Fechsung

Peter Altenberg · Kapitel 178 von 204

PDF-Seiten

Fechsung

Bekenntnis einer Schönen Seele

BEKENNTNIS EINER SCHÖNEN

 

SEELE

 

„Ich bin sehr, sehr schön. In meiner grauen Samtkappe mit der dicken grünen seidenen Troddel, die über meine aschblonden Schläfenhaare herabbaumelt, sehe ich direkt aus wie — — —. Nun, was bedeuten Vergleiche, alte Bilder, vergilbte Namen, da man doch Gott sei Dank noch ein l e b e n d i g e s K u n s t w e r k ist!?! Aber e t w a s fehlt mir, was j e d e hübsche armselige Hure voraus hat. Man a n e r k e n n t mich, aber ich erwecke keine bösen teuflischen Instinkte, das einzige, was durcheinander bringt und alle besiegt! Ich bin i n n e r l i c h s t zu anständig, das heißt, ich habe nicht mehr die perfide Lebenskraft der Schlange, des Salamanders, des Regenwurmes!

Ich bin e d e l - f e i g !

Wenn man mich t r i t t , fühle ich mich g e t r e t e n ! Und das ist falsch. Da triumphieren die T r e t e r ! Trotz meiner bezwingenden Schönheit ist noch etwas in mir, das m i c h bezwingt! Das sollte nicht sein. Ich bin das Opfer von einem S t ü c k c h e n S e e l e, das mich ewig stört, verhindert! Man sagt mir zwar: ‚Du wirst a u c h noch einen finden, den gerade d a s interessiert!‘ Gott, hoffentlich. Weshalb soll man denn auch gerade d a r a n Schiffbruch leiden, was an einem sogenannt noch Besseres ist?!?“