Wien Reiseführer Michael Müller Verlag
Zukunftsvision Smart City
Stichwahl mach ten der von den Grü nen unterstützte Wirt schaftswis sen -
schaft ler Alexander Van der Bel len und der rechts po pulistische FPÖ-Po li -
tiker Nor bert Hofer unter sich aus - eine Kons tel la tion, die die tiefe Po la ri -
sie rung der ös ter reichi schen Gesell schaft do ku men tiert.
Die Stich wahl selbst geriet dann min des tens in die Nähe einer Politposse,
nach dem zunächst das erste, knapp zu gunsten Van der Bellens aus -
gegangene Vo tum von der FPÖ wegen Un regel mä ßig keiten bei der Aus zäh -
lung der Brief wahlstimmen erfolgreich an gefochten wor den war und der
Ter min für die Wahl wie derholung wegen schadhafter Kle bestreifen an den
Wahl um schlägen (!) verschoben werden musste. Gewählt wurde am Ende
dann aber doch noch, dies mal sogar mit einem verwertbaren Er geb nis, das
erneut und überraschend klar zu guns ten Van der Bellens ausfiel. Die
rechtspopulistische Gefahr war da mit aber keineswegs gebannt, sodass die
FPÖ bei den letzten Nationalrats wahlen 26,0 % einfuhr und hinter ÖVP
(31,5 %) und SPÖ (26,9 %) den dritten Platz be legte und inzwischen mit
der ÖVP un ter Bundeskanzler Sebastian Kurz koaliert.
Auch im traditionell roten Wien hat sich die FPÖ in jüngster Vergangenheit
zu nehmend breitgemacht. Schon nach den Wahlen von 2010 musste sich
die rot-grü ne Stadt- und Landesregierung un ter Bürgermeister und
Landes haupt mann Michael Häupl (SPÖ) mit 27 FPÖ-Ab ge ordneten unter
der Führung des plump islamfeindlichen Heinz-Chris tian Stra che auf den
Op po si tions bänken ab fin den. Nach den Wahlen im Oktober 2015 nahmen
im hun dert köp figen Wiener Ge meinderat sogar 34 Rechts populisten Platz,
während sich die Sitze der So zial demokraten von 49 auf 44, die der Grü nen
von 11 auf 10 und die der ÖVP von 13 auf 7 redu zier ten und die rest lichen 5
Plätze nun mit Abgeordeten des Neu en Österreich (NEOS) besetzt sind.
Zukunftsvision Smart City
Dieser Gemeinderat, der seit Mai dieses Jahres nicht mehr vom
langjährigen Bür germeister Michael Häupl (1994-2018), sondern von
Michael Ludwig geführt wird, trägt den Ende 2014 ver ab schiedeten
Stadtent wick lungs plan STEP 2025, der sich wie schon sein Vor gänger
( STEP 05) den Heraus for de run gen einer wach senden Stadt zu stel len hat.
Letzterer sah nicht zuletzt den in zwi schen abgeschlossenen re prä sen ta -
tiven Um-, Aus- und Neubau der Wie ner Bahn hö fe vor. Dass der Süd bahn -
hof durch den im Oktober 2014 fei erlich eröffneten historisch ersten Wie -
ner Haupt bahn hof ersetzt und die Was ser we ge gen Osten durch größere
städ te bau li che Integration und ver kehr s tech ni sche Er schließung ver b es -
sert wur den, ist nicht zuletzt der jüngs ten EU-Er wei te rung ge schul det. Mit
ihr ist Wien von der Peri pherie in die Mitte Europas zu rück ge kehrt, die auf
Wunsch der po li ti schen Vier län der ini tia tive (Tsche chien, Slo wa kei,
Ungarn, Öster reich) Centrope im doppelten Wort sinne wirtschaftlich und -
kulturell „zu sammen wachsen “ soll. Da bei möch te sich die Stadt, die in
den ver gan genen zwei Jahrzehnten durch Ein wan derung aus dem In- und
Aus land größer und jünger geworden ist, bis zur Jahr tau sendmitte noch
mehr als bisher als nach haltige „Smart City“ pro fi lie ren. Ih re „Smart
Energy Vision 2050“ sieht die Dros selung des mo to ri sierten In di vi dual -
verkehrs von derzeit - schon vergleichsweise vorbildlichen -27 auf 15 %,
weniger Ver brauch und die umwelt scho nende Pro duk tion von En ergie
sowie mehr Bür ger be tei li gung vor. Dass ihr öf fent licher Nah ver kehr sein
Fahr gast auf kommen in den ver gan genen Jahrzehnten kon ti nuier lich
steigern konnte, 2017 mit 778.162 Ein wohnern immerhin gut 41 % der
Stadt bevölkerung im Besitz der un schlag bar günstigen Jahreskarte (365 €)
für die Wiener Linien waren und seit 2012 meh rere, von Bür gern mit fi nan -
zierte und getragene So lar kraft werke ans Netz gingen, nährt die Hoff nung
auf Ver wirk li chung dieser sym pathischen ur banen Uto pie.
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