Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

Aisling Fowler · Kapitel 33 von 59

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Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

33. Kapitel

 

 

»Phönix!«

»Ich bin wach!« Sie sprang auf und nahm die Äxte von ihrem Rücken. Hinter ihr rappelten sich auch Zenith und Britt auf. Fünf, Sechs und Fliss hatten sich schützend um sie herum aufgestellt und starrten in die Dunkelheit.

»Was ist los?«, fragte Zenith mit schläfriger Stimme.

»Die Fackeln sind gerade alle ausgegangen«, flüsterte Phönix.

»Das Hexenlicht auch«, sagte Britt atemlos. Sie versuchte ein neues heraufzubeschwören, aber es verblasste augenblicklich wieder. »Was bei …?«

»Psst!«, wisperte Phönix.

Die kleine Gruppe hielt den Atem an und drängte sich in dem Lichtkreis zusammen, den der Mondstein in Fünfs Hand hervorbrachte. Die Dunkelheit um sie herum war absolut. Phönix warf einen Blick über die Schulter, in der Hoffnung, den tröstlichen goldenen Schein des Eingangs zu sehen, aber da war nichts, nur unendliches, verwirrendes Schwarz.

»Hört mal«, murmelte Fünf.

Phönix spitzte die Ohren. Winnie saß stocksteif auf ihrer Schulter, den Schwanz steil hochgereckt. Phönix bemerkte, dass er ebenso angespannt war wie sie.

Plötzlich begann etwa zehn Meter entfernt ein rotes Licht zu blinken. Vor Schreck schrie Phönix fast auf.

Fliss keuchte. »Der Verteidigungszauber«, sagte sie erschrocken. »Irgendetwas hat ihn ausgelöst.«

»Wie nah muss ein Wesen sein, um ihn zu aktivieren?«, flüsterte Sechs.

»Ich weiß es nicht genau«, antwortete Fliss mit zitternder Stimme.

»PSSST!« Phönix versuchte mit ihren Sinnen zu erfassen, was hinter dem Licht lag.

Die Luft war kälter geworden, und feiner grauer Nebel stieg um ihre Fußknöchel auf. Wieder spürte sie das Kribbeln am ganzen Körper – ein sicheres Zeichen dafür, dass sich irgendetwas Unangenehmes in der Nähe befand.

»Gebt mir Deckung«, hauchte sie Fünf und Sechs zu. Sie verstaute eine ihrer Äxte wieder auf dem Rücken und nahm Fünf den Mondstein ab.

Neben sich hörte Phönix das leise Quietschen, als Sechs seinen Bogen spannte und Fünf sein Schwert zog.

»Sei vorsichtig«, murmelten sie gleichzeitig.

Der Kreis des Mondsteinlichts rückte langsam mit ihr vor und erhellte Grab um Grab. Je weiter sie sich von den anderen entfernte, desto dichter wurde der Nebel, der ihr inzwischen bis zu den Knien reichte.

Kriietsch.

Phönix erstarrte, ihr Körper bis aufs Äußerste angespannt. Es klang, als käme das Geräusch von vorn, von genau dort, wo der Lichtkreis endete. Ihr Herz hämmerte, ihre Hände, die die Axt und den Stein hielten, waren schweißnass.

Kriiietsch.

Sie holte tief Luft und zwang sich weiterzugehen, wobei ihr schmerzlich bewusst wurde, dass sie im Nachteil war. Was immer da war, es konnte sie deutlich sehen, aber sie, Phönix, sah es nicht.

Schnell duckte sie sich und rollte geschmeidig nach vorn, in der Hoffnung, das Wesen zu überraschen oder zumindest nicht zur leichten Beute zu werden.

Als sie wieder aufsprang, stieß sie abrupt darauf.

Die Gestalt, die eigentlich gar nicht so aussah, als könnte sie lebendig sein, bestand nur aus nadelscharfen Spitzen, wilden Winkeln und gezackten, glitzernden Ecken. Aber sie war eindeutig lebendig. Als Phönix landete, wandte sich das Wesen mit langsamen, todbringenden Bewegungen zu ihr um.

Kriiietsch.

Das Geräusch von Eis, das über Eis kratzte. Einen Augenblick konnte Phönix sich nicht bewegen, konnte nicht reagieren. Das Wesen war überwältigend groß und seltsam, aber vor allem von seinen Augen konnte sie den Blick nicht abwenden. Sie waren von Schatten getrübt – genau wie die des Lefzenleckers.

»Das ist ein Berster!«, brüllte Fünf hinter ihr. »Phönix, lauf!«

Sie erstarrte, während ihr Verstand nach dem Eintrag in Magische Tierwelt suchte. Zu ihrem Entsetzen fielen ihr nur Bruchstücke ein.

»Berster sind ausgesprochen gefährlich … Fähigkeit, sich zu teilen … zerschreddern ihre Opfer, damit sie sie leicht aufnehmen können.

Um einen Berster dauerhaft zu besiegen, muss man warten, bis … nach einem leicht bläulichen Schimmer Ausschau halten.«

Panik drohte sie zu überwältigen – statt des Eintrags war in ihrem Gehirn bloß noch eine Leerstelle, und sie erinnerte sich an keinen einzigen Wert aus der Skala des Wesens. Genauso wenig wusste sie noch, wie man es töten konnte.

Ein Pfeil flog an ihr vorbei und prallte nutzlos vom eisigen Körper des Bersters ab. Erschreckenderweise machte der daraufhin gar kein Geräusch, er schien den Pfeil noch nicht mal bemerkt zu haben. Dann tauchten überall auf dem Wesen schmale Risse und Furchen auf. Es teilte sich, und Phönix hatte genug behalten, um zu wissen, dass das nichts Gutes verhieß.

Schließlich setzte ihr Instinkt ein, und sie rannte so schnell sie konnte und mit voller Kraft zu den anderen zurück.

»Komm schon!«, feuerte Sechs sie an, während er und Fünf ihre Schilde nebeneinanderstellten und die Hexen dahinter runterzogen. »Schneller!«

Hinter sich hörte Phönix das eigenartig musikalische Klirren Hunderter Eisfragmente, die zu Boden fielen. Und dann ein unheilvolles Klappern, als sie sich wieder erhoben.

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