Fechsung

Peter Altenberg · Kapitel 45 von 204

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Fechsung

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Wir sind nicht a r m s e l i g genug, um ununterbrochen den Segen der Sonne, des zeitlich Aufstehens und des geordneten Lebenswandels genießen zu können!

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Eine Sache ist n i c h t so, wie sie a u s g e s p r o c h e n , sondern s o , wie sie g e h ö r t wird!

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Eine Dame sagte zu mir: „Pathologisch?! A l l e s ist doch pathologisch, was w i r k l i c h t i e f sitzt!“

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Jeder Mensch rächt sich an dem anderen für das, was an ihm selber u n z u l ä n g l i c h e r ist! Der Dicke an dem D ü n n e n , der Rohe an dem S a n f t e n , der Langnasige an dem S t u m p f n a s i g e n , der Krummrückige an dem G e r a d r ü c k i g e n ! Und die Frau?! Die rächt sich ü b e r h a u p t ! An dem Mann, daß sie e i n e F r a u ist! Sie muß m., sie muß g., sie muß alt werden und schiech — — — „na wart, Kerl, das sollst du mir büßen!“

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Viele Männer wissen es ganz genau, daß sie t i e f u n t e r ihren Frauen stehen. Deshalb stellen sie sich in Gesellschaft absichtlich ü b e r s i e: „Was hat das dumme Mädi da wieder zusammengeplaudert?!“ Das dumme Mädi denkt: „Du armer Esel!“

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Ein geschmackvoll gefaßter Chrysopras ist schöner als ein hundertmal wertvollerer, geschmacklos gefaßter Diamant! Wenn du eine Dame findest, die d e r s e l b e n Ansicht ist, so h e i r a t e sie auf der Stelle. Aber du wirst ledig bleiben!

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„Je mehr man uns v e r w ö h n t , desto weniger ‚c h r i s t l i c h ‘ werden wir, demütig-bescheiden. Daher ist es ‚u n c h r i s t l i c h ‘, uns zu v e r w ö h n e n !“

Ich habe Perlmutterknöpfe gesehen zu e i n e r Krone, die schöner, leuchtender waren als Perlen zu t a u s e n d Kronen. S o w e i t muß man es bringen! So weit vor allem muß man die F r a u e n bringen, diese geborenen S n o b s !

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Deine Haare seien, o Frau, dein schönster apartester Hut! Sie sind schöner als die Federn des unglückseligen Edelreihers, des geplünderten Paradiesvogels und des gerupften Straußes!

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Wenn ein Mann dir nur m i t G e l d seine Verehrung beweisen kann, so mußt du zu „Schwartz und Steiner“ rennen, seinen Schmuck e i n s c h ä t z e n lassen! Freilich kann er früher dort gewesen sein und gesagt haben: „Sagen Sie der Gans 3000!“

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„Alle Männer sagen mir, daß sie mich schrecklich liebhaben. Aber ich glaube nicht daran. Weil ich an meiner e i g e n e n W i r k u n g s k r a f t zweifle. Krankenpflegerinnen z w e i f e l n n i e d a r a n, daß der Kranke sie liebhabe und an ihnen hänge!“

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„Ich komme immer wieder doch zu dir zurück!“ sagte die Dame zu dem Idioten.

„Ich wünsche mir nicht mehr!“ erwiderte der Weise.

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An einer Frau h ä n g e n !? Freilich, man hat dabei etwas wenig Luft und ist dem Ersticken nahe!

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„Wir v e r d e r b e n e s u n s mit so vielen Männern wegen Kleinigkeiten, unnötiger Grausamkeiten, Wartenlassen, gelangweilter Mienen, ungezogener Bemerkungen. Aber dadurch erfahren wir es andererseits, wer sich durch nichts a b s c h r e c k e n lasse, uns zu lieben!“

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Je weniger Aschenschalen du in deinem Zimmer aufstellst, desto weniger v e r z w e i f e l t wirst du sein, wenn deine Gäste die Asche d e n n o c h wo anders abstreifen. Stelle g a r k e i n e a u f, damit du die Beruhigung habest, es sei d e i n e Schuld!

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Eine Lebenskünstlerin. Eine junge Schönheit, der ich eine silberne Tabatiere mit i h r e m von mir geschriebenen Namenszuge schenkte, sagte allen Herren: „Schaut’s, die hat mir der Baron Wolff g’schenkt. Was, nett?!“ Eine erboste Kollegin sagte ihr, es sei die Handschrift des Peter Altenberg, sie kenne sie. Da sagte sie: „Wann der s o schreiben könnt!“

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Ich stehe jetzt immer vor einer Delikatessenhandlung und betrachte die französische, fast runde, lederbraune Birne „Madame Lavallière“, vier Kronen, die ich einst einer bestimmten Dame schenken wollte. Wenn ich denke, daß ich mich hätte h i n r e i ß e n lassen, sie ihr zu schenken!? Es gibt noch b e f r e i e n d e Augenblicke. Jeden Tag stelle ich mich vor die Birne hin!

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Ich habe es zwar s c h o n e i n m a l geschrieben, aber die Menschheit scheint es vergessen zu haben: „N i c h t um die Geliebte weine, die du v e r l o r e n , um d i e weine, die dir g e b l i e b e n ist!“

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„Das Leben i s t e b e n nicht anders!“ sagte das Kaninchen, als es von der Riesenschlange lebendig langsam verschluckt wurde. Dann steckte es resigniert noch den Kopf heraus und seufzte: „Frau Schlange, wenn ich Ihnen nur schmeck!“

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Bei der Begrüßung von Menschen im Café, Restaurant usw. glaubt man es momentan an den Gesichtern abzulesen, daß sie füreinander ins Feuer gehen möchten; aber bei den ersten ausgeborgten fünfzig Kronen spießt es sich mit dem Feuer.

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Wasser ist das Ideal aller Getränke; man kann es nur g e n i e ß e n , wenn man nämlich w i r k l i c h durstig ist; dann aber mit H o c h g e n u ß !

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Ich habe immer bemerkt, wenn jemand einem eine schreckliche Komplikation seines Lebens mitzuteilen die Ehre tut, man intensiv auf seine Schuhe schaut und denkt: „Man kann eigentlich doch nur bei Herring arbeiten lassen!“

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Als die „Graphologische Ecke“ mir etwas U n g ü n s t i g e s schrieb, sagten alle Freunde: „Siehst du, Peter?!“

Als sie mir etwas G ü n s t i g e s schrieb, sagten alle: „Jeder kennt deine Handschrift! Diese Schlaumeier!“

„Das ist eine G e m e i n h e i t !“ sagte daraufhin das Fräulein B. mit den goldroten Haaren.

„Was ist eine G e m e i n h e i t ?! Daß Peter s o berühmt ist, daß alle seine Handschrift k e n n e n ?!“

„Nein, d a s nicht...“

„Also was d e n n , w a s , w a s?!“

Da wurde sie ganz rot, verlegen und glaubte selbst, daß s i e im Unrecht sei!

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Ich war in „Venedig“ in berühmten alten Palazzi, in denen ich n i c h t e i n e n Ta g l a n g leben könnte. Dann war ich in einem Kuhstall, da roch es wunderbar, und von dem Plafond hingen keine Kristallglas-Lüster herunter!

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Es gibt Frauen, denen man nicht einmal ein Kalbsgulasch zahlen möchte, und solche, für die man Wechsel fälschen möchte. Aber solche, denen man einfach sagte, so viel habe ich, so viel kann ich entbehren, gibt es nicht! Die „Ordnung“ macht ihnen keinen S p a ß ! Ihm oder ihr?! B e i d e n !

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Être e n f i n arrivé?! Mais c’est de très mauvaise race! Il faut être arrivé a u j o u r d e s a n a i s s a n c e!

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„Ich freue mich, daß ihr bürgerlichen Damen jetzt schon mit dieser genialen Tänzerin E. aus dem ‚Palais de danse‘ verkehrt!“

„O pardon, w i r freuen uns, daß sie m i t u n s verkehrt!“

„Ich hab ja meinen Mann schrecklich gern, selbstverständlich, aber wenn wir noch einmal auf die Welt kommen sollten, d e n nehm ich mir nicht mehr!“

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Die Biene ist das G e n i e unter den W o h n u n g s e r b a u e r n . Möchten Sie aber gern mit ihr deshalb e i n L e b e n v e r b r i n g e n?! Es gibt aber Frauen, die mit g e n i a l e n W o h n u n g s e r b a u e r n gern ein Leben v e r b r i n g e n möchten!