Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 22 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 6 | Vertrauen?

 

Während Ali die mühsam ergatterten Eier in unserem Zelt verspeiste, befand sich der Rest von uns draußen vor dem Feuer. Ich konnte einfach nicht aufhören Daniel anzustarren auf Grund der kürzesten Ereignisse. Mensch, war ich schlecht im Bewahren von Geheimnissen. Mich wunderte es schon, dass Max und Jayden gar nicht nachfragten, was denn los war. Oder… vielleicht war ich doch besser im Verschweigen als ich dachte, keine Ahnung.

Gedankenverloren biss ich in das noch halb flüssige Eigelb. Als ich dieses Zelt betreten hatte, wurde ich von zweierlei Empfindungen heimgesucht. Erstmal natürlich das offensichtliche: Es war total falsch und Alis Absichten waren total unmoralisch. Aber tief in mir war da auch dieses Gefühl der Warnung. Klar, ich hatte persönlich behauptet, dass Daniels Charakter vollkommen okay sei. Aber diese Warnung bezüglich Daniel, konnte ich einfach nicht ignorieren.

Sie verriet mir, dass Ali aufpassen sollte, mit wem sie sich einließ. Und es war nicht nur diese ausstrahlende Gefahr, weil er zu den Casses gehörte. Hm, aber Alea! Deine Angst ist doch total unbegründet! Es kann keine unterbewusste Warnung deines vergangenen Ichs sein, die du ja inzwischen öfter mal hast. Ihr habt euch doch erst vor kurzem kennengelernt.

Ja, ich weiß – diese Gedanken… sie plagten mich nun die ganze Zeit während ich Daniel mit Blicken durchbohrte. Max weckte mich dann schließlich irgendwann aus meinem Gedankenwirrwarr. »Das Feuer geht langsam aus. Wir brauchen neues Holz.«

»Ich suche neues«, meldete sich Daniel freiwillig. »Hilfst du mir, Alea?« Ich war nicht die einzige, die ihn daraufhin verwirrt anschaute. Kann er denn nicht selber Holz sammeln? Doch dann wurde mir klar, dass er mit mir unter vier Augen sprechen wollte bezüglich… naja, dem Gedankenwirrwarr. Also willigte ich einfach ein. Tatsächlich hatte ich Recht behalten. Als wir außer Hörweite waren, sprach er sofort das besagte Thema an. »Okay, ich weiß was du von mir denkst. Ich gehöre zu den Casses und die fangen gerne mal was mit einer von den Feences an, weil das ja total gegen die Regeln ist… so wie wir nun mal sind.« Seine Worte trafen es so ziemlich auf den Punkt.

»Aber du irrst dich. Ich hab das jetzt nicht irgendwie geplant oder so. Vielleicht ist das zwischen uns nicht so, wie es immer in Büchern beschrieben wird. Doch ich schwöre, ich sage die Wahrheit, als Ali im Sterben lag, habe ich mir wirklich Sorgen um sie gemacht. Klar, kommen jetzt Fragen auf wie: Aber Sorgen kann man sich auch über einen guten Freund machen. Warum ist sie nicht nur ein Freund für dich? Diese Fragen habe ich mir mein ganzes Leben gestellt, weshalb ich nie eine vernünftige Beziehung führen konnte. Deshalb dachte ich mir halt, ich lass die Fragen einfach weg.«

Eine lange Pause entstand. Da ich nicht reagierte sagte Daniel schließlich: »Aber du kannst das sicherlich nicht nachvollziehen.« »Wegen meiner Beziehung zu Jayden? So ein Quatsch. Ich kann das sehr gut verstehen, da ich laut meiner manipulierten Erinnerungen eigentlich zu keiner vernünftigen Beziehung, die länger als ein Monat dauerte, fähig war. Ich weiß echt nicht, wie die frühere Alea das hinbekommen hat, aber inzwischen weiß ich, dass ich Jayden wirklich geliebt habe… ich korrigiere liebe.«

»Aber wie fühlst du das?«, fragte er mich. »Keine Ahnung… durch Glückshormone?«, fragte ich. »Naja, also wenn ich bei Ali bin, bin ich nicht unglücklich. Vielleicht habe ich die Glückshormone ja, kann sie nur nicht deuten. Okay… ich glaube wir schweifen vom eigentlichen Gesprächsthema ab.«

»Ich weiß nicht was du willst, Daniel. Ist doch egal was ich davon halte. Es ist wichtig, was ihr beide fühlt.« »Ich weiß, dass es egal ist. Ich möchte trotzdem wissen, wie du darüber denkst. Nichts weiter. Es wird nichts an irgendwelchen Tatsachen ändern.« »Mein Kopf sagt mir, dass ihr beide nette Menschen seid, die einander verdienen würden, damit sie endlich auch mal Glück in Sachen Liebe haben.« Dass mein Gefühl aber noch etwas anderes sagte, verschwieg ich einfach.

»Du bist Ali eine gute Freundin, Alea«, sagte er plötzlich. Hä? »Weil ich ihren Freund akzeptiere?«, fragte ich verdutzt. »Nein, weil du immer an sie gedacht hast, als sie von dieser Liane getroffen wurde. Du wolltest sie sofort retten. Eigentlich sollte man so handeln bei der Person, die man liebt.« »Ja, aber wenn du das nicht getan hast, weißt du dann nicht, dass du Ali nicht wirklich liebst?« Okay, bei diesem Satz hatte mein Kopf abgeschaltet und mein Gefühl gebrochen: Daniel ist kein Schwiegersohn-Material. Aber… eigentlich kam er doch so rüber. Ach, verdammt – Stopp!

»Wegen dem Gefühl, das ich im Nachhinein hatte. Ich hätte es tun müssen. Das weiß ich jetzt so sehr wie nie zuvor.« Als wir mit dem Feuerholz zurück zu Max und Jayden kehrten, trat wieder das Schweigen ein. »Das sollte bis morgen Abend reichen«, meinte Max. »Und dann geht der Kreis der Elemente weiter?«, fragte Jayden.

»Aber was ist mit Ali? Die ist doch nie im Leben schon morgen wieder bereit für lange Spaziergänge«, warf ich ein. »Vampire heilen ziemlich schnell, Alea. Oh Himmel, was haben die nur mit deinem hübschen Gehirn angestellt?«, fragte Jayden sich.

»Also nein. Dass Vampire schnell heilen, weiß ich. Habe es nur wieder vergessen… immer noch ziemlich ungewohnt das alles.« Jayden legte mir seine Hand um die Taille. »Ach, das wird schon wieder… der Stein kann nicht mehr weit sein.« »Klar, fehlt ja nur noch Wasser, Luft und Feuer. Und Erde war ja auch nicht gerade ein Zuckerschlecken.«

Man, war ich fies. Er wollte mich doch nur aufheitern und optimistisch sein. Doch zum Glück hatte Jayden es nicht in den falschen Hals gekriegt. Er nahm lediglich meinen Kopf in die Hände und drehte ihn vorsichtig, so dass ich einen guten Blick auf unser Zelt hatte. Das Zelt, aus dem Ali jetzt herausgehumpelt kam. Wahnsinn! Vampire heilen echt total schnell!