Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 24 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 7 | Kein Entkommen?

 

Schweißgebadet weckte mich die kalte Briese der bevorstehenden kühlen Nacht. Es war noch am Abend und somit schliefen meine beiden Zeltgenossen noch. Bei Daniels Anblick lief es mir kalt über den Rücken. Er hatte uns in eine Falle gelockt!

Vorsichtig rüttelte ich Ali, ohne dabei Daniel zu wecken. Ali war noch total im Halbschlaf und drehte sich andauernd, während sie irgendwelche Worte murmelte, die Lass mich schlafen bedeuten könnten. Och man, Ali, sei doch leise! Doch auch Daniel schlief anscheinend wie ein Stein und ließ sich von Alis Rumgestöhne nicht wach machen.

Endlich hatte sie die Augen geöffnet und starrte mich etwas wütend an. »Was willst du, Alea?« »Ich muss mich mit dir unterhalten – unter vier Augen, draußen.« Sie verstand nicht recht, überwindete dann aber doch ihren inneren Schweinehund und folgte mir nach draußen.

»Es geht besser um Leben und Tod, denn ich habe geschlafen wie ein Baby.« »Es geht um Leben und Tod! Ich denke, Daniel will uns in eine Falle locken.« »Du denkst das? Wegen deiner Paranoia hast du mich jetzt tatsächlich geweckt – ohne jeglichen triftigen Grund, warum du das denkst?«

»Ich habe aber einen Grund, Ali. Ich habe dir doch von meinen Träumen erzählt. Träume, bei denen ich mich an Dinge aus meiner Vergangenheit erinnere. Und laut diesen Träumen kannte ich Daniel schon vorher! Und er hat sich mir persönlich als mein Feind vorgestellt, der gegen mich kämpfen wird, weil ich die Casses vernichten werde. Heißt so viel wie – er wird uns vernichten.«

Ali schüttelte hektisch den Kopf. »Vielleicht war es wirklich nur ein Traum und keine Erinnerung. Daniel ist besser als sein Vater.« »Aber Ali… das ergibt doch jetzt alles einen Sinn. Erinnerst du dich, als Daniel zum ersten Mal in diese Bar gegangen ist? Jared war total nervös, weil er Angst hatte, Daniel könnte nicht schauspielern und die Lüge würde auffliegen. Erst nach einer Weile wurde er ein wenig entspannter. Dann schickte er Daniel zu meiner Party, anstatt selbst vorbei zu kommen, weil die Zukunft vorausgesagt hatte, dass Daniel der Held der Casses sein würde.«

»Aber warum sollte dieser Ort uns in eine Falle führen? Wir haben Daniel doch gebeten mitzukommen. Er hat es nicht selber vorgeschlagen.«

»Das gehörte alles zum Plan! Jared hat uns in dieser Bar von einem Ort erzählt, der nur mit Casses Magie betreten werden kann. Er wusste, dass wir Hilfe brauchen würden. Er wusste, wenn wir einen von den Casses fragen würden, dann den scheinbar unschuldigen Daniel. Er kennt diesen Ort in und auswendig. Vielleicht ja nicht, weil er zu den Casses gehört, sondern weil er schon öfter hier war. Und das soll unser Untergang werden. Meine Erinnerungen werde ich hier nicht bekommen, Ali.« Die Wörter sprudelten nur so aus meinem Mund heraus.

»Ich denke, du irrst dich.« So langsam hatte ich das Gefühl, dass ich Ali nicht vom Gegenteil überzeugen konnte. »Aber selbst wenn wir jetzt auf dich hören, gibt es kein Entkommen. Dieser Kreis der Elemente bietet keine Fluchtmöglichkeiten. Wir können nicht umkehren. Um von hier zu verschwinden müssen wir zum Ausgang… aber bis dahin-«

»-könnten wir schon tot sein«, beendete ich ihren Satz. »-ist es noch ein langer Weg, wollte ich eigentlich sagen.« Jetzt kamen auch Max und Jayden aus ihren Zelten. »Guten Morgen, die Damen. Na, worüber wird denn hier getratscht?«, wollte Max wissen.

»Ach, nichts Besonderes. Haben überlegt, welches Element wohl als nächstes kommt und was uns dort erwartet.« Die Jungs vertrauten Daniel sowieso schon nicht. Außerdem würden die total durchdrehen, wenn ich ihnen das sagen würde, was ich gerade Ali erzählt habe. Das konnte ich echt nicht gebrauchen. Daniel sollte nicht wissen, dass ich eventuell seinem kleinen Geheimnis auf die Schliche gekommen bin. Wenn der Gegner unwissend ist, ist das in jedem Fall immer ein Vorteil.

»Bor, und der Casses schläft noch? Typisch! Wegen dem können wir jetzt noch nicht aufbrechen, ey«, maulte Jayden wie zu erwarten. Genervt schlappte er sich einen Stock und kratzte damit gegen unser Zelt. »Hey, aufstehen, du Schlafmütze! Wir wollen weiter!«

Man konnte hören, dass sich im Zelt etwas regte. Daniel schien wach zu sein. Sein nächsten Worte bestätigten dies auch: »Bin in einer Minute bei euch.«

Daniel brauchte wirklich nur unwesentlich länger als eine Minute. Die Zelte waren auch in Nullkommanichts eingepackt, sodass wir in Kürze starten konnten. Je weiter wir gingen, desto mehr konnte man merken, dass die Bäume um uns herum abnahmen. Irgendwann befanden wir uns auf einem Weg, wo weit und breit nichts zu erkennen war.

»Welches Element jetzt wohl kommt?«, grübelte Jayden vor sich hin. »Hoffentlich soll das jetzt Luft darstellen und schlimmer als die vorhandene Luft zum Atmen wird es nicht«, hoffte Ali. »Ich schätze, das Glück werden wir nicht haben«, meinte Daniel, was mich daraufhin wütend machte. Ja, wegen dir haben wir das Glück nicht! Am liebsten hätte ich es laut geschrien, doch dann würde hier die Hölle ausbrechen.

Obwohl es jetzt nur ganz leicht zu nieseln anfing, stieg sofort die Panik in mir hoch. »Was erwartet uns bei Wasser? Müssen wir schwimmen? Ich kann doch nicht schwimmen!«, rief ich panisch. »Doch, Alea, kannst du«, meinte Max schlicht. »Früher vielleicht. Aber meine Erinnerungen sind da anderer Ansicht. Grrrr, das haben die doch mit Absicht bemacht.«

»Die? Du meinst wohl ihn, mein Vater«, sagte Daniel. Nein, ich meine es so wie ich es sagte! Aber ich hätte es natürlich nicht sagen dürfen… auch wenn ich es so gerne wollte. »Natürlich…«, sagte ich somit einfach. »Aber ich denke, du wirst schwimmen müssen«, meinte Daniel. Klar musste ich das… Aber war das jetzt etwa schon das Element Wasser? Oder war es ganz normaler Regen, der uns nur auf das nächste Element vorbereitete? Man, ich hasste diese Ungewissheit.

Doch der Regen wurde immer stärker und je stärker er wurde, desto mehr legte sich die Ungewissheit. Wir waren bei Wasser angekommen. Tja, Alea. Hättest du man davon geträumt, wie man schwamm. Die Erinnerung daran hätte ich jetzt besser gebrauchen können.

Ich spürte, wie das Wasser an meinen Beinen immer höher stieg, bis es irgendwann so hoch war, dass es sich in meine Lunge lagerte. Der Rest verschwamm vor meinen Augen wie das glitschige Wasser… und wurde schwarz.