Das Unsagbare erzählen, Sexuelle Gewalt in Ungarn im Zweiten Weltkrieg

Sichtbarkeit verschaffen: Die Augenzeugen beginnen, zu sprechen

Kriegshistorikers Antony Beevor präsentieren sie die Taten der sowjeti-

schen Soldaten.

 

Sichtbarkeit verschaffen:

Die Augenzeugen beginnen, zu sprechen

 

Durch die (noch bestehende) digitale Erreichbarkeit eröffnet sich zwar ein

Raum auch für die Sicherinnernden, im Internet sind jedoch trotz der nied-rigschwelligen Zugänglichkeit der Technologie nur wenige solche Projekte

zu finden. Das Buch von Swetlana Alexejewitsch Der Krieg hat kein weib-

liches Gesicht aus dem Jahr 1985, das zuerst in Minsk erschien, brachte einen

Durchbruch in der Analyse der Beteiligung der sowjetischen Frauen im

Krieg. Die Autorin interviewte Veteraninnen, um mehr über die Perspek-

tive der kämpfenden Frauen im Zweiten Weltkrieg herauszufinden. Der

Band inspirierte – trotz methodischer Mängel – weitere Forschungen. Im

Mai 2015, 30 Jahre nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe, veröffentlichte

die Onlinezeitung 53 Gordon zuvor zensierte Stellen aus dem Buch. Hier

sprechen Veteranen und Veteraninnen über sexuelle Nötigungen und Ver-brechen, denen sie in der Roten Armee begegneten. Einer der Briefe wurde

von einem Soldaten geschrieben, der an der Vergewaltigung von deutschen

Frauen, wie er selbst zugab, als Täter beteiligt war.

Im Zusammenhang mit Kriegsvergewaltigungen taucht häufig der

Name des Kriegsveteranen Leonid Rabitschew in den russischsprachigen

Quellen auf. 2005 veröffentlichte der Verlag Snamja dessen Memoiren, in

denen Rabitschew detailliert über die von sowjetischen Soldaten begange-

nen Vergewaltigungen schreibt. Dass er seine Erlebnisse niederschrieb, be-

zeichnet er als Akt der »Buße«. Das eröffnete einen neuen, religiösen Rah-men für den Prozess des Erinnerns. Die Schriftstellerin und Journalistin

Olga Ilnizkaja argumentiert allerdings aus oben dargelegten Gründen für

die Vernichtung des Textes.54

An dieser Stelle soll noch eine in einem Videoportal veröffentlichte Auf-

nahme erwähnt werden, in der ein anonymer sowjetischer Kriegsveteran

 

53 »ɆɵɜɞɟɫɹɬɟɪɨɦɧɚɫɢɥɨɜɚɥɢɧɟɦɟɰɤɭɸɞɜɟɧɚɞɰɚɬɢɥɟɬɧɸɸɞɟɜɨɱɤɭȻɨɹɥɢɫɶ

ɬɨɥɶɤɨ ɱɬɨ ɛɵ ɧɚɲɢ ɦɟɞɫɟɫɬɪɵ ɧɟɭɡɧɚɥɢ ± ɫɬɵɞɧɨ© ɂɡ ɡɚɩɪɟɳɟɧɧɨɣ ɤɧɢɝɢ Ⱥɥɟɤɫɢɟɜɢɱ 10. 5. 2015. http://gordonua.com/publications / Aleksievich-80220.html

54 ɅɟɨɧɢɞɊɚɛɢɱɟɜªȼɨɣɧɚɜɫɟɫɩɢɲɟɬ©Ɂɧɚɦɹ2005/2. http://magazines.russ.ru/

znamia/2005/2/ra8.html Die Täter: Erschaffung der soldatischen Männlichkeit 199