Fechsung

Peter Altenberg · Kapitel 91 von 204

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Fechsung

Gedicht

 

Wie ich zu Tode quäle eine liebevolle Seele,

wenn ihre Hülle „Leib“ nicht meinem Ideal entspricht — — —! Wie stell’ ich’s aber an, daß ich das „Edlere“ wähle?!? Mein Wächter „Auge“ gestattet es mir nicht!

Er sagt: „Man täuschet dich; die beste Seele

Kann eben nur im besten Leib gedeihn!

Und nur weil Christus vollkommen schön gewesen, konnt sich sein Herz der ganzen Menschheit weihn! Voll innerer Sanftmut ist nur das schönste Wesen; es dankt dem Schöpfer gleichsam ewig für seine Gnad’ auf Erden — — —, in ihrem verborgensten Blick kannst du es lesen: ‚Ich bin von Ihm v e r p f l i c h t e t worden, g u t zu werden!‘ Gott ähnlich werden ist j e d e m benommen, der nicht d i e G l i e d e r dazu mitbekommen! Nur vom v o l l e n d e t s c h ö n e n Menschen fordre ich Hirn und Herz — — — Er fliege, gottbegnadet, himmelwärts!

Er sei gerecht, allgütig und allweise — — —

Und er allein stört mir nicht meine Kreise,

daß der Mensch engelrein werden könne in absehbarer Zeit! Von den anderen aber verlang ich n u r , daß sie sich betrachten als mißlungene Exemplare der Ideale erträumenden

Natur!“