Fechsung
(Goethe!) Hermann und Dorothea
(GOETHE!) HERMANN UND
DOROTHEA
Extrakt
D e r V a t e r
Rief ihm nach: „So gehe nur hin! Ich kenne den Trotzkopf! Geh und führe fortan die Wirtschaft, daß ich nicht schelte; aber denke nur nicht, du wolltest ein bäurisches Mädchen je mir bringen ins Haus als Schwiegertochter, die Trulle! Lange hab ich gelebt und weiß mit Menschen zu handeln, weiß zu bewirten die Herren und Frauen, daß sie zufrieden von mir weggehn; ich weiß den Fremden gefällig zu schmeicheln. Aber so soll mir denn auch ein Schwiegertöchterchen endlich wiederbegegnen und so mir die viele Mühe versüßen! Spielen soll sie mir auch das Klavier, es sollen die schönsten, besten Leute der Stadt sich mit Vergnügen versammeln, wie es Sonntags geschieht im Hause des Nachbars.“ Da drückte leise der Sohn auf die Klinke, und so verließ er die Stube.
D i e M u t t e r:
„Wenn die Stunde nicht kommt, die rechte, wenn nicht das rechte Mädchen zur Stunde sich zeigt, so bleibt das Wählen im Weiten, und es wirket die Furcht, die Falsche zu greifen, am meisten. Soll ich dir sagen, mein Sohn, so hast du, ich glaube, gewählet, denn dein Herz ist getroffen und mehr als gewöhnlich empfindlich. Sag es gerad nur heraus, denn mir schon sagt es die Seele: Jenes Mädchen ist’s, das vertriebne, die du gewählt hast.“