Wien Reiseführer Michael Müller Verlag

Annette Krus-Bonazza · Kapitel 224 von 309

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Die Zweite Republik

aus ge setzt, die einen großen Teil der his tori schen Bausubstanz, rund ein

Fünf tel des Wohnungsbestandes, Brü cken, Ka nä le, Gas- und Wasserleitun -

gen zer stör ten und mehrere Tausend Men schen das Leben kosteten. Noch

weit mehr Op fer hatte der antifaschisti sche Wi der stand zu beklagen, der

sich erst re lativ spät organisiert und an fangs vor nehm lich in der

Alpenregion agiert hat te. Insgesamt wurden über 35.300 Men schen -

hingerichtet oder in Kon zen t ra ti ons lagern ermordet.

 

Die Zweite Republik

Nach dem Vordringen sowjetischer Trup pen Anfang April 1945 kontrol lier -

te die Rote Armee die Stadt, bis sie im Sep t ember 1945 in vier alliierte Be -

sat zungs zonen aufgeteilt und von Rus sen, Ame rikanern, Engländern und

Fran zo sen gemeinsam verwaltet wurde. Die un ter der Nazi-Diktatur dem

Gau Groß-Wien zugeschlagenen Gemein den des Um lan des wurden 1946

wieder aus dem städ ti schen Gefüge heraus ge löst und dem sow jetisch

besetzten Nie der ös ter reich zu geordnet.

Wäh rend der bis Mai 1955 andauern den alliierten Besatzung wurde die

1945 von Dr . Karl Renner ausgerufene Zwei te Republik Österreich von

Koaliti ons re gierungen aus SPÖ (So zial de mo kra ti sche Partei Österreichs)

und ÖVP (Ös ter reichische Volkspartei), der nach dem Krieg gegründeten

Nachfolgeorga ni sa tion der Christlichsozialen, und an fangs auch der KPÖ

getragen.

Die Wie ner Stadtverwaltung war wie der so zial de mo kratisch majorisiert

und be schäftigte sich bis in die 1960er Jahre hin ein vornehmlich mit dem

Wie der auf bau der zerbombten Stadt. Dem Ver lust von ca. 80.000 Wohnun -

gen wur de in den ersten Nachkriegsjah ren vor nehm lich durch

Lückenverbau ung im zer bomb ten Stadtkern begeg net, so dass der „Ring -

turm “, ein in der ersten Hälfte der 1950er Jahre erbauter Wol ken krat zer am

Franz-Joseph-Kai, ei ner der we ni gen modernen Akzente der Wie der auf -

bauphase blieb.

Mit dem „Österreichischen Staatsver trag“ vom 15. Mai 1955 erlangte das

nun mehr zur außenpolitischen Neu tra li tät verpflichtete Land wieder volle

staat liche Souveränität, worauf ein wirt schaft licher Aufschwung folgte.

Der nun auch aus Bundesmitteln finan zier te Wie ner Wohnungsbau wurde

vo ran getrieben und es entstanden neue Sied lungen in den Außenbezirken,

so dass bis heute 500.000 Menschen in ins ge samt 220.000 Woh nun gen in

gut 2000 Gemeindebauten zu Hau se sind. Der zu nehmenden Mo tori sie -

rung tru gen die Wiener Ver kehrs pla ner zu nächst mit der Aus wei tung des

Stra ßennetzes Rechnung. Weil da bei oft als weniger spekta kulär ein ge stuf -

te his to ri sche Bau substanz der Ab ris s birne zum Op fer fiel, hagelte es Pro -

teste, wo rauf man sich seit den frü hen 1960er Jah ren stär ker auf den Aus -

bau des öf fent lichen Nah verkehrs be sann und 1966 der Be schluss zum Bau

ei ner U-Bahn fiel.

 

Hommage an die Rote Armee