Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

Aisling Fowler · Kapitel 22 von 59

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Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

22. Kapitel

 

Der Schmeichler war von einem trüben Braun und die Strömung stärker, als Hund erwartet hatte. Um nicht wie ein Kieselstein umhergerollt zu werden, musste er seine Pfoten vor jedem Schritt tief in den weichen Schlamm am Grund stemmen. Bald hingen lange Stränge verschlungenen Flusskrauts an seinen Beinen, und seine Nase war voll Schlick. Fische glotzten ihn staunend an, ein neugieriger Schwarm umkreiste ihn, und ihre Flossen leuchteten im schwachen Licht kurz auf, bevor sie wieder verschwanden. Ein Zitterprack fauchte ihn aus seiner selbst gegrabenen Höhle am Ufer an. Die spitzen Zähne funkelten, und seine langen Würgefinger waren zu Fäusten geballt.

Einen Fuß vor den anderen setzend bahnte Hund sich mühsam einen Weg durchs Wasser und hielt aufmerksam Ausschau nach der Stelle, an der der Griff sich mit dem Schmeichler verband. Endlich, als er schon fürchtete, den Zufluss verpasst zu haben, schwappte ein Schwall kälteren Wassers, das ganz eindeutig nach Ymber roch, an ihm vorbei.

Hund seufzte halb erleichtert, halb ängstlich und kämpfte sich, dem kälteren Wasser folgend, durch die leichte Strömung bis zur anderen Seite des Flusses vor, bis er plötzlich erschrocken feststellte, dass er sich jetzt in dem schmaleren Fluss befand. Das Licht war hier schwächer und grüner, und es war auch ruhiger. Während der Schmeichler schnell plätschernd dahingeströmt war, kroch der Griff vorwärts und sammelte die geflüsterten Geheimnisse der Hausbäume ein.

Hund sehnte sich danach, aus dem Wasser zu steigen und sich umzusehen. Er war schon seit Jahrhunderten nicht mehr im Großen Forst gewesen. Aber er wusste, dass er sich auf keinen Fall im Forst sehen lassen durfte und dass hier der allerschlechteste Ort zum Auftauchen wäre. So nah am Flussufer gab es bestimmt viele Wachen, und wenn der Wächter der Jägerloge plötzlich unangekündigt auftauchte, würde das zu sehr unbequemen Fragen führen.

Also ging er zum tiefsten Punkt des Flussbetts und lief los, überrascht und dankbar, dass die sanftere Strömung ihm erlaubte, sich relativ leicht fortzubewegen.

Er lief immer weiter, marschierte, bis er jedes Zeitgefühl verlor, bis er benommen und verwirrt war und furchtbar müde. Als die Erinnerung kam, bemerkte er es kaum.

Die Mauer spuckte ihn aus, und seine Sinne kehrten ganz unvermittelt und überwältigend zurück. Hund blinzelte und schüttelte sich, die Zähne gefletscht, zu allem bereit. Aber als er wieder sehen konnte, erkannte er, dass er nicht zum Angriff übergehen musste; vor ihm stand nur eine Frau – wahrscheinlich eine Älteste –, deren von metallgrauen Strähnen durchzogenes Haar streng aus dem Gesicht gekämmt war. An ihrer Taille hing ein funkelndes Krummschwert, und auf ihrer Hand waren Blutflecken, die von irgendeinem Wesen stammten, das sie mit dem Schwert besiegt hatte.

»Wächter.« Sie musterte ihn abschätzend. »Mein Name ist Älteste Schlafsand. Willkommen zurück.«

Es dauerte einen Augenblick, bis der Sturm seiner zurückkehrenden Sinne sich etwas beruhigt hatte und er wieder sprechen konnte. Dann senkte er den Kopf und entgegnete: »Sei gegrüßt, Älteste Schlafsand.«

Sie nickte zufrieden und gab ihm ein Zeichen, ihr zu folgen. Ein Wortschwall prasselte auf ihn ein, während er sich neugierig auf dem Kampfplatz umschaute. Alles sah immer noch genauso aus, bis hin zum Platz des Holzstapels. Eine wilde Hoffnung flammte plötzlich in ihm auf: Vielleicht war er gar nicht lange weg gewesen.

»Ist Fuchs noch da?«, fragte er.

»Was?« Schlafsand runzelte die Stirn, dann hellte sich ihre Miene auf. »Ah, Fuchs. Natürlich, du kanntest ihn, nicht wahr?«

Sie sagte »kanntest«, nicht »kennst«. Hunds Herz wurde schwer, als er nickte.

»Ein feiner Jäger«, sagte sie schroff. »Verlor eine Hand an einen Spitzbargs, aber bestand trotzdem darauf, weiterhin an Jagden teilzunehmen.« Sie atmete hörbar durch die Nase ein. »Ist allerdings jung gestorben.«

Hund brauchte einen Moment, um die Trauer, die in ihm aufstieg, zu bekämpfen. Fuchs hatte ihn mit Schneebällen beworfen und ihm beigebracht, Verstecken zu spielen, obwohl Hund das gar nicht gut konnte. Er hatte Fuchs’ Gesellschaft geliebt. Und jetzt war er weg. Erst nach einer kurzen Pause konnte Hund wieder sprechen.

»Verstehe«, sagte er. Und dann fragte er ängstlich, nicht ohne einen Funken Hoffnung: »Und was ist mit Klaps? Und mit Spurensucher?«

Die Älteste sah ihn gereizt und irritiert an. »Beide tot«, raunzte sie. »Du warst sechzig Jahre weg, Wächter. Da glaubst du doch nicht ernsthaft, dass hier noch irgendjemand ist, den du kennst?«

Hund schüttelte sich und knurrte, wie um die Erinnerung abzustreifen. Erschrocken stellte er fest, dass er nicht weitergelaufen war, sondern wer weiß wie lange stocksteif im Wasser gestanden hatte. Der Fluss um ihn herum war schwarz und schwer.

Angst überkam ihn; dies war Schwarzwasser. Und dagegen war er offenbar nicht immun.

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