Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 14 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Nacht 4 | Hoffnungsloser Fall?

 

[erzählt von Alissa Lester]

Letztendlich konnte ich es nicht sagen, ob Daniel nur noch aus Mitleid bei mir sitzen blieb oder ob er wirklich selber nichts Besseres zu tun hatte. Eins wusste ich aber genau: Inzwischen war ich wirklich betrunken. Jap, sonst gab ich es oftmals nicht zu. Dieses Mal schon, weil es stimmte. Ändern konnte ich daran ja sowieso nichts mehr.

Eigentlich war ich so gut wie nie betrunken… aber entweder ich hatte mich geändert… oder hey, heute durfte ich das! Es war schließlich Aleas einundzwanzigster Geburtstag. Ich hatte guten Grund dazu. Allerdings musste ich zugeben, dass ich ziemlich tief gesunken war. Ich führte immerhin eine Unterhaltung mit jemand von den Casses. Warum das Ganze? Traurig aber war: Er sollte mir mehr über seinen Vater erzählen, den ich einfach nicht mehr aus meinem Kopf bekam. Vater, Ali, Vater! Er war viel zu alt für mich. Und das war nur ein Punkt von tausenden, der nicht stimmte.

»Ich glaube du hattest für Heute genug Alkohol«, meinte Daniel. »Oh, wie süß. Du dääänkst, du musst auf mich… aufpassen. Aaaaber ich sage dir was: Ich bin total un vollkommen erwachsen genug! Ich bin auch totaaaaal alt«, lallte ich. »Du scheinst aber nicht in bester Verfassung zu sein.« Ich grinste ihn breit an. »Duu bist eindeutig neeetter als dein Vater. Das hast duuu bestimmt von deeeiner Mutter, oder? Woo ist die denn eigentlich?«

Daniel schaute mich entsetzt an. Okay, das hätte ich wahrscheinlich nicht fragen dürfen. Tja, nun war es zu spät. »Wie bitte?«, fragte er und machte eine kurze Gedenkpause. Anscheinend erinnerte er sich wieder daran zurück, wie ich in der Kneipe an Jareds Tisch gesessen habe. »Lass mich raten. Er hat mit dir geflirtet und jetzt machst du dir irgendwie Hoffnungen oder so. Aber ich sag dir eins: Das macht er seit dem Tod meiner Mutter mit fast jeder Frau.«

Ich seufzte. »Verstorbene Frau… daaaas hat noch auf meiner Liste geeefeeehlt. Suppiii! Ich bin eeecht ein hoffnungsloser Fall in Sachen Liebe.« »Wem sagst du das? Ich bin auch seit gefühlten Jahrzehnten Single. Ich habe einfach nie diesen Funken gespürt… Du weißt schon, Liebe auf dem ersten Blick. So wird es doch immer in Büchern beschrieben. Langsam beginne ich zu glauben, dass es das gar nicht gibt und dass ich vielleicht meine Ansprüche runterschrauben sollte.«

Aber das war ja gerade mein Problem. Ich hatte diesen Funken gespürt, nur leider bei der falschen Person. »Was ist eigentlich mit dem anderen Mädchen? Alea oder? Was hat die für eine Beziehung zu meinem Vater? … Mal abgesehen davon, dass er ihr die Erinnerungen nahm.«

»Wiiiieso kommst du denn daaarauf?« »Ich weiß nicht. Immerhin hat er ihr was zum Geburtstag geschenkt, was nicht gerade günstig zu sein scheint.« »Viieleicht Schuldgefüüühle?«, fragte ich und stockte dann, als ich mich an diesen merkwürdigen Moment vor der Kneipe erinnerte. Der Moment wo Alea total rot wurde. »Neeeee, du hast totaal Recht. Die verschweigt mir schooooon wiiiiieder was. Baaaah, nicht, dass die sich heimlich treffen. Obwohl, das kann ich miiiir auuuch nicht vorstellen, dem zuuu urteilen was sie voooor hat.«

»Hä? Was hat sie denn vor?« Mist. Mein betrunkener Zustand war eindeutig nicht gut darin, Geheimnisse zu bewahren. »Niiichts schlimmes. Ich wollte aaauch mit machen… biiin mir aber nicht soooo sicher. Doooch eigentlich schooon. Immerhin muuuuuss man immer das Richtige tun.«

Er grinste mich an. »Klar, dass das von dir kommt. Du gehörst zu den Feences. Aber war es etwa das Richtige sich hier zu betrinken?« »Eyyyyyy! Das ist der beeesondere Geburtstag meiner BFF-Forever. Daaa geht das. Baaaaah, mir ist gaaar nicht gut.« Und ehe ich mich versah, kam mir alles wieder hoch und landete direkt auf den schönen dekorierten Tisch.

»Okay, das war glaube ich dein Stichwort ins Bett zu gehen.« »Neeee«, brachte ich nur hervor und brach danach in mir zusammen. Stöhnend stand Daniel auf und legte mich über seine Schulter. »Wo ist denn nur deine Freundin abgeblieben?«, fragte er ein wenig hilflos.

Ich musste kichern, keine Ahnung warum. Es war einfach nur so ironisch. »Die knutscht beeestimmt mit iihrem Jayden ruuuuum. Diiiie hat’s jaaaaa sooooo guuuut.« »Ich weiß nicht, ob es so gut ist seine Gedanken zu verlieren.« Oh ja, genau das war das, was ich jetzt brauchte. Ich musste meine kompletten Gedanken einfach auslöschen. Doch leider wusste ich nur zu gut, dass das nicht möglich wäre.

»Na schön. Wenn alle abgehauen sind, bringe ich dich eben selber in dein Bett. Wo das genau ist kannst du mir sicher nicht mehr sagen.« »Ich wooohne hiiiier nicht. Nuuuur quaaasi bei Alea.« »Ja ne, jetzt weiß ich natürlich total Bescheid. Egal, irgendwo im Schloss werde ich schon ein freies Bett finden.«

Wo genau er mich jetzt überall hintrug konnte ich gar nicht genau sagen. Wahrscheinlich musste er jede Menge Türen öffnen, bis er endlich eine Möglichkeit zum Schlafen gefunden hatte. Erst als ich etwas Weiches unter mir spürte, öffnete ich wieder die Augen.

»Jaaaaaa! Du bist riiiiichtig! Bei Alea! Wiiie wusstest du das nur?« »Wusste ich nicht. Das war das einzige Zimmer im Schloss, wo die Vorhänge noch nicht verdunkelt gewesen waren.« Meine zuvor verspürte Müdigkeit verschwand schlagartig wieder und ich sprang auf und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. »Daaaaaanke, für’s heimbringen. Mannnoo… waaaaarum konnte ich diesen Funken nicht eiiiinfach bei dir geeeeespüürt haben?«

Daniel legte mich zurück ins Bett. »Ja, werde jetzt einfach wieder nüchtern.« Und dann verließ er das Zimmer. Plötzlich wurde mir klar, was ich da gerade gesagt hatte. Ich hatte mir doch tatsächlich gewünscht, dass ich mich in Daniel verliebt hätte. Mensch, Ali! Er ist doch auch einer von den Casses. Klar, er war heute Nacht total nett zu dir. Aber auch er kümmert sich nicht um Regeln. Ich musste endlich aufhören mir die Casses schön zu reden, nur weil ich mich in einen von ihnen verliebt hatte. Und das war der Moment an dem ich mir versprach, komme was wolle, ich würde diese Mission durchführen. Das war das einzig richtige. So, Ali: Mission gleich richtig, Gefühle gleich falsch. Mit diesem Versprechen schlief ich irgendwann ein.