Wien Reiseführer Michael Müller Verlag

Annette Krus-Bonazza · Kapitel 51 von 309

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Burgtheater

Große Theatergeschichte(n)

 

Burgtheater

Das Wiener Burgtheater am Uni ver si täts ring, dessen künst le rische Ge -

schich te in der Mitte des 18. Jh. im „ Thea ter nächst der Burg“ am heu tigen

Mi chae lerplatz be gann, ge hört von je her zu den ersten The ater adres sen im

deut schen Sprach raum. Zu sei nen In ten dan ten, Regisseu ren und Schau -

spie lern gehörten immer die her aus ra gen den Grö ßen der The a ter szene,

und sei ne In szenierun gen sorg ten ins be son de re in Wien selbst stets für

Auf sehen und Ge sprächs stoff. Einen be son ders nach hal ti gen Eindruck

hin ter ließ der deut sche „Burg herr“ Klaus Pey mann, der die Tra ditions büh -

ne von 1986 bis 1999 lei tete und da bei ihr Re per toire und den Inszenie -

rungs stil mo der ni sier te. Zu nächst fre ne tisch ge feiert, löste Pey mann mit

der von ihm ver ant wor te ten Urauffüh rung von Tho mas Bern hards -

„ Helden platz“ (1988) fast eine Staats af färe aus. Der Premiere von Bern -

hards Stück, das die Öster rei cher auf scho nungs lose Wei se mit ihrer na tio -

nal so zia listischen Vergan gen heit kon fron tiert, folgten dras tische Pro test -

kund ge bun gen und er hitzte kul tur po li ti sche De batten. Dass Wien mit Pey -

mann in zwi schen Frieden geschlossen hat, be legt die bundesministeriell

ab ge seg nete Ver leihung des Ehrenrings des Burg thea ters an den deutschen

Thea ter ma cher anlässlich dessen 75. Ge burts tags am 7. Juni 2012.

Das internationale Renommee der Burg re sultiert natürlich nicht zuletzt

aus ih rem 1888 bezogenen ein drucksvollen Do mi zil an der Ringstraße,

dessen Ent wurf von Gottfried Semper und Carl von Ha senauer stammt.

Während die äu ßere Gestalt des berühmten Musen tem pels, bei dessen

Konzeption sich Sem per an seinen eigenen Plänen für die Dresdner Oper

orientierte, im Stil der Neo renaissance gehalten ist, wur de das Thea ter in

seinem Innern mit einer üp pigen neobarocken Aus stat tung ver se hen.

Besonderer Blickfang sind die prunk vollen Treppenhäuser, über die sich -

Deckengemälde der Brü der Gustav und Ernst Klimt und ihres Malerkolle -

gen Franz Matsch spannen. Schon al lein ihretwegen lohnt sich die Teil -

nah me an einer Hausführung, bei der man den prächtigen Zu schauer raum,

in der Re gel auch die Bühne sowie die Ge mäl de in zwischen ver stor be ner

Burg schau spie ler(innen), da run ter das von Ka tha ri na Schratt, der Ver trau -

ten Kai ser Franz Josephs I., zu Gesicht be kommt.