Alea Reeves, vampire princess lost
Nacht 8 | Wer spielt mit wem?
[erzählt von Alissa Lester]
Alea war gestern echt in Rekordzeit eingeschlafen. Daniel und ich hatten uns nicht Mal richtig in unserem Schlafsack gelegt, da war sie schon weg. Da wir gestern beide nicht sonderlich gut einschlafen konnten, haben wir uns noch eine ganze Weile im Flüsterton unterhalten. Das fand ich ehrlichgesagt ziemlich schön… sich einfach mal wieder mit irgendwem zu unterhalten.
Kopfschüttelnd vertrieb ich diese Gedanken sofort wieder. Alissa Lester, du entwickelst jetzt keine Sympathien für den Feind! Das war ja noch schlimmer als bei Jared. Nein, bei Daniels Anblick tanzten keine Schmetterlinge in meinem Bauch. Doch auch wenn sie es bei Jared getan haben, wusste ich da immer, dass er einfach eine schreckliche Person ist.
Und so erwischte ich mich dabei, wie ich meine Augen nicht von Daniel richten konnte. Nicht, weil sie so unbeschreiblich schön haselnussbraun waren, sondern weil mich die Seele hinter diesen Augen faszinierte? Das war doch krank – nicht nur weil er einer von den Casses ist. Alea hatte mich sogar gewarnt. Daniel spielte nur mit uns, wie es die Casses nun mal immer taten. Dabei wollte ich doch endlich mal am Zug sein! Ständig kamen irgendwelche Jungs daher, die mich einfach so ausnutzten. Mit Daniel wollte ich endlich diejenige sein und ihm sein Herz brechen. Dabei hätte es nie gebrochen werden können. Komischerweise schmerzte meins jedoch bei dem Gedanke, dass er mir alles nur vorgespielt hatte.
»Vielleicht könnten wir schneller aufbrechen, wenn du mehr Zeit mit Abbauen des Zeltes verbringen würdest – anstatt ständig Daniel anzustarren«, riss mich Jayden aus meinen Gedanken. Bitte was? Ich hatte nun wirklich nicht gedacht, dass es so auffällig gewesen war.
»Ich starre ihn nicht an. Ich gucke… auf dem Weg hinter ihm und überlege, was uns wohl als nächstes erwartet«, versuchte ich mich herauszureden – leider erfolglos. »Das kannst du dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen erzählen, aber nicht mir. Ali, der gehört zu den Casses! Vergiss es, aber sowas von. Nicht nur, dass diese Liebe total gegen die Regeln wäre, wie sollte Alea so ihre Aufgabe nachgehen und das tun, was ihre Bestimmung ist?«
»Die Casses töten? Kannst es ruhig aussprechen. Der hört uns eh nicht.« Und selbst wenn, weiß er es vielleicht sogar schon lange, fügte ich in Gedanken hinzu. Sagte es aber natürlich nicht. Schnell fuhr ich fort: »Wieso sollte Alea wegen unserer Freundschaft nicht ihre Mission durchführen? So ein Typ ist sie nicht.« »Nein, aber vielleicht jetzt. Wenn sie denkt, sie tötet dadurch die Liebe ihrer besten Freundin… diese Alea ist irgendwie anders als die alte. Ich schätze sie könnte schwach werden.« »Aber sie wird ihre Erinnerungen zurückbekommen. Dann wird sie es spätestens tun. Außerdem stelle ich kein Problem dar. Ich werde Alea zu hundert Prozent bei ihrer Aufgabe unterstützen.« Sie vielleicht sogar durchführen. Auch wenn ich es ungern wollte, immerhin war Alea die Vampirprinzessin. Aber im Moment sah es nicht so aus, als würde Alea ihre Erinnerungen in Kürze zurückbekommen – und somit ihre Fähigkeiten, die sie dazu brauchte.
Jayden wand sich nun wieder dem Zelt zu. Keine Ahnung, ob ich ihn überzeugen konnte. Seine Miene war ein typisch aufgesetztes Pokerface. Letztendlich sollte es mir auch egal sein. Am Ende würde ich ihn einfach davon überzeugen, wie ich hinter dieser Mission stand. »Wollen wir?«, fragte Alea in die Runde, nachdem sie nun auch unser Zelt verstaut hatte.
»Ja klar, Luft oder Feuer warten doch schon auf uns«, entgegnete Max und somit machten wir uns dann auf den Weg. Dieses Mal dauerte es länger als beim letzten Mal, bis das nächste Element uns erschien. Eine ganze Zeit lang war alles brach um uns, bis ich plötzlich aus der Ferne einen blauen Fleck erkennen konnte. »Was ist das, Leute?«
Die anderen schienen nun auch skeptisch zu werden und nährten sich dem Etwas. Aus der Nähe konnte ich dann erkennen, dass das eine Person sein musste! Sie trug ein blaues Oberteil und auch ihre Haarspitzen waren blau gefärbt. Der Rest ihrer Haare war blond, allerdings konnte das auch gefärbt sein… schwer zu sagen.
Als sie uns hörte zuckte sie zusammen. »Oh Gott, Vampire habe ich hier ja schon lange nicht mehr gesehen.« Zögernd stand sie auf. »Seid ihr lebensmüde oder was macht ihr hier?« Auch eine schöne Art der Begrüßung. »Wir suchen etwas.« »Ich hoffe nicht den Ausgang, denn den gibt es nicht. Es heißt nicht umsonst Kreis der Elemente.«
»Wer bist du überhaupt?«, fragte Max die Frau oder das Mädchen. Wie alt sie war, konnte man ja bekanntlich schlecht erkennen… zumindest schien sie ausgewachsen zu sein. »Mein Name ist Jamie.«
Nun meldete sich Alea zu Wort: »Ich weiß ja nicht, was du alles versucht hast, um von hier zu verschwinden, aber wir wissen, dass man von hier weg kann. Das was wir suchen hat jemand hier versteckt, der es auch geschafft hat.« Sie lachte kurz und trocken auf. »Seit wann sind Casses nicht dazu in der Lage etwas zu verstecken, ohne sich an diesem Ort aufzuhalten?«
Ich hatte echt keine Ahnung, was ich von dieser Jamie halten sollte. Sagte sie die Wahrheit? Oder wollte sie uns nur Angst machen und uns unsere Hoffnung nehmen. »Und gehörst du zu den Casses oder den Feences?«, wollte Jayden jetzt von Jamie wissen.
Sie schien ziemlich verwundert über diese Frage… okay, verständlich. »Natürlich zu den Casses. Wie sollten Feences auch den Eingang hierein finden?« Darauf wollte anscheinend keiner der Anwesenden antworten. Ich sah es deshalb als meine Aufgabe an: »Also sagen wir mal es ist nicht unmöglich.«
»Wollt ihr mir damit sagen, dass ihr fünf zu den Feences gehört?« Während wir nickten, meldete sich Daniel von hinten. »Also ich nicht. Deshalb konnten sie auch durch den Eingang.« »Okay, ich versteh’s nicht. Warum sind Feences mit Casses unterwegs – und warum begleitest du sie bei dieser Reise? Logisch wäre, um sie hier einzusperren, aber du kommst dann hier doch auch nicht mehr raus.«
Daniels Blick war gesenkt. »Tja, da will man einmal ein Abenteuer erleben… und dann sowas. Hätte mich wohl vorher schlau machen sollen.« Also entweder: Die Frau log uns was vor und man kam hier sehr wohl wieder raus – was ich wirklich hoffte. Oder sie sagte die Wahrheit. Das würde bedeuten, Jared hat seinen eigenen Sohn mit diesem Plan in ein Gefängnis gesperrt, aus dem er nie wieder entkommen konnte. Dann wäre er ja noch viel schlimmer, als ich vermutet hatte.
»Wie lange bist du schon hier gefangen?«, fragte Max. »Ich habe irgendwann aufgehört die Nächte zu zählen.« »Aber wie konntest du so lange überleben?«, wollte Alea wissen. »Wegen etwas, das auch der Grund ist, warum ich hier bin. Ich wurde anders geboren. Eigentlich bin ich ja wie alle Casses – nur kann ich mich auch mit Nahrung versorgen, Kleidung und meine Haare wechsele ich hier auch ganz gerne aus Langeweile. Eigentlich alles Sachen, die nur Feences mit ihrer Magie erreichen könnten.«