Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 19 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 5 | Wird sie wieder?

 

 

Max hatte inzwischen die Wiederbelebung aufgegeben und hatte sich zu mir gesetzt. »Komm, wir sollten wieder zurück ins Zelt. Die Sonne wird immer greller.« Doch ich wollte nicht auf ihn hören und richtete meine tränenüberlaufenden Augen nach oben. Ich versuchte jetzt die Trauer in mir zu verdrängen und sie durch Wut zu ersetzen. Schnellen Schrittes stürmte ich auf Daniel los und fauchte: »Das ist deine schuld! Als ich von dir verlangt habe Ali zu retten, hättest du auf mich hören sollen!«

Bevor ich wirklich auf ihn losgehen konnte, zog mich Max zurück in seine Arme. »Komm, du kommst jetzt mit mir ins Zelt.« Schluchzend ließ ich mich mitnehmen, aber Max musste mich quasi ins Zelt tragen.

Drinnen musste mich Max wie ein Kleinkind in den Schlafsack stecken. Ich konnte nicht, mein ganzer Körper zitterte, aber nicht vor Kälte. Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich mich einiger Maßen beruhigt hatte. Erst dann bemerkte ich, dass auch Max geweint haben musste, da seine Augen gerötet waren.

»Du hast Ali auch ziemlich gut gekannt, habe ich Recht?«, fragte ich schließlich. Er nickte schwach. »Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich zu viel Zeit mit euch verbrachte, aber deine kleine Mission hat uns vier irgendwie zusammengeschweißt.« Ich hatte keinen blassen Schimmer warum ich das jetzt sagte. Bis vor kurzen hätte ich es nicht mal als wahr empfunden, aber inzwischen war ich vom Gegenteil überzeugt: »Ich kann keine würdige Vampirprinzessin sein, Max. Nicht mit meinen falschen Erinnerungen.« »Was redest du denn da? Du setzt dich doch weiterhin für diese Mission ein. Ich meine, wir sind doch mitten drin. Und Fähigkeiten machen nicht alleine eine würdige Prinzessin aus.«

Ich schüttelte den Kopf. »Ich habe auch nicht von den Fähigkeiten gesprochen. Es sind diese doofen falschen Erinnerungen. Jared hat die echt gekonnt manipuliert. Ich meine klar, mein Kopf sagt mir: Die Casses müssen vernichtet werden. Nicht nur, weil ihr mir das gesagt habt, sondern auch weil die Casses und ihr Brechen der Regeln schuld daran sind, dass ich meine Erinnerungen nicht mehr habe. Aber mein Gefühl findet das alles total falsch.«

Max schaute mich verwirrt an. »Wenn du weißt was sie sind, wie kann es sich dann falsch an fühlen?« »Wie gesagt… wegen meinen falschen Erinnerungen. Ich habe dir ja bereits gesagt, dass ich mich daran erinnere ein Mensch zu sein. Und bei den Menschen auf der Erde gibt es ein Gleichgewicht, das es hier in Vellance nicht gibt. Bei den Menschen ist es kein Weltuntergang ab und an Mal gegen die Regeln zu verstoßen, solange unsere Handlung ethisch ist.«

»Naja, aber das Handeln von den Casses ist nicht ethisch.« »Aber auf der Erde gibt es nicht die eine Hälfte und die andere. Da urteilen wir über jemanden anhand seines Charakters.« Max schien mir nicht ganz folgen zu können. Also erklärte ich: »Auch wenn ich Daniel da draußen gerade so angeschrien habe… wären wir Menschen hätte er einen ganz netten Charakter. Ich meine, immerhin hilft er uns meine Erinnerungen wieder zubekommen. Als Mensch würde ich nur das Handeln seines Vaters in Frage stellen und nicht seins – nur weil er zu den Casses gehört.«

»Natürlich hat jeder einen anderen Charakter … das ist mir klar. Aber Alea, weil die Casses und deren Magie existiert ist Ali jetzt tot.« Als er diese Worte aussprach kamen mir erneut die Tränen. Nicht, dass ich es nicht geahnt hätte, nur wollte ich es nicht wirklich wahr haben. Tief in mir hatte ich immer noch Hoffnungen gehabt. »Ja, das weiß ich doch. Mein Verstand weiß es, aber meine Gefühle sagen mir etwas anderes. Deshalb weiß ich nicht, ob ich meine Aufgabe bewältigen kann, wenn ich noch nicht meine Erinnerungen zurück habe.« Max legte mir beruhigend eine Hand auf mein Bein. »Wenn wir diesen Stein finden und ihn verstören bekommst du doch deine Erinnerungen zurück.«

»Wenn Ali mit ihrer Magie den Stein zerstört, der nur Casses Magie zerstören kann … die jetzt tot ist.« »Dann wird Daniel das übernehmen.« »Aber… das ist doch total krank, Max. Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Wenn wir diesen Stein zerstören, wird das auch die Casses vernichten. Er kann doch nicht sich und all seine Freunde töten! Außerdem war das Mal eine Aufgabe, die für mich bestimmt war.«

Max wusste natürlich, dass ich Recht hatte. »Dann solltest du daran arbeiten deine Magie zurück erlangen. Die Leute, die dir am nahesten stehen, sind doch zum Teil alle bei dieser Mission dabei. Und ich denke, wenn du erstmal deine Feences Magie wieder vollständig zurück hast, kommt die andere von ganz allein. Immerhin hast du die Casses bereits besucht.«

Ich hoffte, dass Max Recht hatte, doch ich war eher pessimistisch gestimmt… aufgrund der Umstände. Vielleicht sollte ich einfach mehr Zeit mit Max verbringen. Immerhin war er mein Bruder… er kannte mich schon, seitdem ich ein kleines Baby war. Wenn mir jemand etwas über meine Vergangenheit erzählen könnte, dann wohl er.

Schließlich hörte ich, wie jemand am Reisverschluss des Zeltes zog. Jayden vermutlich. Ich wunderte mich, warum er nicht schon früher zu uns gekommen war. Was machte er denn die ganze Zeit da draußen mit Daniel? Immerhin wollte er sich auch kein Zelt mit ihm teilen.

Doch als sich der Eingang zum Zelt öffnete, standen sowohl Jayden als auch Daniel davor. »Ali… sie atmet noch… ziemlich schwach, aber sie tut’s«, berichtete Daniel stockend. Plötzlich löste sich meine Starre wie von selbst und ich war schneller aus dem Schlafsack als möglich gewesen wäre. »Dann sollten wir schnell umdrehen und sie in ein Krankenhaus bringen.«

Aber ich erntete nur fragende Blicke von allen dreien. »Krankenhaus? Ich weiß ja nicht wie es bei den Menschen ist, aber bei den Vampiren brauchen wir da nicht hin. Atmung… und sei sie noch so schwach, bedeutet immer Genesung für Vampire, wenn sie nicht erneuten Gefahren ausgesetzt werden bis sie wieder gesund sind.« Eilig stürmte ich nach draußen, um Ali in Sicherheit zu bringen, doch dort war sie nicht mehr. »Daniel und ich haben sie bereits in euer Zelt gebracht. Hoffen wir einfach, dass uns bis morgen Nacht keine weiteren Überraschungen wiederfahren und Ali genesen kann.«