Wien Reiseführer Michael Müller Verlag

Annette Krus-Bonazza · Kapitel 231 von 309

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Wien Reiseführer Michael Müller Verlag

Musik und Tanz

Romanen „ Wiener Kreuz weg“ (2017) und „ Wiener Auf er stehung“ (2018)

und (voraussichtlich) im Früh jahr 2019 durch den dritten Band kom plet -

tiert. Pittler schrieb auch Sach bü cher und Krimis und gehört in zwi schen

ebenso zu den literarischen Lo kal ma ta do ren wie der Chansonnier , Schau -

spie ler und Ak tionskünstler An dré Heller , der 2016 mit seinem sehr wie -

nerischen „Buch vom Süden“ sei nen ersten Ro man vor ge legt hat. Nicht zu

verges sen schließlich das En fant ter rible der schrei benden (und frü her

auch „per for men den“) Zunft Her mes Phett berg, der seit 1992 sei ne Ko lum -

ne „Pre digt dienst“ fürs Stadt ma ga zin „Fal ter“ ab lie fert, ob wohl er in zwi -

schen ge sund heit lich schwer an geschlagen und offen bar als Sozial fall

geendet ist.

 

Musik und Tanz

Den Startschuss für die besondere mu sik historische Entwicklung der

Donau stadt gab wiederum Maximilian I., als er 1498 mit der Formation

einer eige nen Hofkapelle eine höfische Tradition und den Ruf Wiens als

„ Welthauptstadt der Musik“ be gründete. In der Hoff nung, für das

habsburgische Hausor ches ter engagiert zu werden, machten sich seither

Musi ker aus ganz Europa auf den Weg nach Wien, wobei anfangs zu nächst

die Ita lie ner im wahrsten Sin ne des Wortes den Ton angaben. Un ter der -

Anleitung von Claudio Mon te verdi, der zu Beginn des 17. Jh. („Or feo“,

1607) mit der Oper eine neue Mu sik gat tung kreiert hatte, und an de rer

nam haf ter italienischer Mu siker hat te die Hof kapelle fortan auf wändig ge -

stal tete Ba rock opern zu in s zenieren. An lässlich der Vermählung von

Leopold I. wurde da für eigens ein hof internes Opernhaus mit 5.000 Plät zen

gebaut. Es eröffnete 1667 mit der Ur aufführung der von Marc Antonio Ces -

ti kompo nier ten Oper „Il po mo d’oro“, der viele wei tere trium phal ge feierte

ita lie nische Opern vor stel lungen folgten.

Wiener Wohlklang

 

 

Nachdem das Musiktheater im Zuge der Zweiten Türkenbelagerung zer -

stört, 1709 durch das Kärnt ner tor the a ter er setzt und 1741 um die Sing büh -

ne des frü hen Burgtheaters er gänzt wor den war , machten erstmals

deutsch spra chi ge Ta lente von sich re den und hö ren. Eines der ersten war

Christoph Wil li bald Gluck, der 1754 dauerhaft nach Wien gezogen war und

dort in den fol genden zwei Jahr zehnten seine Re form opern (z. B. „Or pheus

und Eu ry di ke“, 1762 oder „Al ceste“, 1767) prä sen tierte. Ob gleich die se

Werke da mals nur mä ßi gen Er folg er zielten, soll ten sie gro ßen Ein fluss auf

die sog. Erste Schu le der Wie ner Klas sik neh men. Deren be rühm tes ter

Ver treter war Wolfgang Ama deus Mo zart, der 1781 von Salz burg nach

Wien über sie delte, um sich dort als frei er Kom ponist zu verdingen. Nicht -

zu letzt, weil der auf ita lienische Opern abon nier te kai ser li che Hof ka pell -

meis ter An to nio Sa lie ri ihn miss trau isch beä ugte, konn te sich Mo zart mit -

sei ner Mu sik in Wien zu Leb zeiten nicht dau er haft durch set zen. Gleich -

wohl feierte das 1787 ge grün de te, sei ner zeit von Text dich ter Ema nuel

Schi ka neder ge lei te te Freihaustheater (spä ter Theater an der Wien) 1791

mit der Ur auf füh rung von Mo zarts „Zau ber flö te“ den ers ten gro ßen Erfolg,

wo bei der Haus herr selbst das Libretto bei steu erte.

Anders als Mozart (gest. 1791) ge noss sein musikalischer Mentor und

Freund Jo seph Haydn (1732-1809) sofort gro ßes Ansehen. Der Schöpfer

der seiner zeit als Kaiser lied veröffentlichten deut schen Na tio nalhymne tat

sich in ers ter Li nie mit Sin fonien, Klavier so na ten und Kom po si tionen für

Streich quar tet te her vor . Die beeinflussten nicht nur das Werk von Mozart,

son dern auch den jun gen Lud wig van Beet hoven, der 1797 vom Rhein an

die Do nau zog und das be rühm te Drei ge stirn der Ersten Schule der Wiener

Klassik kom plet tier te. Als nächs ter Kom po nist von spä te rem Wel t rang be -

trat Franz Schubert die mu sik his to ri sche Büh ne seiner Heimat stadt. Für -

die Kom position seiner Lie der hatte er dem Volk aufs Maul ge schaut und

sich vom zeit genössischen Wiener Lied der Vor stadt heurigen ins pi rieren

lassen. Den noch blieben Schu bert und nach ihm die Romantiker Bruck ner

und Brahms der - wie man es heu te nennen wür de - klas sischen E-Mu sik

verpflich tet. Die war seit Beginn des 19. Jh. nicht mehr dem blaublütigen

Publikum vor be hal ten, sondern in öf fentlichen Kon zer ten ge gen Entgelt zu

goutieren, weil nun auch wohlhabende Bürger als Mä ze ne auf traten. Nach

dem Vorbild Frank reichs und Englands, wo bereits Jahr zehn te zuvor

kommerzielle Kon zert säle ih re Pforten geöffnet hat ten, wur de 1812 die

Gesellschaft der Musikfreunde ge gründet. Der Musik ver ein küm mert sich

bis heute um die Or ga ni sa tion klas sischer Musikveran stal tun gen, zu de -

nen er bis zur Fertig stel lung eines ers ten eigenen Konzert saals in den -

1830 er Jahren in die beiden Hof thea ter, aber auch in Salons, Bade säle und -

Gast häu ser einlud. Angesichts der Nach frage dieses „neuen Marktes“ for -

mier ten sich mehrere klassische Be rufs or chester , da run ter 1842 die be -

rühmten Wie ner Phil harmoniker.

Gleichzeitig wurden immer mehr (Wahl-) Wiener Komponisten von der

leich ten Muse geküsst, sodass die zwei te Hälfte des 19. Jh. als Goldene und

das erste Drittel des 20. Jh. als Sil berne Ope rettenära in die lokale Musik -

ge schich te eingegangen sind. Nachdem Jo sef Lanner und Johann Strauß

Vater den Walzer im Dreivier teltakt „er fun den “ hatten und Franz von

Suppé 1860 mit der Ur aufführung der ersten Wie ner Ope ret te „Das

Pensionat“ debü tiert hat te, er freuten und bewegten Carl Mil lö cker und

Walzerkönig Johann Strauß Sohn die Wiener mit zahlrei chen Ope ret -

tenpremieren und Walzer melodien. Ih nen folgten Franz Léhar, Emmerich

Kál mán und Robert Stolz, de ren welt weit nachklingende Operet ten „Die

Lus tige Witwe“ (Lehár), „Die Csár dás für s tin “ (Kálmán) oder „ Wiener Blut“

( Stolz) die Silberne Ära re prä sen tie ren.

Doch auch am Himmel der „klas si schen E-Musik“ leuchteten seit dem Fin

de Siè cle wieder neue Sterne auf. Als Ers ter brillierte Gustav Mahler, der

als Kom ponist, Dirigent und Direktor der 1869 eingeweihten Hof- und spä -

te ren Staats oper Karriere und als erster Ehe mann der zeitgenössischen

Femme fa ta le Alma Mahler-Werfel von sich reden machte. Seine Lie der

und Sin fo nien schlu gen gleich sam die Brücke zur Zwei ten Wie ner

Schule, für die Arnold Schön berg, Al ban Berg, Ernst Kre nek und Anton

von Webern stehen. Schön berg gilt als Pio nier der Zwölf ton musik, ei ner

neu en Kom po si ti ons tech nik, de rer sich auch Berg und Kre nek be dien ten,-

die dar über hinaus durch den In halt ihrer Opern (z. B. Bergs „ Woz zeck“

und „Lulu“) auffielen.

Als Kreneks Oper „Jonny spielt auf“, in der ein Farbiger die Hauptrolle

spielte, am Silvesterabend des Jahres 1927 in der Wiener Staatsoper

Premiere feierte, sam melten sich Nationalsozialisten und Deut sch -

nationale zu Protest kund ge bun gen. Sie waren die Vorboten der fa ta len

politischen Ent wicklung, die we nig später auch die Mu sik „gleich klin gen“-

und schließlich verstummen ließ. Wäh rend viele Wie ner Musiker und

Kom ponisten von den neuen Macht ha bern in die Flucht ge schlagen oder

gar ins KZ getrieben wur den, (be)hiel ten nam hafte Kollegen, da run ter

Her bert von Karajan, Wilhelm Furt wäng ler oder Franz Léhar , in mehr oder

minder kri ti scher Distanz zum System in Wien oder anderswo im nati onal -

so zia lis ti schen Deutschland die Stellung.

Obgleich Wien nach 1945 keine Kom po nisten von Weltrang mehr her vor -

brach te, konnte es dank seiner tradi tions reichen Musiktheater und Ausbil -

dungs stätten, hochkarätigen Orchester, Chö re und Solisten den Ruf als

Metro po le der klassischen Musik behaupten und sich seit den 1980er

Jahren zudem als Aufführungsort von Musicals (z. B. „Cats“, „Elisabeth“

oder „Phantom der Oper“) profilieren.

Im selben Jahrzehnt setzte der 1957 in Wien geborene und 1998 tödlich

ver un glück te Popsänger und Deutschrap per Hans Hölzel alias Falco zu

seinem ko me tenhaften Aufstieg an. Der pos tum zum Mythos verklärte

Shooting star er o b er te mit Hits wie „Der Kommis sar“ oder „Amadeus“ in

Win deseile die euro pä ischen und sogar die amerika ni schen Charts und

wird in sei ner Hei mat stadt durch regelmä ßige Ge dächt nis feiern geehrt. Zu

den Ver tre tern des Aus tro pop zählen ferner die Lie der ma cher Wolf gang

Ambros, Georg Dan zer (gest. 2007) und Reinhard Fendrich, die be reits in

den 1970er Jahren ihre Kar rie ren starteten und sich 1997 an läss lich einer

Benefiz gala zu guns ten von Ob dach losen zur Grup pe Austria 3 zu sam men -

fanden. Ei gent lich nur für die sen ei nen Abend for miert, tour te das Trio da -

nach mit gro ßem Er folg durch ös ter reichische und deut sche Lande.

Politisch und sozial engagiert ist auch „Al t rocker“ Willi Re setarits (geb.

1948), der im wahr s ten Sinne des Wor tes als In te gra tions figur der Wie ner

Mu sik sze ne gel ten kann. Der als Kurti Ost bahn be kannt gewordene, auch

im li te ra ri schen Fach bewanderte Va ter des 1995 er öffneten Wie ner Inte-

gra tionshauses (für Flüchtlinge) singt und spiel t seit 1969 in unter schied -

lichen For ma tio nen und als So list. Ge sell schafts kri ti sches las sen und

ließen auch der sin gende Uni versal künstler An dré Hel ler , Ma ri an ne Mendt

und das Wie ner Ur ge stein Georg Kreisler ver lauten, der mit seinen sati -

risch-bis si gen Adapti o nen des gu ten al ten Wie ner Lie des (z. B. Tauben

ver giften im Park) jahr zehn telang ei ne treue Fan ge meinde um sich scha -

rte. Eben so wie Kreis ler , der nach gut 30 Jah ren „Exil“ bis zu seinem Tod -

im No vem ber 2011 wie der in Ös terreich (Salz burg) lebte, hat te auch Joe -

Za wi nul 1959 seiner Hei matstadt den Rü cken ge kehrt und in den USA als

Jazz mu si ker Welt kar rie re gemacht. 2004 kam er wieder und eröffnete

einen Club na mens „Joe Za winuls Birdland“, be vor er im Sep tem ber 2007

auf dem Zen tral fried hof sei ne letzte Ruhe fand. Wien wid mete sei nem

großen Sohn einen Park (mit Ge denk stein in Gestalt einer Kla vier tas tatur)

im dritten Ge mein de be zirk Land stra ße, wo Zawinul 1932 als Sohn eines

Ar beiters zur Welt kam und auf wuchs().

Mit der Eröffnung der „Electric Ave nue “ und dem Tanzquartier Wien im

Mu seumsquartier, einigen Techno-Clubs und der Music City inklusive

Elec tronic Music Academy, Pop-Aka demie und ei nem Tanz- und Mu sical -

zen trum in den Simmeringer Ga so me tern hat sich die „ Welt hauptstadt der