Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 42 von 46

PDF-Seiten

Alea Reeves, vampire princess lost

Nacht 17 | Leben hat keine Happy Endings!

 

[erzählt von Alissa Lester]

Vorsichtig versuchte ich meine Augen wieder zu öffnen. Doch ich musste zugeben, irgendwie hatte ich Angst. Ich würde ihn leblos am Boden erblicken und ich hätte Schuld daran. Ich brachte mir nur immer wieder ins Gedächtnis: Ali, du hast das Richtige getan! Aber ich musste feststellen, ich konnte es trotzdem nicht. Aus diesem Grund drehte ich mich einfach von ihm weg, ohne einen letzten Blick, um die Bar zu verlassen. »Willst du dich denn gar nicht von mir verabschieden?«, ertönte plötzlich eine Stimme hinter mir und ich zuckte zusammen. Das konnte doch nicht sein! Ich hatte diesen Stein doch in meiner Hand zerdrückt. Tja, Ali. Eigentlich solltest du es inzwischen doch gut genug wissen: Das Leben hat nun Mal keine Happy Endings. Verängstigt drehte ich mich wieder zu ihm um. »Du lebst noch.« »Ja, ist das nicht ein Wunder? Obwohl… wie war das nochmal? Richtig, alle braunen Steine müssen zerstört sein. Gut, dass niemand, nicht mal Alea, wusste, dass ich noch einen letzten braunen Stein besitze. Nur so konnte mein Plan am Ende auch wirklich funktionieren.«

»Bitte… bitte töte mich nicht«, murmelte ich stockend. Jared fing zu lachen an. »Warum sollte ich dich töten?« »Naja, du bist ein Casses und ich habe das gleiche gerade mit dir versucht.« »Hm… stimmt. Da hast du nicht Unrecht. Allerdings hätte ich gerne noch jemanden zum unterhalten, bis Alea und Daniel hier aufschlagen.«

»Alea und Daniel? Die werden hier nicht auftauchen. Die sind doch auf einer Hochzeit.« »Das weiß ich. Doch hierfür werden sie die Hochzeit unterbrechen.« Dabei holte er einen braunen Stein aus seiner Hosentasche. Den braunen Stein – den allerletzten.

»Hast du deinen Fehler denn jetzt wenigstens eingesehen?«, hakte Jared nach, als ich nur wortlos den braunen Stein betrachtete. »Es war kein Fehler… es war das Richtige!« »Und warum hast du dich dann erst so schuldbewusst weggedreht? Du konntest mich nicht mal mehr ansehen.« »Das hatte einen anderen Grund.« »Sicher? Denn ich denke ich liege gar nicht so verkehrt.« Jared kam jetzt einige Schritte auf mich zu und schaute mir direkt in die Augen. Ich konnte merken, wie mein Herz schneller schlug. »Ich weiß, dass in jedermanns Kopf dieses Feindbild vom anderen Clan eingebrannt ist. Mir könnten uns nie wirklich sympathisch sein. So funktioniert das System in Vellance. Aber Gefühle sollten doch stärker sein als der Verstand… das sind sie immer. Oder was ist bei dir falsch gelaufen, dass das nicht so ist?«

»Bei mir ist nichts falschgelaufen. Ich kenne nur die Wahrheit. Ich habe sie mit eigenen Augen mitbekommen. Casses sind nun Mal die Bösen. Oder warum hast du Alea sonst ihre Erinnerungen genommen?« Er überlegte eine ganze Zeit lang, ob er mir antworten sollte, doch am Ende entschied er sich dafür. »Alea hatte den Plan die Casses und Feences für immer zu vereinen. Auch wenn ich Alea als Person traute, traute ich den Feences nicht. Ich konnte mir einfach nicht so vorstellen wie die zu sein. Deshalb wollte ich sie an ihrem Plan hindern und nahm ihr ihre Erinnerungen, sowie Daniel, der auch davon wusste.«

»Okay, das verstehe ich. Sie kann die Clans doch nicht vereinen! Dann würden wir ja alle anfangen Regeln zu brechen.« »Alissa, ich denke wir sind uns ziemlich ähnlich. Wir beide werden noch durch unsere Vergangenheit gelenkt, weil wir nie damit abgeschlossen haben.« »Ich bin überhaupt nicht wie du! Ich breche doch keine Regeln!«

»Wenn man die Sache außer Acht lässt, dass du zu den Feences gehörst und ich zu den Casses. Aber vor kurzen ist mir klar geworden… das Leben geht weiter. Wir müssen neue und andere Entscheidungen treffen, aber vor allem bessere.« »Was soll das heißen?«, fragte ich verwirrt.

»Ich habe meine Meinung vor ein paar Tagen geändert. Vielleicht ist es gab und zu gar nicht verkehrt spießig zu sein.« »Natürlich ist Ordnung nicht verkehrt. Aber wie kann es richtig sein die Regeln zu brechen?« »Ein gutes Gleichgewicht ist anscheinend nie verkehrt. Ich habe mit Aleas gelben Stein, der ihr die Erinnerungen nahm, mal versucht so eine Welt zu erschaffen. Auf der Erde gab es zwar auch ärmere und reichere Leute, aber nicht so extrem wie hier. Und ich muss zugeben… irgendwie fängt es an mir zu gefallen.« Langsam fing ich an zu verstehen, was er meinte. »Du willst Aleas Plan plötzlich doch durchführen?« »Ich denke irgendwo habe ich es nie vollkommen abgewogen. Sonst hätte ich die beiden Steine, die dafür erforderlich waren, schon längst wieder zurückgelegt.« »Das kann ich nicht zu lassen! Ich will nicht mit den Casses vereint werden.«

»Tut mir ja leid, aber du wirst keine Chance haben. Wir sind zu dritt und du bist alleine.« Mir fingen an Tränen über mein Gesicht zu laufen. »Aber… ich… ich will kein Mörder werden.« »Das wirst du doch gar nicht«, versuchte er mir einzureden, doch ich wusste es besser. Alles was aus seinem Mund kam… nur Lügen. »Eigentlich wollte ich es ja nicht… aber mir bleibt wohl keine andere Wahl. Ich muss Alea wohl oder übel bei Lorena verraten.« »Ach, und denkst du Lorena ist rechtzeitig zur Stelle?« »Lorenas Magie ist so stark, sie kann sich an den gewünschten Ort in Sekundenschnelle manifestieren.« »Mag sein, aber schaffst du es schnell genug ins Schloss? Denn soweit ich weiß, sind deine Fähigkeiten nicht so stark.«

»Nein, aber ich konnte als Fledermaus schon immer schneller fliegen als Alea.« Jared schien wohl langsam die Hoffnung zu verlieren. »Bitte tu’s einfach nicht. Das könnte Aleas Ende sein – und das Ende aller Casses. Auch Daniels Ende. Selbst wenn er deine Liebe nicht erwidert, bedeutet dir Liebe nicht etwas?«

Manoman, jetzt fing er wieder damit an. »Daniel war nie der Casses in den ich mich verliebt habe.« Und mit diesen Worten stürmte ich so schnell wie nur irgend möglich nach draußen, um zu Lorena ins Schloss zu fliegen.