Fechsung

Peter Altenberg · Kapitel 62 von 204

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Fechsung

Dora 1

 

In tiefe Freundschaft, Rücksicht, Fürsorge, war

ich eingebettet, e i n g e l u l l t ; nein, eingekerkert!

Um als Undankbarer nicht zu gelten mußt ich kuschen! Ein H u n d d e r D a n k b a r k e i t!

Nun drang mir in meine Kerkermauern ein heller

Ruf: „Ich heiße D o r a ! Und ich verdanke Ihren Büchern a l l e s !“

Ich lauschte diesem adeligen Ruf,

der noch s o f r e i k l a n g von dem Druck persönlichen Empfindens! Sie gab noch nichts, sie wollte noch nichts geben, und hatte schon e m p f a n g e n und g e n o s s e n ! Sie war noch u n e n t t ä u s c h t ! Sie hatte die Glatze

noch nicht gesehn und die verhärmten Züge — — —.

Sie wußte noch nicht, daß man wegen fünfzig Mark,

die der Simplizissimus einem als Monatsgage kürzlich entzogen hatte,

in sich zusammenstürzen könne und zerfallen,

greisenhaft-zaghaft werden könne über Nacht!

Sie konnte noch den R a h m a b s c h ö p f e n einer Menschenseele, und die wässerig-fade Milch w e g s c h ü t t e n ! Eine Lebensk ü n s t l e r i n !

Sie konnte noch a u s F e r n e n schreiben: „Ich heiße D o r a und verdanke Ihren Büchern a l l e s !“ Es klang ein heller fremder lichter Ruf

in meine Kerkermauern der A l l t ä g l i c h k e i t !