ich gewesen. Sie hatte es eigentlich verdient.

»Nein, Alea. Ich zerstöre den gelben Stein und du den braunen. So ist es vorhergesehen, so wird es gemacht. Du bist die Prinzessin.« Ali erntete daraufhin irritierte Blicke von Daniel und Jamie. Da fiel mir auf, dass Ali Daniel heute noch keinen Blick gewürdigt hatte. Sonst beobachtete sie ihn ständig. Hatte sie etwa einen Grund, warum sie diesen braunen Stein nicht zerstören will? Hatte sie etwa Gefühle für Daniel entwickelt?! Oh Gott, aber dann könnte ich es doch auch nicht tun, oder? Die Person töten, die meine Freundin liebte? Aber es war doch meine Bestimmung… und es war das Richtige.

»Sollen wir uns vielleicht noch mal vorher unterhalten, bevor ich den braunen Stein zerstöre?« »Es gibt nichts zu bereden. Tu’s einfach.« »Okay, aber du musst anfangen. Schon vergessen?« Ali blinzelte einmal heftig, als hätte ich sie gerade aus tiefe Gedanken gerissen. »Ja, stimmt.«

Ali hob den gelben Stein von dem Podest und hielt ihn fest in ihren Händen. Zur Konzentration fing sie an ihre Augen zu schließen, bis schließlich der Stein in ihren Händen zu Staub zerfiel. Und wie der Stein zerfiel, so zerfiel auch ich und meine falschen Erinnerungen – und sackte zu Boden.

Ich konnte mich an mein falsches Leben als sogenannter Mensch gar nicht mehr erinnern. Es war, als hätte ich meine Erinnerungen nie verloren. Doch ich musste sie verloren haben, jedenfalls hatte ich das zu allen Personen um mich gesagt. Und daran konnte ich mich wiederrum erinnern. Doch diese unwichtigen Gedanken verdrängte mein Kopf jetzt erst mal nach ganz hinten. Ich hatte jetzt echt größere Probleme. Das einzige, was mein Gehirn in dieser Situation hervorbrachte war: Oh – mein – Gott! Das konnte doch alles nicht wahr sein. »Alea? Der braune Stein?« Alles in mir war sprachlos.

Meine Gedanken, und meine Stimme erst recht. Schnell nahm ich den braunen Stein von dem Podest und steckte ihn in meine Hosentasche. »Alea?!«, fragte mich Ali verärgert. Um Gottes Willen. Verärgert zog ich Ali zu mir. Während wir eng beieinander die Höhle verließen, fand ich meine Stimme wieder: »Ist ja gut. Ich werde diesen Stein schon noch zerstören. Aber vorerst… das konnte ich eben natürlich nicht laut sagen … werde ich Jared eigenhändig töten.«