Fechsung
Splitter
Wenn eine Frau keine s e x u e l l - ä s t h e t i s c h e A n z i e h u n g s k r a f t mehr hat, muß man v o n G l ü c k s a g e n, wenn sie keine V e r b r e c h e r i n wird, aus R a n k ü n e gegen das a n g e b l i c h u n v e r d i e n t e Schicksal. Es wäre denn, daß sie gute, zarte, nahrhafte Suppen kochen und Leinenlöcher nett ausflicken kann! Das versöhnt sie wieder ein bißchen mit dem harten Schicksal! „Z u i r g e n d e t w a s bin ich ja doch noch zu g e b r a u c h e n !“
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„Mein Herr, was haben Sie Ihrer wunderbaren zarten Frau zu bieten?! Ihren Größenwahn, an den sie g l a u b e n muß, weil Sie ihr zu fressen geben!? I c h habe ihr zu bieten mein zärtlichstes G e d e n k e n bei Tag und Nacht. Bei mir muß sie a n n i c h t s glauben, und sie glaubt und sie weiß d e n n o c h ! Sie weiß, daß ich bei der Berührung ihrer geliebten Finger vergehen, ja z e r f l i e ß e n würde vor Seligkeit, und daß S i e die Inanspruchnahme ihres ganzen Organismus nur als eine selbstverständliche erfüllte Verpflichtung spüren! Sie können also nicht mit mir konkurrieren, außer ich käme in eine ebenso fatal-tragische Situation! Da sei aber Gott vor! Es ist süßer, vom ‚Haupttreffer‘ zu träumen als ihn zu machen!“
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Ich hasse natürlich häßliche, breite, aber wohlgepflegte manikürte Hände! Diesen elenden feigen Versuch, das Schicksal mit drei Kronen zu versöhnen, ja besiegen zu wollen! Infolgedessen empfinde ich eine fast mystische Rührung für ideal-aristokratisch-zarte Hände, die schmutzig sind, ungepflegt und sogar schmutzige Nägel haben! Es erinnert mich an Meister Bruckner, der zwar g ö t t l i c h e Sinfonien erträumt hat, aber mit den Fingern in die Kalbsgulaschschüssel öffentlich griff! Gottb e g n a d e t e haben es eben n i c h t n ö t i g , die Bourgeoisie n i c h t zu kränken!
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Auch einen Hund bezieht man meistens in seine s o n s t i g e n G e m e i n s a m k e i t e n noch ein, der fürs Fressen den ganzen Tag liebwedelt und treu ist! Interessanter wäre natürlich eine hellgrau-weiße, anmutige, schmiegsame große treulose Katze; aber, siehe, man will „a n g e w e d e l t “ werden, man will es g e n i e ß e n , daß jemand s i c h t l i c h freudig bewegt ist, wenn man nach Hause kommt, und s i c h t l i c h verzweifelt, wenn man weggeht! „Gott, mein Hund hat sich so g e k r ä n k t , daß ich ihn heute zu Hause gelassen habe! Desto größer die F r e u d e , wenn er mich w i e d e r s e h e n wird!“ Prosit! Wenn er nur nicht hingewischerlt hat vor lauter Sehnsucht!
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„Peter, wie g’fallt Ihnen mein neuer g’scheckerter Pelz?! Und gar net teuer, vierhundert Kronen!“
„Er gefällt mir sehr gut. Aber weshalb hängt er a n I h n e n?! Am l e b e n d i g e n T i e r e ist er h e r r l i c h . Oder irgendwo als Te p p i c h . Soll er etwas v e r s t e c k e n h e l f e n, was n i c h t s c h ö n ist?! Das wollen wir n i c h t h o f f e n. Und sonst gegen Kälte tuts ein e d e l - w e i c h e r F l a n e l l auch! Ah, Sie wollen vielleicht b e w e i s e n , daß Sie bei Herrn v. G. A n w e r t haben, der ihn gekauft hat?! Das glauben wir ja sowieso, da müßt er ja keine Augen im Kopf haben. Außerdem aber — die eitle B l ö d h e i t d e r M ä n n e r ist k e i n Beweis für die S c h ö n h e i t d e r F r a u e n!“