Fechsung

Peter Altenberg · Kapitel 135 von 204

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Fechsung

Über die Anständigkeit

 

Das mit der Anständigkeit ist auch so eine Sache! Es haben nämlich b e i d e Teile anständig zu sein, in g l e i c h e r Art und Weise. Sonst kommt einer der Teile zu kurz dabei. Und d a s ist unanständig. Weil es s c h w ä c h t ! Alles, was s c h w ä c h t , ist u n a n s t ä n d i g , sowohl von seiten desjenigen, der schwächt, als auch g a n z b e s o n d e r s von seiten desjenigen, der sich schwächen l ä ß t ! Denn das ist dumm, inferior, und daher e b e n f a l l s unanständig! Ich habe n u r anständig zu sein dem w i r k l i c h Anständigen gegenüber! Sonst ist K r i e g s z e i t d e r S e e l e!

Man muß Buch führen über alle Anständigkeiten und alle Unanständigkeiten seiner Nebenmenschen, sowohl Völker, Staaten, als auch einzelne, sogar sogenannte Liebespaare, eine gerecht reinliche wahrhaftige Buchführung! Um nicht in seelischen oder anderen Bankrott zu geraten und Konkurs ansagen zu müssen seiner für den Kampf ums Dasein notwendigen L e b e n s e n e r g i e n ! Ich kannte einen Mann, der zwei Jahre lang „Buch“ führte über alle Gemeinheiten, vor allem u n n ö t i g e n Grausamkeiten seiner süßen Geliebten. Eines Abends las er ihr ruhig und gemessen eine Stunde lang das ganze Register vor, und schmiß sie hinaus!

Sie sagte weinend: „Hätt’st mir dös früher g’sagt, hätt’st es nicht anwachsen lassen!“

„Ich?! Nein, d u !“