Fechsung
La Rampa
(Sizilianische Szene)
Der vollständig gelähmte alte Mann kauert hilflos in einem Lehnstuhl. Eine Treppe mit Geländer (La rampa) führt in den Weinkeller. Nach einigen Minuten L a u t l o s i g k e i t erscheint die junge w u n d e r b a r schöne Schwiegertochter: „Ah, Schwiegerväterchen, bonsoir, wie gut du ausschaust! Nun freilich, bei d i e s e r zärtlichen Pflege deines Herrn Sohnes! M i c h freilich pflegt er n i c h t s o g u t! Aber brauche ich i h n , ich habe a n d e r e ! No, das weißt du ja, mein süßes Alterchen, v o r d i r mache ich keine G e h e i m n i s s e , das wäre ja eine Familiensünde, besonders da du, Armer, doch gelähmt bist und nichts a u s t r a t s c h e n kannst! Gleich wird dein zärtlichster Sohn, mein G a t t e , dir aus dem Weinkeller deinen Lieblingstrank zur Jause bringen, der dich immerfort l e i d e r am Leben erhält! Hörst du ihn, gleich wird er da sein, dem d u die Zärtlichkeiten w e g s t i e h l s t , die m i r dann f e h l e n ?!“
Später beredet sie dann in Gegenwart des gelähmten Alten ihren L i e b h a b e r , die Kellerstiege h a l b a n z u s ä g e n, wo der Gatte den geliebten Labetrunk dem Vater holt. Der Gatte stürzt sich zu Tode, da erhebt sich der Alte kerzengerade, umspannt mit stählernen Fingern den Hals der höhnenden wunderbar schönen Schwiegertochter, bis sie e r w ü r g t ist! Der Vorhang fällt.