Fechsung
Gymnasium
Ordinarius der zweiten Gymnasialklasse an den reichen Vater eines elfjährigen Söhnchens, das bereits fabelhaft auf der Violine Mozart, Haydn spielt:
„Sehr geehrter Herr Kommerzialrat, falls es Ihnen Ihre kostbare Zeit gestattet, erbitte ich mir dringend im Interesse Ihres Herrn Sohnes eine Unterredung!“
Unterredung:
„Könnten Herr Kommerzialrat, bei Ihrer Vorbildung, nicht mit ihm selber die Verba auf mi durchstudieren?! Ein Vater ist eben stets doch noch eine tiefere Autorität als ein armer Lehrer!“
„Herr Professor, ich will Ihren Lieblingswunsch also erfüllen. Ich habe von ganz klein angefangen, da weiß ich also doppelt den Wert der V e r b a a u f m i zu schätzen!“
Ich begreife es nicht, wieso man nicht v o r a l l e m einen Weltkrieg führt gegen die toten, wirklich t o t e n Sprachen!? Solange man sie mühselig erlernt, kann man die Schönheit der Klassiker noch nicht erfassen. Und später findet man, daß Tolstoi, Hamsun, Gorki, Tschechow, Strindberg viel w i c h t i g e r sind, um das L e b e n in seinen geheimnisvollen Tiefen kennen zu lernen!
Wir haben nur eine gewisse Summe von Lebensspannkräften, vitalen Energien! Was davon in den acht Jahren Gymnasium v e r g e u d e t w i r d, würde a u s r e i c h e n , jeden für die ganze übrige Zeit zum G e n i e zu machen!