Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 15 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 5 | Auf geht's?

 

 

Ich war am nächsten Morgen … obwohl Abend, früher wach als Ali. Als ich auf die Uhr schaute und bemerkte, dass es schon Mitternacht war, verhielt ich mich doch nicht mehr so leise wie ich es eigentlich vorgehabt hätte. Und tatsächlich, Ali drehte sich stöhnend im Bett hin und her. »Mensch, Alea. Hier wollen manche Vampire vielleicht noch schlafen?« »Aber nicht, wenn der Zeiger schon auf der zwölf steht.«

»Ich habe so verdammt schlimme Kopfschmerzen«, maulte sie. »Dann solltest du andermal vielleicht nicht so viel trinken. Schon mal daran gedacht?« Doch Ali hielt sich einfach die Ohren zu und rief: »Lalala, ich höre dich gar nicht.«

Darüber musste ich dann doch grinsen. »Jetzt steige endlich aus dem Bett und pack deine Sachen. Schon vergessen, was wir heute vorhaben?« »Stimmt ja, die geheime Mission. Na schön. Dann sollte ich mich wohl auf den Weg nach Hause machen.« Grundgütiger, was hatte die für monstermäßige Augenringe? Ein Wunder, dass sie überhaupt noch die Tür nach draußen fand.

Schließlich überwand ich meinen Schweinehund und fing an meine Tasche zu packen. Ein Zelt packte ich gleich mit in den Koffer. Ich ahnte nur, dass es besser wäre, wenn wir so viele Zelte wie möglich haben würden. Bei meiner Wechselkleidung griff ich allerdings in meine geheime Schublade. Mit Kleid wäre ich da echt nicht gut aufgehoben.

Max hatte den Rest meiner Familie bereits über unseren Ausflug informiert, dass er sowohl meine Erinnerungen zurückbringen könnte, als auch die Casses vernichten könnte. »Seid bitte vorsichtig. Ich weiß ja nicht, was euch da so erwarten wird«, verabschiedete sich mein Papa. »Tschüss«, sagten auch Mama und Dana. Auch Justine hatte sich im Schloss eingefunden und verabschiedete sich von Max.

Max und ich verließen schließlich das Schloss und gingen mit unseren Koffern zum ausgemachten Treffpunkt, nur wenige Straßen vom Schloss entfernt. Wir waren anscheinend die letzten… kein Wunder, wie lange Max noch gebraucht hatte.

»So, wer von euch weiß jetzt wo wir hin müssen?«, fragte Max zur Begrüßung und bekam daraufhin fragende Blicke von den anderen. »Das weißt du nicht? Also es ist jetzt nicht so als würde ich mich dort irgendwie auskennen. Aber die grobe Richtung des Eingangs kennt doch wohl jeder«, meinte Jayden.

»Nö, wenn du im Schloss wohnst, kommst du nicht oft unter Leute, weißt du?« »Ha ha, sehr witzig. Egal, der Eingang an sich ist nicht weit von hier«, entgegnete Ali. »Und wir sind wirklich mehrere Tage unterwegs?«, fragte ich noch mal zur Sicherheit. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. »Ich meine, wenn wir uns in eine Fledermaus verwandeln sind wir doch verdammt schnell.« »Das würde ich lassen«, rief Daniel sofort von vorne nach hinten. »Der Ort ist von Casses Magie umgeben. Das bedeutet auch die Luft. Die Verwandlung in eine Fledermaus ist auch mit Magie verbunden. Wenn sich diese Magie mit der anderen vermischt, könnte das schlimme Folgen haben. Schlimmsten Fall ist es sogar tödlich.«

Wie bitte? Wir konnten dann also quasi gar keine Feences Magie einsetzen oder wie war das zu verstehen? Oder war das nur mit einem Risiko verbunden und wir durften es deshalb nur so selten wie möglich? Naja, meine Magie war ja eh nicht besonders hilfreich, so schwach wie sie war. Aber was war mit dem Rest? Jayden stellte die Frage meiner Gedanken laut: »Und wozu sind wir dann eigentlich mitgekommen, wenn unsere Magie dort kraftlos ist?« »Eure Magie ist nicht kraftlos, nur mit Risiken verbunden«, antwortete Daniel. »Außerdem muss man nicht immer alles mit Magie lösen.«

Prima, in Sachen nicht mit Magie lösen war ich die Beste. Laut meinen Erinnerungen hatte ich mein ganzes Leben nichts anderes gemacht. Tja, dann hoffen wir mal, dass Daniel Recht behielt.

Irgendwann blieben Ali, Daniel und Jayden – die, die uns anführten – einfach stehen. Okay, dieses Stück Acker sah ja jetzt nicht besonders gefährlich aus. Außerdem war das hier alles so extrem weitläufig. Wie wussten wir da, wo die Steine versteckt waren. Ganz klasse. »Wollen wir?«, fragte Daniel Ali, woraus ich schließen konnte, dass hier jetzt Magie eingesetzt werden musste. Aber warum? Woher wussten sie das? Sekunden später bekam ich meine Antwort, denn Ali und Daniel sprengten mit ihrer Magie plötzlich ein riesiges Loch in den Boden. Als Daniel dann raunte »Alea, Max, darf ich vorstellen: Der Eingang in die Unterwelt.« war alles vollkommen klar für mich. Dieser Ort hier war noch gar nicht der, wo nur Casses Magie herrschte. Erst wenn wir da unten waren, würde es gefährlich werden.

»Wer geht als erstes?«, fragte Jayden, der jetzt sichtlich nervöser wirkte als zu Beginn. »Na der, der fragt«, meinte Max grinsend und fuhr sich durch seine schwarzen Haare. Jayden war über Max Antwort sichtlich nicht erfreut, aber als Feigling wollte er wohl auch nicht rüber kommen, denn schlussendlich sprang er in die Tiefe. »Alea?«, fragte mich Ali.

»Warum sollen eigentlich die als erstes springen, deren Magie da unten nutzlos ist? Nicht besonders fair, oder?« »An der Stelle kann nicht passieren, aber wenn es euch beruhigt, springe ich als nächstes«, schlug Daniel vor und ohne auf Reaktionen zu warten, sprang er Jayden hinterher.

»Okay, ich bin dran«, sagte ich, da ich irgendwie doch das dringende Bedürfnis hatte, es endlich hinter mir zu haben. Als ich Sprang fiel ich so tief, dass ich dies – laut meinen falschen Erinnerungen – eigentlich nicht hätte überleben können. Deshalb schrie ich auch aus vollem Hals. Aber natürlich war dieser Tunnel verzaubert gewesen, weshalb mir am Ende auch nichts passierte – nicht mal eine Prellung.

Obwohl es hier unten stockduster war, konnte ich perfekt sehen. Klar, Alea, du bist ein Vampir! Würde ich mich je daran gewöhnen? »Alles okay bei dir?«, fragte mich Jayden und begutachtete mich von oben bis unten. Ich nickte nur, weil ich vor lauter Herzrasen meine Sprache noch nicht wieder gefunden hatte.

Als ich mich hier unten genauer umschaute, kam es mir hier fast wie eine Höhle vor. Links runter war zwar eine Wand, die uns den Weg versperrte, doch rechts führte ein Weg runter. Ganz am Ende der Höhle konnte ich schon entfernt eine Lichtung erblicken. Eigentlich sollte Licht ja immer Hoffnung verheißen, doch in diesem Fall wollte ich lieber hier in der Dunkelheit verweilen. Vielleicht lag es daran, dass ich ja eigentlich ein Vampir bin – wahrscheinlich aber eher, weil nach dem Licht die Gefahren auf uns warten würden.