Wien Reiseführer Michael Müller Verlag
Sehenswertes
Wer nach der Begutachtung ganzer Her den ausgestopfter Tiere und Tau -
sen der Vitrinen mit Mineralien und dem Be such der viertgrößten Ge mäl -
de ga le rie der Welt noch auf nah me fä hig ist, möge ab 2020 wieder vom
Burg- zum Opern ring wei terwandern und rech ter Hand zur gerade im
Umbau be find lichen → Akademie der bil den den Küns te am -
Schillerplatz aus scher en, um die bis dahin aus ihrem Exil im Thea ter -
museum heimgekehrten Meis ter werke der eu ro päischen Ma lerei zu
goutieren. Al len an deren schla gen wir vor , schon vor her links ab zu biegen
und die Grand Tour im wun der schö nen → Pal men- und Schmet ter ling -
haus des → Burg gar tens ent span nend aus klin gen zu las sen.
Sehenswertes
Unterirdische KIrche
Virgilkapelle
Die Virgilkapelle datiert aus den 1230er Jahren, wurde um 1246 um Fugen -
ma le reien und Radkreuze bereichert und diente als Unterbau der später er -
rich te ten, inzwischen verschwun de nen Maria-Magdalenen-Kapelle auf
dem heu tigen Stephansplatz. Sie wurde ab dem 14. Jh. u. a. als Gruft und
An dachts raum ei ner reichen Kauf manns familie ge nutzt und birgt einen
Altar zu Eh ren ihres hei li gen Namenspatrons. Nach jahrelanger
Restaurierung ist der Sakralbau, der nicht zuletzt durch sei ne Lage mitten
im öffentlichen Ver kehrs getriebe fas zi niert und beim Um bau um eine
kleine Aus stellung über das mittelalterliche Wien sowie eine neu gestaltete
Ein gangs zone auf ge wer tet wurde, wieder eine „begehbare Se hens -
würdigkeit“ (Di-So 10-18 Uhr, 5 €).
Sakrale (Bau-)Kunst
St. Stephan
Der Grundriss von St. Ste phan gliedert sich in das Lang haus, den Alber ti -
ni schen Chor , den Süd- und Nord turm sowie die jeweils von klei nen Ka -
pellen flankierten West türme rechts und links vom Haupt por tal
( Riesentor). Sei ne Bau ge schich te beginnt 1137. In je nem Jahr wurde der
Grundstein für die 1147 geweihte und 1170 fertigge stell te Ste phans kirche
gelegt, die jedoch erst 1469 zur Kathedrale avancieren soll te. Von die sem
ersten Bau sind al lein die Erd ge schossbereiche der West tür me üb rig
geblieben. Ihre heu tige Ge stalt nah men Riesentor und Türme, die üb ri gens
zunächst nach dem Ba ben ber ger Hein rich II. „Hein richs-“, später „Hei -
den-“ und erst im 18. Jh. „ West tür me“ ge nannt wurden, erst zwischen
1240 und 1263 an.
1304 gab der Habsburger Albrecht I. den nächsten großen Ausbau der Kir -
che in Auf trag, indem er das damals noch ro ma nisch gestaltete Langhaus
um den 1340 eingeweihten Albertini schen Chor er weitern ließ. Der setzte
in sofern Maß stä be, als Rudolf IV . 1359 an ordnete, das Lang haus im
gotischen Stil umzubauen, der Breite des Alber ti ni schen Chores an zu -
passen und mit zwei seitlichen Por ta len (Bischofs- und Sin gerportal) zu
ver se hen. Außer dem ließ er den beiden West türmen jeweils ei ne kleine
Kapelle (die Valentins- und die Bartholomäuskapelle) zur Seite stel len und
ver anlasste den Bau des Süd turms. Nach dem der bis 1433 zu sei ner statt li -
chen Länge von 137 m in den Himmel hin auf gewachsen war, wur de 1450
der Grund stein für einen zwei ten Turm an der Nordflanke der Kirche ge -
legt. Der soll te sich freilich nie mit sei nem „gro ßen Bruder“ messen kön -
nen, weil sein Aus bau einige Jahrzehnte spä ter einge stellt wurde, worauf
der Tor so in den 1550er Jahren eine kup pel ver zier te Kro ne erhielt. Neben
dem Nord turm be fin det sich die Ka pis tran kan zel, die ih ren Na men dem
ita lie ni schen Fran zis ka ne rmönch Ca pis tranus ver dankt, der die Wie ner
von dort aus 1451 zum Kreuz zug gegen die un gläu bi gen Os ma nen aufrief.
Der Steffl spiegelt sich im Haas-Haus
Seine charakteristisch gemusterten, mit far bigen Glasurziegeln gedeckten
Dä cher erhielten die Domschiffe im ausge hen den 15. Jh., während der dop -
pelköp fi ge Kai seradler erst seit 1831 auf dem Dach des Albertinischen Cho -
res flat tert. Weil Brän de, Erdbeben, Kriegs- und Um welt schäden dem im -
po santen Bau werk seit her übel mit spiel(t)en, ist vie les nicht mehr im Ori -
gi nalzustand er halten und auf wendig restauriert wor den, was die Fas -
zination der stetig be stands si chernd bear bei te ten mo nu men ta len Ka -
thedrale jedoch nicht schmä lert.
Dass sie auch in ihrem Innern durch eine feierliche Atmosphäre,
zahlreiche ge stalterische Details und sakrale Kunst werke zu beeindrucken
vermag, ver steht sich fast von selbst. Be son de re Be achtung verdienen die
Kanzel (1514/15) und der Orgelfuß (1513), de ren fi gu rative Elemente der
spät go ti sche Bild hauer Anton Pilgram mo del liert und da bei jeweils seine
eigene Por t rät büs te integriert hat. Ebenfalls im Lang haus sind eine
gemalte „Dienst bo ten ma don na“ oder das von Ulrich Auer in den Jahren
1476-1481 ge fer tig te Tauf be cken aus rotem Salz bur ger Mar mor zu be -
staunen. Im Al ber ti ni schen Chor fal len das von Ni klas Gerhaert van Ley -
den dekorierte Grab mal Fried richs III. und der Wie ner Neu städter Altar ins
Au ge.
Weitere Sehenswürdigkeiten warten im Nord turm, wo eine riesige, nur zu
be son deren Anlässen bewegte, 20 Ton nen schwe re, frei schwingende
Glocke (Pum merin) hängt, und in den Kata kom ben der Kathedrale. Dort
kann man den Sar kophagen Rudolfs IV . und sei ner Ehe frau oder den
Gräbern der Dom herren die Aufwartung machen und die Urnen sehen, in
denen die sterb lichen Über res te der frühen Habs bur ger - mit Aus nah me
der in der Au gus ti ner kir che ge son dert auf be wahr ten Her zen - de po niert
sind. Den nach hal tigs ten Ein druck hin ter las sen aber die von Straf gefange -
nen platz sparend auf ge türm ten Kno chen aus den Grä bern des auf ge lösten
Fried hofs von St. Ste phan, in denen vor nehm lich Pest op fer be stat tet wor -
den wa ren.
Auf der Westempore glänzen die Pre ziosen aus dem Domschatz, den sich
Wiens berühmteste Kirche mit dem ihr benachbarten Dom Museum Wien