Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 18 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 5 | Erde?

 

Bevor Herish erneut seine Keule schwingen konnte, versuchte Ali ihre Magie heraufzubeschwören, um ihn irgendwie töten zu können. Töten zu können… laut meinen falschen Erinnerungen ist das etwas bizarres, was man nicht mal seinen Feinden antun sollte. Aber so hatte es Jared natürlich gewollt, musste ich mir immer wieder einreden.

Doch Alis Versuch ging gewaltig in die Hose, da vor ihr plötzlich eine gewaltige Ranke aus dem Boden schieß, die wie wild um sich schlug. Ich wollte ihr gerade Achtung! zuschreien, doch es war bereits zu spät. Die Pflanze hatte sie mit einem kräftigen Hieb zu Boden gedrückt.

Ich schrie entsetzt auf, da Ali sich nicht mehr bewegte. Schnell wollte ich zu ihr eilen, doch Jaydens Worte stoppten mich: »Nicht! Sonst wird sie dich auch schlagen.« Ich funkelte ihn böse an. »Hast du denn eine bessere Idee? Wenn wir sie da liegen lassen, schlägt die Pflanze vielleicht nochmal auf sie ein und ich denke nicht, dass man das lange mitmachen kann.«

Daniel, der bislang nur verängstigt in der Nähe des Zeltes gestanden hatte, meldete sich zu Wort: »Ich könnte sie mit einem Orkan von dort wegbringen.« »Klar, ein Orkan! Der hat uns ja auch noch gefehlt!«, brüllte ich hilflos. Max sprach dennoch das aus, was ich mir insgeheim dachte. »Das ist unsere einzige Chance.« »Aber versuch es vorsichtig zu machen, damit du Ali nichts auszerrst.« »Tut mir leid, aber über die Stärke habe ich keine Kontrolle, weil ich keine Feences Magie besitze. Aber ich werde ihn so kurz wie irgend möglich anhalten lassen«, beruhigte er mich.

Vor lauter Sorge um Ali, hatte ich gar nicht bemerkt, wie eine weitere Ranke direkt neben mir aus der Erde kam. »Alea, Achtung!«, rief mir Jayden noch zu, doch ich würde eh nicht schnell genug fliehen können und sah mich schon in der gleichen Haltung wie Ali am Boden liegen.

Doch es kam anders: Den Orkan, den Daniel für Ali heraufbeschworen hatte, hetzte er nun auf mich los. Automatisch schrie ich auf, da mein Körper in die Luft gewirbelt wurde und ich das Gefühl bekam, meine Glieder würden mir auseinander gerissen werden. Wie konnte dieser Orkan bitteschön helfen?

Als der Wind nachließ, sah ich den tiefen Sturz schon kommen. Das würde sicherlich total wehtun – überall in den Knochen. Doch Jayden, der zu mir gerannt kam, fing mich mit seinen Armen auf und der Sturz wurde somit weicher als vermutet. »Dankeschön«, murmelte ich dicht an seinem Ohr. »Keine Ursache«, ab er zurück und ein leichtes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit.

Eigentlich war der Moment perfekt, bis wir durch ein lautes Peitschgeräusch wieder in die Realität gezogen wurden. Entsetzt musste ich mit ansehen wie die lange und dicke Pflanze erneut auf Ali einschlug. Aber noch entsetzter war ich über die Tatsache, dass Daniel mich noch tatenlos anschaute anstatt Ali endlich zu helfen. »Jetzt helfe ihr endlich!«, kreischte ich, nachdem Jayden mich wieder sanft zu Boden gelassen hatte. Endlich erwachte Daniel aus seiner Starre und hob die Arme, um sie auf Ali zu richten. Der Orkan wirbelte direkt auf mich zu und als er schwächer wurde, nahm ich Ali in die Arme.

Auch ich sackte jetzt in mich zusammen und schluchzte bittere Tränen über ihren Körper, während ich verzweifelt nach einem Herzschlag suchte. »Nein, Ali. Du musst bei mir bleiben. Meine Erinnerungen an unsere Freundschaft sind zwar nicht sonderlich umfangreich, aber die kurze Zeit die ich mit dir verbracht habe… Ich bin mir vollkommen sicher, dass sie echt war. Wenn du jetzt stirbst, könnte ich mir das nie verzeihen… weil das alles meine Schuld ist. Ich setzte dich solcher Gefahr aus, obwohl ich diese Reise eigentlich alleine antreten sollte.« Ich war mir sicher, dass sie mich nicht nur nicht hören konnte, weil sie bewusstlos war, sondern auch weil ich so schluchzte. Was in der Zwischenzeit um mich herum passierte, konnte ich nicht sagen. Ich nahm nur irgendwelche Geräusche wahr, die ich aber auch nicht einordnen konnte.

Natürlich hätte ich einfach hochschauen können, doch ich wollte einfach nicht. Aus Angst, dass noch weitere Vampire wegen mir Schaden davon trugen. Erst als sich Max zu mir runterbeugte und »Alles okay?« murmelte, riskierte ich einen Blick, woraufhin es mir die Sprache verschlug. Dieser ganze naheliegende Bereich war bis auf den letzten Grashalm vollkommen abgebrannt. Herish lag total verkohlt auf den Rücken – es war fast nur noch Asche übrig. Mit einem Blick auf Max sah ich, dass auch er leichte Brandspuren auf der Haut hatte, doch Jayden und er konnten glücklicherweise noch rechtzeitig fliehen.

»Ich bekomm’s nicht hin, Max. Ich spüre keinen Herzschlag. Entweder ich war schon immer schlecht in erster Hilfe oder…« Ich brach ab, da mir der Rest einfach nicht über meine Lippen kommen wollte. Es war zu grausam, um es laut auszusprechen – selbst es auch nur zu denken. »Unsinn, Alea. Ali ist nicht tot. Du stehst nur unter Schock.«

Jetzt legte sich auch Max über Ali, indem er mich vorsichtig zur Seite schob, um nach ihrem Herzschlag zu hören. Er verharrte eine gefühlte Ewigkeit in dieser Position. Bis er schließlich anfing gegen ihre Brust zu pumpen. Wiederbelebung… das hieß es doch oder? Bedeutete das etwa, dass ihr Herz zu diesem Zeitpunkt nicht mehr schlug?

Ich konnte es nicht verhindern: Im nächsten Augenblick fing ich lauthals an zu schluchzen, wie ein kleines Kind. Doch in diesem Moment war es mir kein Stück peinlich. Ich spürte einfach nur diesen Kloß im Hals, der mir das Gefühl gab nie wieder glücklich zu werden.

Plötzlich spürte ich Jaydens festen Griff um meine Schultern. Seine Wärme gab mir etwas Trost, aber nicht genug. Er konnte auch nichts an den Tatsachen ändern. Ich vergrub mein Gesicht in sein T-Shirt und heulte es nass. Während er mir wieder und wieder über meinen Oberarm streichelte, bekam ich plötzlich das Gefühl als hätte ich ein Déjà-vu. Als hätte mich Jayden mich schon mal getröstet… doch das hatte er nicht. Nicht nach meinen falschen Erinnerungen jedenfalls. Kamen etwa langsam Erinnerungen hoch?