Alea Reeves, vampire princess lost
Nacht 17 | Tanz mit mir!
Max und Justine waren gerade dabei die Tanzfläche mit einem Walzer zu eröffnen. Irgendwann musste ich als Max Schwester auch dazu kommen. Na toll. Dazu hatte ich jetzt irgendwie keine Lust. Mit wem sollte ich denn auch tanzen? Jayden gab es ja nicht mehr.
Automatisch fiel mein Blick zu Daniel. Wie gerne würde ich jetzt mit ihm tanzen. Aber das kannte ich ja schon. Selbst als wir beide noch unsere Erinnerungen hatten, konnten wir uns nie in der Öffentlichkeit zeigen. Allerdings trug er jetzt einen Anzug und könnte ja eigentlich auch als jemand von den Feences durchgehen. Klar, Max wusste, dass er zu den Casses gehörte. Aber nachdem er mir geholfen hatte meine Erinnerungen zurückzubekommen, würde er etwas sagen?
Und Ali wusste es… aber… wo war Ali überhaupt? Verdammt, Daniel musste es bemerkt haben, dass ich ihn angestarrt hatte, denn er kam jetzt auf mich zu. Um mein Starren irgendwie zu erklären, sagte ich schnell: »Wo ist Ali eigentlich? Sie ist nicht mehr bei dir.«
»Ihr ging es nicht so gut«, meinte er nur. »Möchtest du mit mir tanzen?« Mir stockte der Atem. War das so offensichtlich? Oder fragte er von sich aus? Nein, das war nicht möglich. Immerhin waren seine Gefühle manipuliert. Oder doch?
»Warum?«, fragte ich deshalb einfach. »Naja, du solltest jetzt eigentlich auf der Tanzfläche sein. Ich dachte, du bräuchtest noch jemanden mit dem du tanzen könntest.« Als ich die Hand ergriff, die er mir hinhielt, machte mein Herz einen kleinen Satz. Ich musste diesen Moment wohl genießen, denn wer weiß wann ich wieder die Chance dazu hatte seine Hand zu halten?
»Also Ali ging mit den Worten, dass diese Alea wohl anders wäre als die, die ich auf der Reise kennengelernt habe. Denkst du ich mag sie trotzdem?« Na toll. Was sollte ich denn jetzt darauf antworten? »So anders bin ich eigentlich gar nicht, weißt du. Ich weiß jetzt nur sagen, die ich vorher nicht wusste.«
»Ali meinte, du würdest lügen und wärest eine Verräterin.« Klar hatte sie das gesagt. Was um Himmelswillen ist nur mit ihr passiert? »So würde ich das nicht sagen. Ich verschweige Sachen nur zu ihrem besten.« »Was für Sachen?«, wollte er wissen.
Ich wollte es ihm sagen. Ich wollte ihm sagen, dass seine Erinnerungen auch manipuliert wurden. Doch das würde die Hochzeit ruinieren. Er würde mich möglicher Weise für verrückt halten – oder wollte sofort den passenden Stein zerstören, um seine Erinnerungen zurückzubekommen. Beides wäre nicht vom Vorteil.
Ich könnte es natürlich auch anders angehen. »Ich weiß, dass du und Ali irgendeine Art von Beziehung habt. Aber… weißt du… ich habe mich irgendwie auch in dich verliebt.« Puh, jetzt war es raus. Jetzt musste ich nur noch darauf warten, wie er reagierte. Vielleicht war unsere Liebe ja stärker als die Kraft von irgendwelchen magischen Steinen.
Jetzt schaute er mich nur mit großen Augen an. Na toll, das war dann wohl nichts. Anstatt einer Antwort drehte er mich im Klang der Musik. Ich dachte schon, er würde gar nicht mehr antworten, doch dann meinte er plötzlich: »Irgendwie … ist es bei dir ganz komisch. Wenn ich dich sehe denkt mein Kopf sofort: Das wäre der Typ Mädchen, mit dem du nie etwas anfangen würdest. Aber ein anderes Gefühl, tief in mir verborgen, möchte am liebsten…«
Weiter kam er nicht, denn im nächsten Moment brach er vor meinen Augen zusammen. Panik stieg in mir auf. Ali – war – nicht – da. Ali war nicht da! Verdammt. Natürlich. Oh nein. Ich konnte jetzt nicht mehr richtig denken. Ich vergaß die ganzen anderen Hochzeitsgäste um mich herum und kreischte nur: »Daniel!« Dann sackte ich zu ihm auf den Boden und durchnässte seinen Anzug mit meinen Tränen.
Ich nahm nur am Rand wahr, dass jetzt auch die anderen Hochzeitsgäste auf uns aufmerksam wurden. Neben mir hörte ich die Stimme von Max: »Alea? Was ist passiert?«
Ich brachte nur unverständliche Schluchzer hervor. Ein Teil von mir dachte: Oh Gott, was würden jetzt Max und meine Eltern denken, dass ich wegen jemanden von den Casses so aufgelöst war. Doch dem anderen Teil war alles egal. Sollten sie mich doch verstoßen. Wenn er jetzt wirklich tot wäre, dann kümmerte mich mein restliches Leben herzlich wenig.
»Mama, was hat Alea denn?«, hörte ich jetzt Danas Stimme. Meine Mutter kam jetzt auf mich zu. »Alea, wer ist das? Und was ist mit ihm passiert? Etwa ein Herzinfarkt?« Ich lag weiterhin schluchzend auf Daniel, ohne irgendjemanden zu antworten.
»Alea…«, hörte ich plötzlich eine Stimme unter mir. Was? Daniel lebte? Aber wie konnte das sein? Ich konnte mir ja nicht vorstellen, dass er einfach aus Schwäche zusammengeklappt war. Erleichtert richtete ich mich auf und drückte ihn an mich. »Daniel, du lebst!«
Auch die Hochzeitsgäste atmeten alle erleichtert aus und fingen nach und nach wieder mit ihrem Tanz an. Ich spürte schließlich nur noch den Blick von Max auf uns, der mich mit hochgezogener Augenbraue anschaute. Klar war er jetzt verwirrt. So wie ich reagiert hatte… bei einem von den Casses. Nur er wusste es ja. Meine Eltern und Justine waren höchstens etwas traurig, dass ich schon so schnell über Jayden hinweg gekommen bin.
»Oh Himmel, das ist ja mal gar nicht so gelaufen wie es laufen sollte. Da hat mein Vater wohl ganz schön Bockmist angerichtet.« Nachdem ich ihm aufgeholfen hatte, sagte ich: »Du erinnerst dich? Aber dann ist der Stein ja wirklich zerstört. Warum lebst du dann noch? Es sind sonst alle braunen Steine zerstört.« »Sicher?«, fragte er mich. Naja, alle braunen Steine befanden sich schließlich in meinem Besitz und die hatte Ali zerstört. Doch nachdem was alles passiert war, war ich mir bei nichts vollkommen sicher. »Ich weiß, wer mehr wissen könnte. Jared.«
»Denkst du, wir können einfach die Hochzeit verlassen?« »Ich weiß nicht, ob wir es können, aber wir müssen es.« Und so zog ich ihn runter von der Tanzfläche. Als wir gerade gehen wollten, hörte ich noch die Stimme von Jamie hinter mir: »Er ist es, oder?« Okay, das kam plötzlich. Andererseits… Jamie ist auf der Hochzeit und hatte sicher meinen Aufstand um Daniel mitbekommen.
»Tut mir leid, Jamie. Aber es ist momentan ganz schlecht. Wenn diese Nacht vorbei ist … gerne.« »Ich verlange doch nur ein Ja oder ein Nein.« »Ja«, und damit zog ich Daniel nur noch schneller mit mir mit, damit sie uns nicht noch aufhalten konnte.
»Was hatte Jamie denn gerade?«, fragte mich Daniel irritiert. Mist. Ich konnte es ihm einfach nicht verschweigen. Daniel war die einzige Person, die ich noch nie bewusst angelogen hatte. Damit wollte ich jetzt nicht anfangen. »Äh, ja. Anscheinend ist deine tote Mutter doch nicht tot.« »Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?«, fragte er noch, bevor wir uns in eine Fledermaus verwandelten.