Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast
32. Kapitel
Seit dem Eindringen des Lefzenleckers in Eisgard waren mehrere Tage vergangen, aber es waren immer noch alle nervös. Die Eismütter hatten jeden Winkel des Sees abgesucht und die Jäger das Außengelände des Palasts, aber niemand hatte die Stelle entdeckt, an der das Wesen reingekommen war. Daraufhin waren Wachen im Inneren des Palasts aufgestellt worden, und die Eisadler überwachten den Himmel.
Phönix war erschöpft. Ihr Unterricht mit Nara war in eins der noch hellen Hexenzimmer neben dem Zutatenlager verlegt worden. Aber sonst gab es keine Fortschritte. Phönix musste immer noch zwei- oder dreimal pro Sitzung bewusstlos gemacht werden.
»Es hat keinen Zweck«, knurrte sie am Ende einer weiteren erfolglosen Unterrichtsstunde. Sie hatte Kopfschmerzen, und ihr Herz hämmerte, als wäre sie gerannt. »Es ist jeden Tag dasselbe. Es will sich einfach nicht kontrollieren lassen.«
Sie versuchte, nicht an den Schattensaum zu denken, der ihr zusah, sie auslachte. Manchmal, vor allem nachts, verschwammen der Krock und der Schattensaum in ihren Gedanken zu einer einzigen entsetzlichen Finsternis. Dann wurde sie von Grauen überwältigt und wachte keuchend auf. Natürlich schlief sie deswegen nicht besonders gut – und wegen ihrer Sorgen um Hund.
»Dein Feuer ›will‹ gar nichts, Phönix«, sagte Nara sanft. »Magie hat keinen eigenen Willen.«
»Bist du dir da sicher?«
»Ziemlich sicher. Es gibt bestimmt einen Weg, sie gezielter einzusetzen. Wir müssen ihn nur finden.«
Die Hexe blieb ruhig, aber Phönix wusste, dass sie sich Sorgen machte. Phönix und ihre Freunde waren jetzt seit einer Woche im Frostpalast, und sie war der Kontrolle über ihr Feuer keinen Schritt näher gekommen. In der Zwischenzeit hatte der Schattensaum fünf weitere Hexenzimmer, den Trainingsraum und viele der ungenutzten Schlafzimmer ihrer Magie beraubt. Die Dunkelheit breitete sich in rasender Geschwindigkeit in Eisgard aus, und auch durch den Flur vor dem Zutatenlager floss inzwischen Wasser.
Die Verantwortung lastete auf Phönix, und der Druck wurde unerträglich. Es schmerzte sie, die hoffnungsvollen Blicke zu sehen, die die Hexen ihr zuwarfen, am liebsten wollte sie sich vor ihnen verstecken und wich ihnen wann immer möglich aus.
Winnie presste sich an ihre Wange und fiepte unterstützend.
»Ich gehe jetzt besser«, sagte Phönix müde zu Nara. »Yelara hat uns gebeten, in der Krypta zu patrouillieren. Wir werden die Nacht dort unten verbringen.«
»Die ganze Nacht?« Nara hob die Augenbrauen.
»Wir haben uns freiwillig gemeldet.« Phönix zuckte mit den Schultern. »Die Krypta liegt schließlich direkt unter dem See – vielleicht ist der Lefzenlecker dort reingekommen.«
Seit dem Angriff des Lefzenleckers hatten Zenith und Fünf ihren Streit begraben. Zenith warf immer noch bei jeder Gelegenheit mit Informationen über Eisgard um sich, aber Fünf reagierte darauf jetzt mit Fakten über Embra statt mit Ärger. Zur Erleichterung aller schienen beide mit dieser Situation zufrieden zu sein.
Nara seufzte. »Verstehe. Versuch da unten ein wenig zu schlafen, Phönix. Unsere Arbeit hier ist überaus wichtig, und ich würde morgen gern weitermachen, wenn du nicht zu müde bist.«
Erneut merkte Phönix, wie sehr die Hoffnung sie belastete, die die Hexen in sie setzten. Sie nickte schwach. »Ich werd’s versuchen.«
Nara nickte lächelnd. »Dann wünsche ich dir viel Glück. Nicht, dass du es nötig hättest.«
Etwas später traf Phönix die Oberhexe Yelara und Zenith am Fuß des Schlemmerbaums. Auch die beiden älteren Hexen Fliss und Britt waren dort. Jede von ihnen hatte eine Tasche mit Decken und Essen dabei. Phönix überprüfte ihre Äxte und eilte hinüber. Als Zenith ihr zuwinkte, grinste sie.
»Phönix!« Yelara lächelte ihr zu. »Gut. Jetzt warten wir nur noch auf Fünf und Sechs.«
»Sie haben gesagt, sie wollten noch bei den alten Waffen nach Schilden und einem Bogen für Sechs suchen«, sagte Zenith.
Kurz darauf trafen die Jungen ein und trugen beide je einen riesigen, armdicken Holzschild. Sechs hatte außerdem einen frisch bespannten Bogen in der Hand, dessen altes Holz eingeölt war und glänzte.
»Der ist vielleicht sogar noch besser als mein alter.« Sein Gesicht glühte vor Aufregung. »Er schießt etwas weiter und hat überhaupt keinen Linksdrall.«
»Die Strohpuppe hatte keine Chance«, sagte Fünf trocken.
»Genauso wenig wie alle dunklen Wesen, denen wir begegnen werden«, fügte Sechs strahlend hinzu.
»Sechs wird sich um alles kümmern, während wir anderen uns dahinter verstecken.« Fünf zeigte auf die riesigen Schilde.
Phönix lachte. »Danke, Sechs, wie großzügig von dir! Schafft ihr beide es denn, die Dinger die ganze Nacht über zu tragen?«
»Selbstverständlich!«, rief Sechs.
Winnie kletterte aus Phönix’ Bärenfell, um besser sehen zu können, und fiepte zweifelnd.
»Eine negative Einstellung ist keine besonders attraktive Charaktereigenschaft bei einem Eichhörnchen, Winnie«, sagte Fünf entrüstet. »Ich werde dir beweisen, dass ich viel stärker bin, als ich aussehe.«
»Ich auch«, ergänzte Sechs fröhlich.
Winnies Blick schien zu sagen: »Werden wir ja sehen.«
Britt lächelte die Jäger an. »Also, wer von euch übernimmt das Kommando?«
»Sie.« Sechs und Fünf zeigten gleichzeitig auf Phönix.
Ein Anflug von Stolz und Angst blitzte in ihr auf, aber sie unterdrückte das Gefühl. Sie war froh, dass ihre Stimme Respekt einflößend klang, als sie das Wort ergriff.
»Der Bereich da unten ist riesengroß. Wir werden patrouillieren, um so viel wie möglich davon abzudecken, später teilen wir uns in zwei Gruppen auf, damit wir uns abwechselnd ausruhen können. Einverstanden?«
Alle nickten.
Yelara lächelte Phönix warmherzig an. »Es klingt, als hättest du einen Plan«, sagte sie anerkennend. Dann wandte sie sich dem See zu und winkte die Eismütter, die in der Nähe standen, herbei.
Die sechs nächstgelegenen Statuen traten von ihren Sockeln aufs Wasser, das augenblicklich unter ihnen zufror. Gemeinsam kamen sie mit knirschenden Schritten zu der versammelten Gruppe herüber. Ihre Fußabdrücke schmolzen rasch hinter ihnen.
Die Statue, die voranging, war jünger als die anderen. Sie hatte frostige Federn in ihr eisiges Haar geflochten. Phönix versuchte, nicht zu zittern, als sich die Eismutter vor Yelara runterbeugte, einen Schwall entsetzlich kalter Luft über ihnen verströmte und mit ihren frostig weißen Augen die Gruppe betrachtete. »Zur Krypta?«, fragte sie.
Yelara nickte. »Ja, bitte, Linnet.«
Die Eismütter stellten sich in zwei Dreierreihen auf dem See auf. Dann hoben sie gleichzeitig die Arme, bis die Finger der jeweils gegenüberstehenden Statuen sich berührten und einen Tunnel bildeten. Augenblicklich begann das Wasser darunter zu schäumen und hervorzusprudeln, bis sich ein Graben zwischen zwei Mauern aus glänzender, gluckernder Flüssigkeit bildete. Jetzt konnte die Gruppe sehen, was darunter verborgen lag: eine tropfende Treppe, die zu einer aus Knochen gefertigten Tür hinabführte.
»Viel Glück!«, rief Yelara leise, als sie hinunterstiegen.
»Das brauchen wir nicht«, sagte Fünf fröhlich und tätschelte seinen neuen Schild.
Hinter der Tür führte ein Pfad steil abwärts. Fackeln an der Wand entzündeten sich von selbst, als die Gruppe vorrückte und die Luft merklich kühler wurde.
»Wir müssen auch das Unerwartete erwarten«, sagte Phönix zu den anderen. »Denkt daran, hier unten könnte alles sein.«
»Guter Hinweis«, entgegnete Fünf ernst. »Ich persönlich hoffe auf Zahnwurzplätzchen.« Grinsend wandte er sich an Britt. »Und wie steht’s mit dir?«
Die maushaarige Hexe lachte. »Warmes Wetter wäre schön.«
»Also echt.« Phönix verkniff sich ein Lächeln.
Gemeinsam gingen sie weiter bergab, bis der Pfad in der Dunkelheit verschwand. Fünf, Sechs und die Hexen versammelten sich hinter Phönix und blinzelten in die kalte Finsternis. Die Dunkelheit in der Krypta wurde nicht vom Schattensaum verursacht, aber trotzdem war sie beunruhigend. In der Ferne flammte eine Fackel auf, dann noch eine und noch eine, bis kleine Nadelstiche aus Licht so weit reichten, wie Phönix sehen konnte.
In allen Richtungen erschienen schattige Reihen mit Gräbern, die sich vom Eingang weg erstreckten. Hier und da wurde die Regelmäßigkeit der Linien von den riesigen Wurzeln des Schlemmerbaums unterbrochen, die durch die Decke brachen und sich durch die Luft wanden, bevor sie sich wieder in den Boden gruben.
Phönix unterdrückte einen heftigen Anflug von Abscheu: Hier gab es nichts, das sie mochte. Unter den Wurzeln und zwischen den Gräbern schienen schwarze Pfützen ihr zuzuflüstern, näher zu kommen und nachzusehen, was sich darin befand. Sie schüttelte das Gefühl ab und trat an das nächstgelegene Grab.
Auf einem schulterhohen Eisblock lag das beängstigend lebensechte Abbild einer Hexe im Umhang, die ihre Hände friedlich über der Brust verschränkt hatte. An allen vier Ecken ihrer Ruhestätte erhoben sich massige Pfeiler, die einen Eisbaldachin trugen, in den herabschlängelnde Blätter, Blumen und Früchte geschnitzt waren. Die Detailgenauigkeit war erstaunlich, und das Grab war von einer kalten, polierten Schönheit.
Alle Gräber waren gleich gestaltet, aber jede Statue war einzigartig: das perfekte Ebenbild der Hexe, an die sie erinnern sollte.
Es herrschte Schweigen, als die Gruppe sich um Phönix versammelte.
»Kommt weiter«, sagte sie fröstelnd und führte sie an aufgereihten Bahren vorbei und unter den enormen, eisig knorrigen Wurzeln des Schlemmerbaums hindurch.
Mit dem Blick durchforstete sie jede dunkle Stelle auf der Suche nach irgendeinem Hinweis darauf, wie der Lefzenlecker in den Frostpalast eingedrungen sein könnte.
Ihr Nacken kribbelte, als würde sie beobachtet, und unwillkürlich musste sie wieder an den Krock denken, an den Schattensaum und die seltsame Dunkelheit in den Augen des Lefzenleckers. Um sich zu beruhigen, warf sie im Gehen einen Blick zurück auf die drei Hexen hinter ihr.
»Wenn wir angegriffen werden, seid ihr dann in der Lage, euch selbst zu verteidigen?«
Sie wirkten überrascht.
»Erwartet ihr, dass wir angegriffen werden?«, fragte Zenith. »Ich dachte, wir schauen nur nach, ob irgendwelche Wesen hier unten reinkommen könnten.«
»Wir müssen auch das Unerwartete erwarten«, sagten Fünf und Sechs gleichzeitig. Ihre Blicke begegneten sich, und sie lachten. Das Geräusch hallte von den Gräbern wider.
Phönix fand es eigentlich auch lustig, aber irgendetwas an der Krypta hinderte sie am Lachen. Ihr Nacken kribbelte weiterhin und Winnie hockte mit klopfendem Herzen ganz still unter ihrem Fell.
»Yelara hat uns wegen unserer Fähigkeit in Kampfmagie gebeten, euch zu begleiten«, sagte Fliss mit fester Stimme, während ihre grauen Locken um ihr Gesicht wippten, »aber wir mussten sie noch nie in einem echten Kampf erproben.«
Das war eine ehrliche Antwort. »Keiner von uns wird allein gelassen, und wir sind alle verantwortlich für die Sicherheit der anderen«, sagte Phönix unerschütterlich. Sie zeigte zurück zum Eingang. »Das ist der einzige uns bekannte Weg hier rein und raus. Sollte es gefährlich werden, ziehen wir uns hierher zurück.« Alle nickten. Die Hexen wirkten plötzlich deutlich nervöser.
Die Fackeln in der Krypta hingen weit auseinander, und dazwischen erstreckten sich große dunkle Bereiche. Phönix berührte den Mondstein in ihrer Tasche und fragte sich, ob sie ihn hervorholen sollte. Dann murmelte Zenith einen dieser unverständlichen Zaubersprüche, die man nicht hören konnte, und vor ihr erschien eine orangefarbene Lichtkugel.
»Hexenlicht«, sagte sie achselzuckend, als sie die Überraschung der Jäger bemerkte. Sie scheuchte den Lichtball vor sich her.
»Danke«, entgegnete Phönix erfreut. »Je mehr Licht, desto besser.«
»Und es ist gleich ein bisschen weniger unheimlich«, fügte Sechs mit einem unbehaglichen Blick auf das nächstgelegene Grab hinzu.
»Wir waren schon an viel beängstigenderen Orten!«, rief Fünf und setzte sogleich zu einer detailreichen Beschreibung des Frostigen Forsts für Zenith an.
Die junge Hexe hörte aufmerksam zu, und als Fünf schließlich geendet hatte, fragte sie gespannt: »Und was ist mit dem Großen Forst? War einer von euch schon mal da? Und wusstet ihr, dass es die Hexen waren, die als Erste entdeckt haben, dass es möglich ist, sich mit den Hausbäumen zu verständigen?«
»Nein.« Sechs klang interessiert.
»Wisst ihr denn, warum der Waldclan in Baumhäusern lebt?«, entgegnete Fünf.
»Nein!« Zenith klang neugierig.
»Wegen der Falltür-Todesspinner«, sagte Phönix. »Von denen gibt es im Großen Forst eine ganze Menge. Deshalb ist es ziemlich gefährlich, dort auf dem Boden zu leben.«
Zenith klappte den Mund auf. »Wegen eines dunklen Wesens lebt ein ganzer Clan in den Bäumen?«
»Na ja, wegen vieler dunkler Wesen, aber ja«, sagte Fünf. »Das meinte ich, als ich gesagt habe, man kann die Clans nicht verstehen, ohne ihre Monster zu verstehen.«
Zenith versank in nachdenklichem Schweigen, und das Gespräch entwickelte sich in eine andere Richtung, als alle die Orte in Embra aufzählten, die sie gerne besuchen würden.
»Niederfloss«, sagte Sechs bestimmt. Angesichts von Fünfs verständnisloser Miene bekam er große Augen. »Der größte Wasserfall Embras? Davon musst du doch schon mal gehört haben.«
»Nee.«
»Du solltest dir wirklich mal ein Buch zulegen.« Phönix verdrehte die Augen.
»Oder eine Karte.« Zenith lächelte. »Ich habe die Frostige Ebene noch nie verlassen, und sogar ich kenne den Niederfloss.«
»Ist ja gut, kein Grund, mir das unter die Nase zu reiben«, sagte Fünf mit gequältem Gesichtsausdruck. Dann warf er Zenith einen interessierten Blick zu. »Was ist mit dir? Du bist noch nie irgendwo gewesen. Was würdest du am liebsten sehen?«
Zenith seufzte. »So vieles! Die Baumhäuser und den schwimmenden Markt. Die riesigen schwimmenden Dörfer des Flussclans, das farbige Gras des Wüstenclans …«
Fünf brach in lautes Gelächter aus, das heftig von den Gräbern widerhallte. »Das farbige was des Wüstenclans?«
»Gras«, wiederholte Zenith mit einem leichten Stirnrunzeln.
Fünf lachte so laut, dass er nicht sprechen konnte.
»Kümmer dich nicht um ihn.« Sechs’ Mundwinkel zuckten. »Aber … äh … der Wüstenclan ist für farbiges Glas bekannt, nicht Gras.«
»Oh«, sagte Zenith überrascht. Kurz darauf grinste sie. »Dann sieht die Wüste wahrscheinlich ziemlich anders aus als in meiner Vorstellung!«
»Wahrscheinlich.« Fünf hielt sich keuchend die Seite und sogar Phönix stellte fest, dass sie lachen musste und die gute Laune der anderen sie trotz der sonderbaren Umgebung angesteckt hatte.
Einmal die ganze Krypta abzulaufen dauerte mehrere Stunden. Irgendwann hielten sie neben dem Grab einer Hexe mit einem runden, friedlichen Gesicht, setzten sich, lehnten sich gegen den Sockel und verspeisten ruhig ihren mitgebrachten Proviant.
»Wie wäre es, wenn Fünf, Fliss und ich die erste Wache übernehmen?«, schlug Sechs Phönix vor. »Wir wecken euch, sobald es Zeit wird, uns abzulösen.«
Phönix nickte, zog die Decke enger um sich und legte sich mit ihrer Tasche als Kissen hin. Winnie kam aus ihrem Fell gekrochen, um sich auf ihrer Brust zusammenzurollen. Ganz in der Nähe schwebte Zeniths Hexenlicht, dessen Wärme sie sanft auf der Wange berührte.
Dabei fiel ihr etwas ein. Sie hob den Kopf und reichte Fünf den Mondstein. »Nur vorsichtshalber«, sagte sie auf seinen fragenden Blick hin gähnend. Ihr Nacken kribbelte immer noch vor Unbehagen, aber sobald ihr Kopf die Tasche berührte, fielen ihr fast sofort die Augen zu.
»Ich richte Verteidigungszauber ein«, hörte sie Fliss Fünf und Sechs zuflüstern. »Die warnen uns, falls sich irgendwelche dunklen Wesen nähern.«
»Wirklich? Das kannst du?« Fünfs Stimme klang vor Überraschung ganz hoch. Dann fügte er in viel tieferem Tonfall hinzu: »Hervorragende Idee.«
Sechs gelang es nur mit übermenschlicher Anstrengung, sich das Lachen zu verkneifen, während Phönix spürte, wie sie einschlief.
Dunkelheit umschloss sie, wachsam und bösartig.
»Hallo?«, flüsterte sie.
Hallo, hallo, hallo, ertönte ein Echo.
Irgendwo in der Nähe rührte sich etwas. Als sie ein Geräusch hörte, verspannte sie sich, blinzelte verzweifelt und zwang ihre Augen, sich anzupassen.
»Ich weiß, dass du da bist«, sagte sie mit zitternder Stimme. »Zeig dich!«
Zeig dich, zeig dich, zeig dich.
Es dauerte einen Moment, bis Phönix klar wurde, dass es diesmal gar nicht ihr Stimme war, die zurückhallte.
Voller Panik drehte sie sich zu der Stelle um, von der das Echo kam.
Dann hörte sie direkt an ihrem Ohr das tonlose Zischen des Krock: »Ich sehe dich.«
Blitzartig fuhr Phönix mit klopfendem Herzen hoch, gerade als die Fackeln in der Krypta eine nach der anderen flackernd erloschen.
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