Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

Aisling Fowler · Kapitel 35 von 59

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Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

35. Kapitel

 

 

Phönix’ ganzer Körper sackte vor Erleichterung zusammen. Augenblicklich flammte der Schmerz in ihrem Bein und Arm auf. Sie schloss die Augen und unterdrückte ein Stöhnen. Als sie sie wieder öffnete, standen Fünf, Sechs und Zenith vor ihr. Fünf sah wütend aus, aber die beiden anderen waren eindeutig beeindruckt.

»Das. War. Unglaublich.« Zeniths Miene leuchtete, als sie Phönix durchdringend ansah.

»Äh … danke.« Trotz ihrer Schmerzen brachte Phönix ein Lächeln zustande. »Na ja, diese Sache mit dem Schild da war auch großartig. Ich glaube, du hast mir das Leben gerettet.«

Sechs strahlte. »Das hat sie auf jeden Fall!« Er blinzelte angesichts des Blicks, den Phönix ihm zuwarf, und verbesserte sich schnell. »Aber … na ja, du hast dich selbst auch wirklich richtig gut geschlagen.«

Fünf dagegen verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte Phönix an. »Du hättest uns warnen können, dass du das vorhattest. Du hast uns beinahe verbrutzelt. Schon wieder!«

»Tut mir leid. Es war keine Zeit für eine Warnung.«

»Es ist immer Zeit für eine Warnung, bevor du so viel Magie auf zwei deiner Freunde schleuderst«, fuhr er sie an.

Sechs machte große Augen. Er musterte Phönix von Kopf bis Fuß, als sähe er sie zum ersten Mal. »Du stehst noch!«, rief er.

»Ja?« Phönix runzelte fragend die Stirn.

»Du hast deine Magie eingesetzt und stehst noch!«

Er hatte recht. Die Erkenntnis traf sie überraschend. Und es war ihr gelungen, den Feuerstrom selbst wieder zu stoppen. Aber wie? Es war alles so schnell gegangen.

Hinter ihnen regte sich Fliss stöhnend. Um sich abzulenken, humpelte Phönix zu den anderen Hexen hinüber.

»Ist alles in Ordnung?«, fragte sie und half Fliss, sich aufzurichten.

Mit jedem Herzschlag schmerzten ihr Arm und ihr Bein entsetzlich. Am Rand ihres Sichtfelds wurde alles plötzlich leicht unscharf.

»Phönix!«, stieß Fünf hervor, und sein Ärger verrauchte, als sie schwankte und beinahe stürzte.

Kurz darauf standen wieder alle um sie herum. Umstandslos wurde der Ärmel ihrer Tunika abgesäbelt und ihr Hosenbein aufgeschnitten, um die Wunden freizulegen.

»Zu eng«, knurrte Phönix, als Sechs eine Aderpresse um ihr Bein knotete. Er brachte sie mit einem Blick zum Schweigen.

Phönix atmete ein paarmal langsam durch die Nase und spürte, wie ihr Kopf etwas klarer wurde. »Mir fehlt nichts.« Mit einer Grimasse gelang es ihr, die anderen einen halben Schritt zurückzudrängen. »Wie geht es Britt?« Phönix’ Augen waren auf die kleine Hexe neben Fliss gerichtet. Sie lag beängstigend still auf dem Boden. »Atmet sie noch?«

Fliss hielt sich den Kopf an der Stelle, wo sie ihn angeschlagen hatte. »Ja, sie atmet noch. Aber sie ist benommen.«

Zenith nickte. »Ihr Schildzauber ist auf sie zurückgeprallt.« Die Hexen zuckten beide zusammen.

»Das Risiko der Kampfmagie«, murmelte Fliss.

»Wieso ist deiner nicht zurückgeprallt?«, fragte Phönix Zenith.

Die junge Hexe schnitt eine Grimasse, während Fliss sich mit neugieriger Miene aufrichtete.

»Du hast es geschafft, ihn aufrechtzuerhalten?«, fragte sie.

»Es war großartig.« Phönix war überrascht von Zeniths Zurückhaltung. »Der Schild hat uns alle gleichzeitig eingeschlossen. Sie hat uns das Leben gerettet.«

»Ein Perigonschild?« Fliss keuchte. »Zenith, ist das wahr?«

»Ja.« Zenith stand achselzuckend auf und klopfte sich die Kleider ab.

Plötzlich lachte Fliss auf und klatschte in die Hände. »Aber das ist ja wundervoll, Zenith! War das nicht dein letzter Prüfungszauber? Dann bist du bereit für deine Befiederung!«

Die Emotionen auf Zeniths Gesicht wechselten sich so schnell ab, dass man sie gar nicht auseinanderhalten konnte. »Vielleicht«, murmelte sie bloß, bevor sie Phönix die Hand reichte und sie vorsichtig hochzog.

»Psst!«, zischte Fünf plötzlich und hob die Hand. Dann: »Sei still!«, als Sechs etwas sagen wollte.

Die Luft war kälter geworden und Phönix’ Haut kribbelte erneut. »Oh nein«, flüsterte sie.

Über ihren Köpfen war Zeniths Hexenlicht endlich hängen geblieben, aber es war schwach und wurde immer schwächer. Der Mondstein lag noch ein ganzes Stück entfernt auf der Erde. Fünf schlich hinüber und hob ihn auf, während Sechs erneut den Bogen spannte, um ihm Deckung zu geben.

»Wir sollten gehen«, murmelte Fünf, der rückwärts zu ihnen zurückkam und sich dabei gehetzt umsah.

Dann holten alle Statuen in der Krypta gleichzeitig tief und röchelnd Luft.

Und die direkt neben ihnen setzte sich auf.

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