Alea Reeves, vampire princess lost
Tag 4 | Ich habe noch nie...?
»So«, brachte Ali hervor, während sie Daniel und mich mit sich zog. »Wir bringen die Party jetzt erstmal ein wenig in Gang und trinken einen.« Ich stöhnte auf, da ich mir eigentlich vorgenommen hatte nüchtern zu bleiben. Ali schien das voll bemerkt zu haben. »Jetzt zier dich nicht so, Alea. Von nichts kommt nichts. Dein einundzwanzigster Geburtstag muss doch unvergesslich bleiben, wenn du dich schon sonst an nichts erinnerst.«
Und sie glaubte ernsthaft mit Alkohol würde ich mich hinterher besser daran erinnern? Tja, ich musste mir eingestehen, dass ich Ali nicht von ihrer Meinung abhalten konnte. »Wie wäre es mit einer Runde Ich habe noch nie…?«, fragte sie uns. Das war jetzt nicht ihr Ernst. »Wie soll ich das Spiel bitte spielen können, wenn ich mich nicht an meine Vergangenheit erinnern kann?«
Das hatte Ali wohl selbst noch nicht durchdacht. Doch trotzdem ließ sie sich nicht aus der Fassung bringen. »Egal, entweder ich helfe dir oder du verwendest deine Fake-Vergangenheit.« Kurzerhand schnappte sie sich drei Schluckgläser vom Tisch. »Hey, Max, Jayden! Wollt ihr mitspielen bei Ich habe noch nie …?« Zur Erklärung raunte sie mir zu: »Wir müssen sie doch noch in unsere kleine Mission einweihen.«
Okay, klar. Das machte man ja auch am besten jetzt. Also nein, ich ganz sicher nicht. Max und Jayden wollten natürlich mit dem Geburtstagskind zusammen Ich habe noch nie… spielen. Das Thema geheime Mission kam schneller zur Sprache als ich vermutet hatte. Nämlich schon gleich dann als Max Daniel beäugte und fragte: »Wer ist das denn?«
Ali antwortete schlicht: »Jemand der uns helfen wird Aleas Erinnerungen wiederzubekommen. Ihr beiden seid übrigens auch herzlich eingeladen.« »Ihr habt einen Plan wie Alea ihre Erinnerungen wieder bekommt? Ist ja klasse und natürlich helfen wir«, meinte Jayden direkt.
»Mehr dazu am Ende der Party, denn jetzt wird erstmal gespielt.« Man konnte wirklich merken, dass Ali von uns fünfen am motiviertesten war. »Wer will anfangen? Ich würde ja sagen das Geburtstagskind.« War ja klar. Echt super, weil mir ja auch so viel einfiel. Ich kannte die Leute vor mir ja noch nicht all zu lange. Gott weiß, was die alles schon Mal getan haben, was ich nicht gemacht hatte.
»Ich habe noch nie Trinkspiele gemocht«, sagte ich spontan, um Ali zu ärgern, die jetzt natürlich einen trinken musste. Da konnte sie mir nichts erzählen. Auch Max und Daniel hoben die Gläser. »Ich habe mich noch nie bei den Casses herumgetrieben«, sagte Max und grinste mich an. Was er jedoch nicht geahnt hatte war, dass Ali und Daniel mit mir mittrinken würden. Was mich zu dem Punkt hin führte, dass er ja nicht mal wusste, dass Daniel zu den Casses gehörte. Belassen wir ihn erstmal bei diesem Gedanken… zumindest bis zum Ende der Feier.
»Ich habe mich noch nie in die richtige Person verliebt«, schniefte Ali. Okay, da hatte aber jemand miese Laune. Sie hatte mir ja bereits erzählt, dass ihr Liebesleben eine einzige Katastrophe war. Aber erst jetzt bemerkte ich, dass es sie wohl schwerer traf als ich vermutet hatte. Tja, also wenn ihr mich fragt, gab es schlimmeres. Sie steigerte sich da fiel zu sehr hinein.
»Alea? Willst du etwa nicht trinken?«, fragte mich Jayden betrübt und riss mich damit aus meinen Gedanken. »Äh, doch klar«, entgegnete ich und stieß zusammen mit Jayden und Max an.
»Da wir beide nicht so gerne Trinkspiele mögen… hättest du vielleicht Lust jetzt mit mir zu tanzen?«, fragte mich Jayden plötzlich. Irgendwie war ich dankbar für sein Angebot. »Klar, wieso nicht? Ihr könnt hier ja weiterspielen, wenn ihr wollt.«
Doch ich brauchte mich nicht umzudrehen, um zu ahnen, dass Max jetzt den Tisch verlassen würde. Und tatsächlich – als wir auf der Tanzfläche waren und ich ein Blick Richtung Tisch erhaschen konnte, saßen da nur noch Daniel und Ali, die in einer Unterhaltung vertieft waren.
»Also… erzähl mir von dieser Mission«, sagte Jayden, während er mich drehte. »Wollen wir nicht warten bis Max auch zuhört?«, fragte ich. »Ich kann es aber nicht mehr abwarten. Außerdem kann ich das Max dann auch nachher noch erzählen.«
Hm… warum eigentlich nicht? Irgendwann würde er es eh erfahren. »Wir müssen einen Stein finden, den wir zerstören müssen – sowohl damit ich meine Erinnerungen wieder bekommen als auch, damit wir die Casses besiegen können. Und dieser Stein ist an einem Ort mit Casses Magie. Ali besitzt neuerdings auch diese Magie, weil sie mich zu den Casses begleitet hat. Allerdings sind wir nicht sicher, ob sie stark genug ist. Deshalb nehmen wir Daniel mit«, erklärte ich und zeigte auf den Tisch, wo er immer noch mit Ali dran saß.
»Und dieser Daniel besitzt die Magie auch? Dabei dachte ich immer du wärst etwas Besonderes… dann gleich zwei auf einmal.« Ich schüttelte den Kopf. »Daniel gehört zu den Casses.« »Bitte was-«, setzte Jayden an, wobei er fast schrie, doch ich unterbrach ihn.
»Er weiß ja natürlich nicht, dass wir sein Volk vernichten wollen. Er kommt nur wegen meinen Erinnerungen mit, weil wir herausgefunden haben, dass sein Vater die Schuld dafür trägt.« »Alea, ich geh doch nicht auf eine Reise zusammen mit einen von denen…« »Er ist unsere einzige Chance, weil er die Gegend besser kennt als wir. Er konnte uns zum Beispiel schon sagen, dass wir mehrere Tage unterwegs sein werden.«
Jayden lachte ironisch. »Ach, na dann ist ja alles gut. Wenn ich mehrere Tage mit einem Casses zusammen verbringe. Ja, womöglich noch ein Zelt mit ihm teilen muss.« »Er wird seine Magie ja nicht gegen uns einsetzen, nur um an diesen Ort voran zu kommen.« »Und das weißt du weil…?«, fragte mich Jayden – weiterhin skeptisch.
»Weil es dann vier gegen einen heißt. Nur weil unsere Magie nicht gegen die Regeln verstößt, heißt das nicht, dass sie nicht stark ist. Wenn ihr so nett sein würdet und mitkommen könntet, hätte er keine Chance im Falle eines Angriffs.«
Während der die Arme um meine Taille gelegt hatte und weiterhin tief umschlungen mit mir tanzte, drückte er mir einen kurzen, aber dennoch leidenschaftlichen Kuss auf den Mund. Nur wenige Zentimeter von meinem Mund entfernt, raunte er: »Natürlich komme ich mit. Ich würde dir überallhin folgen.«