Wien Reiseführer Michael Müller Verlag

Annette Krus-Bonazza · Kapitel 56 von 309

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Wien Reiseführer Michael Müller Verlag

Kunsthistorisches und Naturhistorisches Museum

ebenfalls shoppen und Tickets kaufen gehen. Im Palais Epstein, schon

seit 2005 zu Par la ments zwecken genutzt, residiert während der Sanierung

die Parlamentsbibliothek (Mo-Fr 8-16 Uhr). Der ansehnliche Stadtpalazzo

gehörte übrigens einst der erfolgreichen jü dischen Fa bri kanten- und Ban -

kiers fa mi lie Epstein und in te griert eine kleine Ausstellung über die ar chi -

tek to nischen Verdienste des Ju den tums in der Ringstraßenära.

Führungen durchs DemokratieQuartier: Mo-Sa, kostenlos, Termine an o. g.

Infopoints bzw. online zu erfragen, www.parlament.gv.at.

Attraktive Museumszwillinge

 

Kunsthistorisches und Na tur histori -

s ches Museum

Die architektonisch gleich gesichtigen, im Stil der Neo re nais sance

gehaltenen Museums bauten für die kunst- und na tur histori schen Samm -

lungen der Habs bur ger wa ren in te grale Bestand teile von Gottfried Sem -

pers ehr gei zi gem, spä ter ge schrumpf tem Kaiser forums pro jekt. Sie wurden

von dem zeit ge nös sischen Star archi tek ten ent wor fen, in Zusam men ar beit

mit Carl von Ha se n au er zwi schen 1871 und 1881 er baut und wei sen recht -

ecki ge Grund risse, je zwei In nen höfe und fünf fach über kup pel te Mit tel -

bauten auf. In ih rem In nern, das je weils durch im po san te Ein gangs foyers,

pracht volle Trep pen auf gän ge und eine achteckige Kup pel halle be sticht,

setz ten Gustav Klimt und Hans Ma kart den ge konnt ge schwun ge nen Pin -

sel an. Im Stie gen haus des Kunst his to rischen Mu seums ist mit der ko los -

sa len The seus gruppe zu d em ein Meister werk des Bild hauers An tonio Ca -

nova auf gestellt.

Dem 1891 von Kaiser Franz Joseph I. er öffneten Kunsthistorischen

Museum wur de gleichsam die Bedeutung einer sa kralen Weihestätte

beigemessen, was man angesichts der dort gehüteten Kunst schätze

durchaus nachvollziehen kann. In seiner Ehrfurcht einflößenden Ge -

mäldegalerie hängen Werke von Dü rer und Cranach, Bosch, Bruegel, van

Dyck, Vermeer, Rembrandt und Ru bens, von Bellini, Raffael, Tizian und

Tin toretto, um nur einige der gro ßen abend ländischen Maler zu nennen,

die frü her ausschließlich das Auge der Habs burger und heute das aller in -

te res sier ten Wien be sucher erfreuen. Dar über hinaus war tet das Kunst his -

to rische Mu seum mit einer um fang reichen Ägy p tisch-Orien ta li schen Ab -

teilung, ei ner An ti ken sammlung und einem Münz ka bi nett auf. Eine seiner

größ ten At trak tio nen ist die mit mit tel al ter li chen, baro cken und zur Zeit -

der Re nais sance ge fer tig ten Pre ziosen an ge füll te Kunst kammer, die im Fe -

bruar 2013 nach zehn jähriger Schlie ßung ih re Pforten öff nete. Sie gilt als

Wie ge des Mu seums, zählt zum eu ro pä i schen Kul tur erbe und vereint 20

Säle. Von den 2200 zur Schau ge stellten Exponaten sei hier exem pla risch -

nur Benvenuto Cel li nis (1540-1543) kunst voll gold ge schmie dete Sa lie ra

( Salz fass) her vor ge hoben.

Be sichtigungserlebnisse ganz anderer Art offerieren die Abermillionen Ex -

po na te des 1889 eingeweih ten und vor Kur zem generalüberholten Na tur -

his to ri schen Museums. Zu de nen zählen Me teoriten, Fossilien, Ske lette,

Mi ne ra lien und Rohedelsteine so wie Tausende aus gestopfter , konser vier ter

und prä pa rier ter Tiere aller Gat tun gen, Grö ßen ord nungen und Kontinente.

Der be son de re Stolz des Hauses ist die Venus von Wil lendorf, bei der es

sich um eine schon in der Altsteinzeit üppig ge form te, kleine

Frauenskulptur aus Kalkstein han delt, ein Clou der Sauriersaal. Darin

sind authentische Skelette und Fossi lien von Sauriern und Modelle der sel -

ben ver sammelt, wie z. B. ein le bens echt ge stal teter Pteranodon. Außer

die sem Flug saurier, der hier brüllend seine e nor men Flügel schwingt, ver -

an schau li chen Com puteranimationen das Le ben und Ster ben der

gigantischen Er den be woh ner. Ebenfalls dank digitaler Tech nik können im

sog. Fulldome-Pla ne tarium maximal 61 Besucher astro no mischen

Phänomenen auf den Grund ge hen, und der im selben Raum auf ge stellte

„ Vision Globe“ eröffnet einen drei dimensionalen Einblick in die per Touch -

screen individuell aus zu wäh len den Phasen der Erdgeschichte.

Bei de Museen verfügen über ein ele gan tes Café-Restaurant und gut sor -

tier te Museumsshops und bieten regel mä ßig spektakuläre

Sonderausstellungen- und -veran staltungen an. Im bzw . auf dem Natur -

historischen Museum fin den oben drein aussichtsträchtige Dach füh run -

gen statt.

Kunsthistorisches Museum: Di-So 10-18, Do 10-21 Uhr, Juni-Aug. auch Mo, 15 € (inkl.

Museen in der Neuen Burg). Ma ria-Theresien-Platz, Tel. 52524, www.khm.at.

Naturhistorisches Museum: Do-Mo 9-18.30, Mi 9-21 Uhr, Di geschlossen, 12 €, Dach -

füh rung Mi 18.30, So 16 Uhr, 7 €. Burg ring 7, Ein gang Maria-Theresien-Platz, Tel.

52177, www.nhm-wien.ac.at.

 

Naturhistorisches Museum und Zumbusch-Denkmal im Detail

 

Kaffeehausliteraten

„ Im Kaffeehaus wurden literarische Schu len und Stile geboren und verwor fen, vom Kaf feehaus nahmen neue Rich tungen der Malerei, der Musik, der Ar chitektur ih ren Aus gang“, schrieb Fried -rich Torberg (1908-1979), selbst pas sionierter Kaffee haus be sucher, in se i nem „Traktat über das Wiener Kaf fee haus“. Dabei dachte er vor al lem an die Jahrzehnte um die vor letz te Jahr hun -dertwende, als einige be kann te Schrift steller und Journalisten der kai ser li chen Resi denz stadt gleich sam im Kaf fee haus wohnten. Spitzen rei ter hin sicht lich sei ner Verweildauer in ört li chen Kaffee häu sern war Peter Al ten berg (1859-1919), der sich dort laut sei ner viel zi tierten Aus sa ge zwar „nicht da heim, aber doch zu Hause“ fühlte. Al tenberg ist mit seinen zehn Bände fül len den Skizzen, Sprüchen, Versen und Ge schich ten als Ver tre ter des Wie ner Feuil le tonismus in die Lite ra tur ge schich te eingegangen. Des gleichen sei ne ein we nig jün ge ren Zeit genossen Karl Kraus (1874-1936), Egon Frie dell (1878-1938) und Alfred Polgar (1873-1955), mit de nen sich Altenberg re gel mä ßig in ei nem lockeren Lite ra ten zir kel na -mens Jung Wien aus tausch te. Karl Kraus, Jour na list und Li te ra tur kri ti ker, gründete 1899 die Lite -