Alea Reeves, vampire princess lost
Nacht 10 | Zurück zum verdammten Normal!
[erzählt von Alissa Lester]
Sie wollte Jared also eigenhändig töten. Aha, eigentlich verständlich, immerhin hatte er ihr ihre Erinnerungen genommen. Wir wollten die Casses ja sowieso vernichten. Trotzdem zog sich mein Magen bei diesem Gedanken zusammen. Verdammt, Ali. Hatten wir das nicht schon? Vergiss endlich diese verdammten Casses.
Alea hatte den ganzen Weg nach draußen kein einziges Wort mehr gesagt. Sollte man nach so einem Ereignis nicht eigentlich viel zu erzählen haben? Ach, quatsch. Das vor dir ist doch die alte Alea. Die mit den Geheimnissen, so verschlossen wie ein Buch.
Als wir die Höhle verlassen hatten, bemerkte ich warum Alea nichts gesagt hatte. Ihr ganzes Gesicht war total nass und ihre Augen waren mehr als nur gerötet. »Alea? Alles okay?«, fragte ich vorsichtig. »Ob alles okay ist?«, fragte mich Alea stocksauer. Wow, so sauer hatte ich sie ja noch nie erlebt! Ich wich sofort von ihr ab. »Natürlich nicht! Jayden ist tot, Ali! Weil mein neues supertolles Ich meinte, es wäre schlau euch alle zu meiner Mission mitzunehmen.« Oh, anscheinend musste Alea, mit dem Erlangen ihrer Erinnerungen, durch ihre Trauerphase erneut durch. Wenn ich sie mir jetzt aber so anguckte, war es jetzt noch tausend Mal schlimmer. Klar, du Idiot! Diese Alea kannte Jayden ja auch viel länger. Obwohl es so lange zurückliegt… diese perfekte Liebe bricht mir immer noch jedes Mal das Herz. Stopp jetzt! Jayden ist tot! Nichts ist perfekt! Auch wenn Alea und Jayden das Traumpaar waren.
Ich unterdrückte die Tränen, die sich auch aus meinen Augen heranbahnen wollten. »Es tut mir leid.« »Ich möchte zu ihm. Ich muss noch mal mit ihm reden.« Letzte Worte an Jayden? Klar, das war doch normal. Doch irgendwas an ihren Worten ließ mich skeptisch werden. »Klar, geh nur.« Sie hatte sich schon abgewandt und bemerkte nicht, dass ich ihr heimlich folgte.
Während ich mich hinter einen Busch ganz in der Nähe gehockt hatte, beobachtete ich Alea, wie sie sich an Jaydens Grabstelle stellte. »Ich bin nicht hier um mich dafür zu bedanken, dass du mir das Leben gerettet hast. Ich weiß, dass du das nicht zugelassen hättest, denn es wäre für dich selbstverständlich. Aber das ist es nicht, Jayden. Du verdienst jemand besseren als mich. All diese Mädchen, die gerne meinen Platz eingenommen hätten, die hättest du nehmen sollen. Aber du hast mich gewählt, schon immer. Ich habe nie verstanden, warum. Anscheinend musstest du mich wahnsinnig geliebt haben.«
Sie machte eine kurze Pause, um zu schluchzen. »Ich wünschte, du hättest ein Mädchen gefunden, dass du so sehr wie mich geliebt hättest. Dabei hättest du das vielleicht… wenn ich dir die Wahrheit gesagt hätte. Denn mit der Wahrheit hättest du mich auf jeden Fall gehasst. So sehr, dass du bereit für neue Liebe wärst. Ich schätze, ich war so egoistisch, dass ich nicht wollte, dass du ein anderes Mädchen mehr als mich lieben würdest. Aber du hättest es verdient, so wie du die Wahrheit verdient hättest.«
Ihr Weinen wurde noch stärker, sodass ich sie nur noch mit Mühe verstehen konnte. »Ich wollte es… ich hätte es schon noch… aber dann war es zu spät… es tut mir ja so leid, Jayden. Ich bin deshalb gekommen, um mich bei dir zu entschuldigen. Es tut mir leid, dass ich der Grund bin, warum du nicht das Leben leben konntest, was du eigentlich verdient hättest. Mit jemanden, der dich genauso sehr liebt, wie du ihn. Ich liebe dich… so sehr, Jayden. Leider liebe ich dich mehr, als dass es mir Leid tut, dass es nie genug war.« Mit diesen Worten kehrte sie zu Max und den anderen zurück, die vor dem Höhleneingang warteten.
Ich sollte jetzt eigentlich auch zurückgehen, doch ich war wie versteinert. Ich musste daran denken, was wohl passiert wäre, wenn Jayden und Alea nicht das perfekte Paar wären, das sie nun mal waren. Warum meinte Alea, dass ihre Liebe für Jayden nie genug wäre? Sie liebte ihn doch. Das hatte sie selbst gesagt… doch anscheinend nicht genug? Mein Kopf brummte mir…
»Was machst du da, Ali?«, fragte mich plötzlich Daniel. »Was? Nichts. Äh, bitte verrate mich nicht.« Er grinste. »Uh, Feences tun also auch etwas Illegales? Dann werde ich dich natürlich nicht verraten.« Ich atmete erleichtert aus. »Danke.« »Aber du solltest jetzt mit kommen. Diese Alea scheint echt schlauer als die andere zu sein. Sie weiß anscheinend, wie wir möglicher Weise aus dem Kreis der Elemente entkommen könnten. »Echt jetzt? Wie das?« »Komm mit, dann siehst du es.«
Wir standen am anderen Ende der Höhle aus der wir anfangs gekommen waren. Obwohl sich zuvor an dieser Stelle eine Wand befunden hatte, war diese jetzt verschwunden, sodass wir ohne Probleme durch den Tunnel hätten gehen können und alles wieder von vorne losgehen könnte. Aber das wollten wir natürlich nicht.
»Wie kommen wir denn nun Nachhause?«, fragte Max aufgeregt. »Magie, die es nicht gibt. Meine Magie gibt es, Alis Magie gibt es, auch Jamies Magie gibt es. Aber noch nie wurde dieser Ort von Casses und Feences aufgesucht. Zum einen, weil sie Todfeinde sind. Aber auch, weil Feences gar nicht dazu in der Lage wären. Nicht ohne die Hilfe von Casses. Da Casses Feences nie helfen würden, gibt es diese Magie nicht.«
Ich verstand das immer noch nicht ganz. »Rede Klartext.« »Einer von den Casses und einer von den Feences müssen ihre Magie zusammen wirken lassen.« »Sicher?«, fragte Jamie. »Nein, aber es scheint mir ziemlich logisch.«
»Und wer macht es?«, fragte ich. »Ich würde mich zur Verfügung stellen«, sagte Alea schnell. »Na schön. Und von den Casses? Jamie oder Daniel?«, fragte Max. »Ich mach’s«, meldete sich Daniel und stellte sich zu Alea. »Wollen wir?«, fragte er schließlich Alea. Diese nickte nur, ohne ihn dabei anzuschauen.
Plötzlich fiel mir eine Frage ein, die mich schon die ganze Zeit interessierte: »Wie das denn jetzt, Alea? Kannst du dir deinen Traum über Daniel erklären?« »Naja, er war nicht real. Auch wenn es einige waren, er gehörte nicht dazu. Ich habe Daniel erst getroffen, als ich meine Erinnerungen bereits verloren hatte.«
Kurz darauf kreisten sowohl Alea als auch Daniel ihre Finger. Und Alea hatte Recht… natürlich hatte sie das. Alea ist nun mal unglaublich schlau. Am Anfang des Tunnels entstand ein magisches schwarzes Loch – unser Ausgang. Max war der erste, der hindurchhopste. Daniel und Alea gleich hinterher. »Los, Jamie. Jetzt wir.« Ich hatte bemerkt, dass sie zögerte. »Du hast doch versprochen mit deinem Leben weiterzumachen. Egal was dich da erwartet.« »Das sagt sich so leicht.« »Ich rede aber aus Erfahrung. Ich habe in meinem Leben viel verloren. Manches davon hatte ich nicht mal. Dass ich in jemanden verliebt gewesen bin, den ich nicht haben kann, ist nur eine Sache unter vielen. Ich habe trotzdem weiter gemacht.«
Ich hielt Jamie aufmunternd meine Hand hin. Sie lächelte und griff schließlich danach. Zusammen sprangen wir in die andere Welt von Vellance. Man könnte meinen, ungefährlicher, aber dafür sicherlich mit größeren Problemen.