Wien Reiseführer Michael Müller Verlag
Vom Stephansdom zur Albertina
einem Tag zu be wäl ti gen. Die je ni gen, die alle Aus stel lun gen wür di gen, in
Kaf fee häu sern ein kehren und oben drein einen Ein kaufs bummel ein schie -
ben wol len, soll ten allerdings zwei bis drei Ta ge ein planen.
Vom Stephansdom zur Albertina
Wer den Dom mit der U-Bahn ansteu ert, stößt schon kurz nach Verlassen
des Zuges auf die erste Sehenswürdig keit, die unterirdi sche →
Virgilkapelle aus dem 13. Jh., die 1973 beim U-Bahn-Bau ent deckt und als
Museum in die Me tro-Station integ riert wurde.
Nach Bewunderung des sa kralen Klein ods huschen wir mit der Roll treppe
hi n auf zum Stephansplatz und finden uns dort direkt vor dem Haupt portal
von → St. Stephan wieder, des sen im Wie ner Volksmund „Steffl“ ge -
nannter Süd turm sich 137 m hoch in den Him mel streckt.
Der „Steffl“ bietet aus jeder Perspektive Interessantes
Wer mag, kann über gut 300 Stufen die Tür merstube erklimmen und die
Stadt aus der Vogelperspektive betrachten oder aber in die Katakomben der
seit Jah ren hier oder da zwecks Res tau rie rung verhüllten Bi schofs kirche
hin ab stei gen, neben der in Erwartung zahl rei cher Fahrgäste eine
Fiakerflotte sta tio niert ist.
Auf den Boden bzw . ans Tageslicht zu rück gekehrt, geht es - nach Be gut -
ach tung des → Dom Museums Wien- vom Ste phans platz in Richtung
Graben. Da bei pas sie ren wir das 1989 fertig ge stellte und an fangs sehr -
umstrittene Haas-Haus, das Star ar chitekt Hans Hol lein für das Mit te des
19. Jh. ge grün dete gleichna mige Tra di ti ons kaufhaus ent warf. Die Er rich -
tung des post mo der nen Kon sum tem pels mit sei nen aus la den den Glas fas -
sa den direkt vis-à-vis des Ste phans doms kam für vie le einer Ent wei hung
der ehrwürdigen Ka the drale gleich. In zwi schen haben sich die Ge mü ter
be ru higt, zu mal man von den Fens tern und Son nen terrassen der un ter -
dessen ein ge zo genen Nobel gas tro no mie in seinen obe ren Etagen ei ne wun -
der bare Aus sicht auf das Wahr zei chen Wiens ge nießt.
Mitten in der von erlesenen Geschäften ein gerahmten Fußgängerzone
( Gra ben) er hebt sich die 1692 enthüllte Pest säu le, die der italienische
Büh nen bild ner Ot ta vio Burnacini im Gedenken an die Pes t epidemien des
ausgehenden 17. Jh. ge staltet hat. Über die von liebli chen En gelsfiguren
umspielte Säule, an de ren Fuß der in Stein gehauene Auf trag ge ber Leopold
I. ehrfürchtig nie der kniet, wacht gleich um die nächste Häu ser ecke die
grüne Kuppel der → Peters kir che, ein Vorzeigeobjekt hoch ba ro cker Bau-
und Bildhauer kunst.
Wieder zurück auf der schicken Ein kaufs meile, werfen wir noch einen
Blick auf die appetitanregenden Aus lagen des mehr stöckigen Feinkosttem -
pels von Kaf feeröster Meinl, das von Adolf Loos ent worfene La denlokal
(1910) des Her re n ausstatters Knize, des sen hüb sche Ju gendstil-Toilet -
ten an lagen (1904) und Ot to Wagners An ker haus (1895). An dem bie gen
wir in die kurze Do rotheer gas se ein, in der gleich linker Hand das dort seit
gut 100 Jahren kredenzte ver füh re rische Bröt chen buf fet von Trzes niews ki
lockt, hinter dem das Hotel Gra ben mindestens genauso lange auf sei ne
Gäste wartet. Zu de nen ge hör ten frü her ein mal nam hafte Schrift stel ler wie
Peter Al tenberg, der hier von 1914 bis zu sei nem Tod im Jahre 1919 sogar
dau erhaft lo gierte. Schräg gegenüber lädt das schum me rig-schöne Lokal
der Fa milie Ha wel ka schon seit dem Ende des Zwei ten Welt kriegs zu
Kaffee, Ku chen und klas si scher Kaffee hausatmo sphä re ein.
Wieder auf die andere Straßenseite zu rück gekehrt, erreicht man bald das
→ Jü di sche Museum, das seinen Besu chern In formationen zur
Geschichte der Wie ner Juden und stets spannende Son derausstellungen
offeriert. Gleich da hinter hält das → Do rotheum, ein Auk tions haus für
Mö bel, Schmuck, Ge schirr und Ge mälde, auf mehreren Eta gen so man ches
wertvolle Schnäpp chen be reit.
Die Dorotheergasse mündet in die Au gus tinerstraße, auf der wir uns zu -
nächst links halten, um uns entlang der Sei tenfronten der
Augustinerkirche zum östlichsten Gebäudezipfel der Hof burg zu bewegen.
Weil der zuletzt von Ma ria Theresias Schwiegersohn Herzog Al bert von
Sachsen-Teschen bewohnt wur de, heißt er → Albertina. Die zum zeit -
gemäßen Museum um ge bau te Al ber tina beherbergt eine einst vom Haus -
herrn selbst be gründete Gra fik samm lung, die zu den größten und kos t -
barsten der Welt zählt. Sie birgt die ver s chwenderisch vergolde ten Habs -
bur ger Prunkräume, präsentiert aber vor allem hochkarätige Wech sel aus -
stel lun gen moderner Kunst, in die ge ge be n en falls Werke aus der eige nen,
per ma nent erweiterten Kollek tion in te griert wer den. In einem Seiten trakt
des his to ri schen Stadt palais, das mit Hans Hol leins aus Titan geschmie de -
tem Sora via-Wing auch außen einen zeit ge nös si schen Akzent setzt, haben
das → Ös ter reichische Filmmu seum und ein Stadt heuriger Quartier be -
zo gen.
Die Albertina flankiert zusammen mit dem hinteren Flügel der Staatsoper,
dem → Theatermuseum im Palais Lob ko witz, dem Café Mozart und der
von Luigi Blau zum Auftakt des neuen Jahr tau sends entworfene, jüngst
erneut zeitgemäß aufgepeppte Infor ma tions zen tra le des WienTouris mus
den Alber tina platz, dessen Nordwestzipfel seit 2009 zu Ehren des früheren
Wie ner Bür germeisters (gest. 2008) Helmut-Zilk- Platz heißt. Auf
Letzterem ge mahnt das von Alfred Hrdlicka mo del lierte, aus drei be hau e -
nen Mar mor blö cken und ei ner Bronze kom po nier te, wegen sei ner
eindringli chen plas ti schen Bilder oft monierte und damals von besagtem
Bür germeister pro te gier te Denk mal ge gen Krieg und Fa schismus seit
1988 an Kriegs horror und Holo caust.