Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

Aisling Fowler · Kapitel 17 von 59

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Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

17. Kapitel

 

 

Der Rundgang durch Eisgard hatte gerade erst begonnen, aber Phönix war schon jetzt stark beeindruckt. Immer lebhafter erzählte Zenith über den Frostpalast, und unzählige Informationen folgten ihr wie ein Kometenschweif, während sie vor ihnen die Treppe hinaufstieg.

»Der Schlemmerbaum wurde vor über neunhundertfünfzig Jahren von Allania der Ersten aus einer Nuss heraus gezogen und hat unser Leben hier von Grund auf verändert.« Sie sah sich zu ihnen um. »Vorher waren die Hexen wie die Jägerloge auf Geschenke aus den Dörfern angewiesen, denen sie geholfen hatten. Das haben wir hinter uns gelassen, und jetzt ernährt uns der Baum.«

»Was soll das heißen?«, fragte Sechs.

Es war Thea, die mit einem Leuchten in ihren türkisfarbenen Augen antwortete. »Man sitzt an einem Tisch und bittet den Baum um irgendetwas, das man essen möchte, daraufhin wächst eine Knospe zu einem runter …«

»Die pflückt man, und da ist dann ein Puddingtörtchen drin!« Libbet strahlte.

»Wenn man sich ein Puddingtörtchen gewünscht hat«, sagte Thea streng. »Was man erst nach dem Abendessen tut.«

Mit Unschuldsmiene nickte Libbet schnell.

»Beim Mittagessen werdet ihr es selbst sehen.« Zenith grinste angesichts ihrer ungläubigen Blicke. »Wir sind froh, dass wir diesen Baum haben; alles, was er hervorbringt, schmeckt köstlich. Bevor er groß genug war, um Knospen zu kriegen, flogen Hexen auf ihren Adlern ständig zwischen Eisgard und den Clangebieten hin und her, lieferten Magie über die Bissberge und brachten Essen von den dankbaren …« Ihre Stimme verhallte, als sie die Wendeltreppe weiter hochging und sie sie aus den Augen verloren.

»Dann ist es wirklich ein Glück, dass sie jetzt diesen Baum haben«, murmelte Fünf. »Keiner der Clans würde sie in nächster Zeit freiwillig mit Essen versorgen.«

»Fünf!«, zischte Phönix. Auch Winnie warf ihm einen missbilligenden Blick zu.

»Ja, ja, schon gut, tut mir leid.« Als ein Kugellicht vorbeischwebte, zuckte er zusammen, und kurz sah es aus, als würde er gleich sein Schwert ziehen. »Ich bin nervös.«

»Das sehen wir«, murmelte Phönix mit zusammengebissenen Zähnen.

Thea und Libbet trotteten vor ihnen die Treppe hoch. »Das wird euch bestimmt gefallen!«, rief Thea ihnen zu. »Gleich verlassen wir die Haupthöhle.«

Kurz darauf verstand Phönix, was sie meinte. Ihr war bereits aufgefallen, dass der Schlemmerbaum höher war als die Höhle. Beim Treppensteigen führten die Stufen sie durch das Dach in einen großen, runden Eistunnel, der breit genug war, dass mehrere Menschen nebeneinander gehen konnten. Dieser Tunnel wand sich spiralförmig weiter nach oben um den Baum herum, der von Eis bedeckt war. Die Rinde des Stammes war durch die dicke Eisschicht gerade noch so zu erkennen. Phönix hatte das Gefühl, ganz woanders zu sein. Der See, die Fische und die Statuen waren plötzlich weg.

Ihr Weg wurde vom sanften Leuchten, das das Eis selbst ausstrahlte, und von den schwebenden Kugellichtern erhellt, die überall zu sein schienen und von denen einige ziellos umhertrieben und andere – zu Fünfs Leidwesen – der Gruppe folgten.

Zenith wartete geduldig auf sie und nahm ihre staunenden Blicke mit Genugtuung zur Kenntnis. Sie zeigte auf ihre Umgebung. »Diese Tunnel und die Räume, zu denen sie führen, wurden über Generationen gegraben. Die Krypta unter dem See auch, aber diese Tunnel zu schaffen hatte stets Vorrang, damit die befiederten und die unbefiederten Hexen den Horst erreichen konnten, ohne den Palast verlassen zu müssen.«

Sie zuckte angesichts ihrer verwirrten Mienen mit den Schultern. »Einerseits wegen der Kälte, andererseits wegen der Schreckschleicher. Meistens sammeln sie sich im Winter am Fuß der Klippen. Los, kommt, es ist nicht mehr weit bis zu den Zimmern der Hexen.«

Schreckschleicher. Phönix schauderte, als Zenith weiterging, und Winnie begann nervös an ihren Haaren zu knabbern.

»Befiedert? Unbefiedert? Was bedeutet das?«, fragte Sechs Thea.

»Das wisst ihr nicht?« Sie warf ihnen einen fragenden Blick zu, und alle schüttelten den Kopf.

»Durch das Befiedern werden wir zu vollwertigen Hexen«, erklärte Libbet fröhlich und wippte wieder auf den Fußballen. Die unzähligen Stufen schienen ihr nicht das Geringste auszumachen.

»Das ist ein Zauber«, erläuterte Thea, die Phönix’ Verwirrung bemerkte. »Ein sehr schwieriger. Wenn man den beherrscht, hat man bewiesen, dass man eine vollwertige Hexe ist, und darf einen Umhang aus Eisadlerfedern tragen.«

»Es kann Jahre dauern, einen solchen Umhang herzustellen.« Libbet strich sich träumerisch über den blauen Stoff ihres eigenen Umhangs.

»Wir sammeln die Federn der Eisadler nur, wenn sie in der Mauser sind«, erklärte Thea. »Was nicht allzu oft vorkommt.«

»Verstehe«, sagte Phönix, die gar nichts verstand, langsam. »Und dieser Befiederungszauber … zaubert was genau?«

»Einen Eisadler, natürlich!«, rief Libbet lachend.

Phönix blieb stehen. »Zaubert einen Eisadler?« Jeder Silbe war ihre Ungläubigkeit anzuhören. Sie musste an den riesigen Vogel denken, auf dem sie nach Eisgard geflogen war, an seine Größe, Schönheit und offenkundige Intelligenz. »Zaubert ihn woraus? Wie?«

»Aus Eis.« Thea zuckte mit den Schultern. »Und Magie.« Sie lächelte, als sie Phönix’ erschrockenen Blick bemerkte. »Der Zauber ist nicht ohne Grund so schwierig.«

Als Fünf plötzlich aufschrie, zuckten sie alle zusammen. »Was ist das denn?« Er packte Phönix am Arm und zeigte auf die Wand aus Eis. Erst sah Phönix nur einen Schatten, aber als sie näher kam, wurde er zu etwas, das sie ebenfalls erschaudern ließ.

Ein lebloses Gesicht mit orangefarbenen Augen starrte sie an.

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