Wien Reiseführer Michael Müller Verlag
Ausflüge ins Wiener Umland
Klosterneuburg, sakrale Kunst in bester Lage
Tulln, auf den Spuren Egon Schieles
Weinhochburgen der Thermen region
Carnuntum, römische Relikte
Bratislava, Wiens kleine slowakische Schwester
Stift Melk, UNESCO-Weltkulturerbe
Klosterneuburg
Klosterneuburg, nur eine kurze Bus- oder S-Bahn-Reise von Wien entfernt,
be sticht durch seine Lage zwischen den Aus läufern des Wienerwaldes und
den Do nauauen. Bereits zur Jungsteinzeit be siedelt und seit der Mitte des
ersten nach christlichen Jahrhunderts römi sches Kastell, ließ sich hier im
Jahre 1113 der Babenberger Markgraf Leo pold III. nie der und gründete ein
Jahr spä ter ein Chor herrenstift für weltliche Ka no ni ker. Nachdem er das
Stift 1133 den Au gus tinern übergeben hatte, ent wi ckelte sich
Klosterneuburg zu ei nem über re gional bedeutenden geistig-kul tu rellen
Zen trum, dessen „ Verduner Al tar“ (nach seinem Schöp fer Nikolaus von -
Verdun benannt) aus dem 12. Jh. als sein bedeutendstes sa kra les Kunst -
werk gilt. In der Ga lerie der Moderne ist sa krale Kunst aus dem 20. und 21.
Jh. und in der Schatzkammer neben vielen an deren Pre ziosen die sog.-
„ heilige Kro ne Ös terreichs“ zu be wundern, bei der es sich um den Erz her -
zogshut von Ös ter reich handelt. Erz herzog Maxi mi lian III. (1558-1618)
schenk te sie zwei Jah re vor seinem Ab leben dem Stift Klos ter neu burg, weil
er ein glühender Ver ehrer des im Kapitel saal bei ge setz ten Klos ter stif ters
war . Der wurde 1485 hei ligge spro chen und avan cierte im 17. Jh. zum ös ter -
reichi schen Landes pa tron. Unter Karl VI. soll te sich das Stift, das in sei nen
Gärten der Jahr hunderte u. a. „Gar ten moden“ des Mittel alters und der Re -
naissance kul ti viert und mit 103 ha An baufläche eines der größ ten Wein -
güter Österreichs be treibt, in ein gi gantisches Barockkloster ver wan deln.
Obgleich die 1730 begonnenen Ausbau ar beiten 10 Jahre später wieder
einge stellt wurden, beherrscht der dem Stift zu geordnete, unvollendet
gebliebene Kai sertrakt für Karl VI. und dessen Gat tin Elisabeth Christine
die Silhou et te der Stadt, die für Liebhaber pro faner zeit genössischer Kunst
seit der finan ziell bedingten Schlie ßung des Essl Museums an Be deu tung
verloren hat.
Zum Trost bietet Klos ter neu burg mit dem Art/Brut Center Gug ging ei nen
Aus stel lungs ort der be son de ren (Kunst)Art. Das Mu se um nebst Ga le rie
expo niert und ver kauft Wer ke, die der Art Brut zu ge rech net wer den, wo -
run ter man un ver bil dete, spontane Kunst, meist von psy chisch Kranken
ver steht. (Der Begriff wur de von dem fran zösi schen Maler Jean Dubuffet
ge prägt.) Schwerpunkt der Sammlung ist die künstlerische Pro duktion der
inzwi schen weltweit be kann ten „Künstler aus Gugging“, die sich aus (ehe -
ma li gen) Pa ti enten eines in zwischen auf gelösten psy chia tri schen
Kranken hau ses in dem gleich na mi gen Orts teil von Klos terneu burg re kru -
tierten.
Verbindungen: S 40 bzw. Bus 238 (ab Heili gen stadt) bis Bahnhof Kierling (Stift); Bus
239 Rich tung Maria Gugging/Lourdesgrotte.
Stift Klosterneuburg: Mitte Nov.-April 10-16, sonst ab 9-18 Uhr. Stiftsticket in klu sive
Au dioguide 13, mit The men füh run gen + 2-3 €. Führungs termine siehe Website. Stifts -
platz 1, Tel. 02243/411-212, www.stift-klosterneuburg.at.
Art/Brut Center Gugging: Di-So 10-17 (Win ter) bzw. 18 Uhr (Sommer), 7,50 €. Ortsteil
Maria Gugging, Am Campus 2, Tel. 02243/87087, www.gugging.at.