Fechsung

Peter Altenberg · Kapitel 138 von 204

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Fechsung

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Wollen Sie Liebe?! Nein, V e r s t ä n d n i s !

Wollen Sie Freundschaft?! Nein, G e r e c h t i g k e i t !

Weshalb?! Weshalb n u r das?!

Weil ich mich r ü h m e , daß aus V e r s t ä n d n i s und G e r e c h t i g k e i t von selbst Liebe und Freundschaft a l l m ä h l i c h erblühen werden!

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Hungern, hungern, wenn man weiß, man wird d a n n fein zu essen bekommen, ein G l ü c k ! Essen, essen, wenn man ausgehungert ist, ein Glück, ein Glück! Aber gegessen h a b e n , s a t t sein, ein U n g l ü c k ! In d i e s e r Situation befinden sich alle Glücklichen! Daher sind sie u n g l ü c k l i c h !

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Die Leute, die Geld haben, rechnen mir nach, daß ich, ohne Geld, dennoch g l ü c k l i c h e r lebe als sie! Das ist unrichtig; aber m i t ihrem Gelde würde ich allerdings g l ü c k l i c h e r leben!

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Wie kann man sich an Austern je s a t t essen?! Nach e i n e m Dutzend hört man eben auf, um sich w e i t e r nach einem zweiten Dutzend s e h n e n zu dürfen!

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Vom Weib befreit, wirst du ein H e l d ! Vom Weib befreit, wirst du ein W e i s e r ! Vom Weib befreit, wirst du ein H e r r !

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Die M o d e — — — das heißt für den a n s t ä n d i g e n e h r l i c h e n Denker: H y g i e n e ! Seid s p l i t t e r n a c k t unter euren Röcken! Seidene Socken, keine Höschen! Dem Wind, der Feuchtigkeit, Hitze und Kälte ausgesetzt! S t a u b kann man wegwaschen, nicht aber die V e r w e i c h l i c h u n g !

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Mir sagte jemand: „Reden Sie mir nicht ab von meinen gefährlichen Kletterturen! Wenn ich d a s nicht mach, so mach ich arme unglückliche Mädchen — — — unglücklich! Irgend etwas Aufregendes, Himmelsakrament, muß geschehen!“ „A la bonheur!“ sagte ich, „da d e r s t e s s e n S’ Ihnen lieber!“

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Man tut den Ärzten unrecht. Sie hätten doch einfach nichts zu verkünden als: „Wir können nur d a r ü b e r wachen, daß der Kranke seine ‚Naturheilkraft‘ nicht v e r h i n d e r e !“ Aber da sie das eben n i c h t verkünden, tut man ihnen n i c h t unrecht!

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Goethe lehrt uns „G o e t h e i s c h “ zu werden, das heißt r u n d u m zu blicken, a l l e s zu erleben, zu erleiden, zu genießen und n o c h d a z u es philosophisch zu v e r d a u e n vermittels seiner Gehirnkräfte! Die anderen aber lehren uns: „Sixt es, s o sind w i r !“ Eine Sache, die uns leider meistens g a r n i c h t interessiert!

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An eine wunderschöne Fünfzehnjährige:

Was die Männer, die dir „nachsteigen“ und „Coco, Wiener Journal, An jenes kleine Fräulein, das vorgestern Ecke — — —“ annoncieren, von dir sich ersehnen, w e i ß t d u! Darauf sich etwas einzubilden ist Sache einer G a n s ! Du kennst doch diese kleinen weißen netten Blechhäuschen, in denen so mancher notgedrungen für Augenblicke gern verweilt, um sie sobald als möglich wieder zu verlassen?! Solch einem Häuschen willst du doch hoffentlich nicht ähnlich werden?! Wenn jemand zu dir sagt, daß er unaufhörlich an dich denke, so erwidere ihm, daß das keine sehr lukrative Beschäftigung sei! Falls er dir mit Selbstmord droht oder Melancholie, so erwidere ihm, daß es gestern ein wenig kühl gewesen sei, das Wetter nachmittags sich aber Gott sei Dank freundlicher gestaltet habe. Sollte dir jemand etwas schenken wollen, so nimm es stets ruhig an, denn die Gewissensbisse darüber, einen vielleicht praktischen und netten Gegenstand e i n g e b ü ß t zu haben, sind g e f ä h r l i c h e r für deine Seele als die Annahme! Man kommt in eine nähere Berührung durch einen „Refüs“, denn es nistet sich leicht in dein Spatzengehirn das Wort „armer Kerl!“ ein. M i t l e i d mit jemandem haben, der einen „h a b e n “ will, ist eine horrende Eitelkeit. Eine Selbstüberschätzung. Kannst du dir, aufrichtig, ernstlich es vorstellen, daß einer à tout prix nur mit dir glücklich werden kann?! Nein!