Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

Aisling Fowler · Kapitel 20 von 59

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Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

20. Kapitel

 

»Wenn du schneller laufen würdest, wären wir früher da!«

Hund biss die Zähne zusammen. »Es würde die Sache deutlich vereinfachen, wenn du das nicht dauernd sagen würdest. Ich laufe so schnell ich kann.«

Hoch über ihm glühte Funkenflug vor Ärger weiß auf, bevor er herabgeglitten kam und vor Hund herumflatterte. »Du bist ein schrecklicher Reisegefährte«, zischte er mit wutverzerrtem Gesicht. »Ich werde nie wieder jemanden begleiten, der nicht fliegen kann!«

»Als du dich mir angeschlossen hast, wusstest du, dass ich laufen würde.« Hund versuchte, sich nicht von seinem Unmut überwältigen zu lassen. Er hatte auf die harte Tour gelernt, dass es überraschend wenig böse Worte brauchte, damit Funkenflug zornig wurde und mit Feuerbällen um sich warf. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Linie grüner Pflanzen am Horizont, die immer dichter wurde: den Großen Forst. »Wir sind bald da.«

»Nicht vor der Abenddämmerung«, beschwerte sich Funkenflug und ließ sich zwischen Hunds Ohren fallen. Sein Feuer wurde wieder schwächer.

»Das ist gut«, argumentierte Hund. »Wir dürfen nicht gesehen werden.«

Funkenflug machte ein undefinierbares Geräusch.

»Funkenflug«, sagte Hund warnend. »Du weißt, dass wir uns nicht sehen lassen dürfen.«

»Herumschleichen liegt nicht in der Natur der Feuergeister«, entgegnete Funkenflug abschätzig. »Dir fällt das wahrscheinlich leicht, aber für mich ist das sehr schwer. Ich ziehe automatisch die Blicke auf mich.« Er hielt inne, dann sagte er ganz leise und voller Sehnsucht: »Und es gibt so viel Brennbares im Wald.«

»Das habe ich gehört«, blaffte Hund. »Du sitzt direkt neben meinen Ohren. Und ich verbiete dir, auch nur einen einzigen Baum anzuzünden!«

Funkenflug dachte einen Augenblick nach. »Das entscheide ich später.«

»Das Waldvolk wird seine Hausbäume mit aller Macht verteidigen«, knurrte Hund plötzlich besorgt. »Viele deiner Art haben im Großen Forst ihr Ende gefunden.«

Er wünschte, er könnte den Geist sehen, der jetzt schwieg. »Funkenflug?«, hakte er nach. »Ich will nicht, dass dir etwas zustößt. Wir werden nicht gemeinsam durch den Wald reisen können. Daher kann ich dir nicht helfen, wenn du in Schwierigkeiten gerätst.«

»Ich weiß.« Funkenflug seufzte. »Keine Flügel und kein Feuer; du bist wirklich keine große Hilfe.« Er schwieg kurz, dann tätschelte er Hund den Kopf. »Aber du gibst dir alle Mühe.«

Hund verkniff sich ein Grollen. Das Ego des Feuergeistes war groß – und anstrengend.

Als die Bäume näher rückten und die Sonne sank, listete Funkenflug die unzähligen Gründe auf, aus denen er bei Hunds Reise seiner Meinung nach unverzichtbar war. Als sie das Ufer des Schmeichlers erreichten, war Hunds Würde angekratzt und seine Stimmung gereizt.

Hinter dem breiten Fluss ragte der Große Forst auf. Ein Schwall von Gerüchen, die ihm aus längst vergangenen Zeiten vertraut waren, hüllte ihn ein. Vor allem anderen roch er den kräftigen Duft nach Ymber, dem goldenen Saft der Hausbäume, der durch den Stamm und die Wände der Häuser des Waldclans floss und sie selbst im tiefsten Winter warm hielt.

»Still!«, sagte er zu Funkenflug und gab sich Mühe, seine Stimme leise zu halten.

Das Gras am Flussufer war lang genug, um sich darin zu verstecken, aber der Waldclan bewachte seine Grenzen sorgfältig. Zu Hunds Erleichterung dimmte der Geist sein Feuer und verstummte.

Am anderen Ufer, hoch oben in den Zweigen der Hausbäume, konnte Hund Stimmengewirr hören und ein paar der eigenartigen Behausungen sehen. Der Waldclan baute seine Häuser nicht selbst, sie baten den Baum ihrer Familie, ihnen Häuser zu machen. Daraufhin wuchsen dicke Beulen in der Form von Bienenkörben aus dem riesigen Stamm. In Fenstern und Türen leuchtete warmes orangefarbenes Licht, während ein Netzwerk aus Seilbrücken und Leitern sie alle miteinander verband.

Hund wusste, dass es nur eine Möglichkeit gab, ungesehen durch diesen Wald zu kommen: unter Wasser. Besorgt beäugte er den plätschernden Fluss. Er musste durch das Flussbett des Schmeichlers bis zum Zufluss des kleineren Flusses, des Griff, und dann diesem Wasserlauf durch den Großen Forst folgen.

Der Gedanke an den Griff erfüllte ihn mit wachsendem Unbehagen. Dort gab es Schwarzwasser, von dem es hieß, dass es Menschen verrückt machte, ihnen Erinnerungen raubte und sie manchmal sogar auswechselte.

Sobald er den Wald durchquert hatte, würde es, so hoffte Hund, dann vergleichsweise einfach werden, Sieg aufzuspüren.

»Wie wäre es mit nur einem einzigen Baum?«, fragte Funkenflug hoffnungsvoll und riss Hund aus seinen Gedanken. »Nur ein klitzekleiner. Schau mal, da drüben steht ein Winzling. Den würden sie gar nicht vermissen.«

Hund schnaubte. »Oh doch. Weißt du denn gar nichts über den Waldclan?«

Funkenflug zuckte mit den Achseln, was Hund als Nein interpretierte.

»Sie beerdigen ihre Ältesten mit einer Hausbaumnuss im Mund«, erklärte er. »Dieser ›kleine‹ Baum dahinten ist ein Grab. Vielleicht fließt bereits die Erinnerung einer Ältesten durch sein Ymber. Du darfst ihn nicht entweihen.«

Funkenflug rümpfte enttäuscht die Nase. »Widersinnig und

widerwärtig.«

Hund seufzte und trat auf den Fluss zu. Seine düsteren Vorahnungen wuchsen. »Wir sehen uns auf der anderen Seite«, sagte er mit einem Blick auf den hinter ihm schwebenden Geist. »Bring dich nicht in Schwierigkeiten.«

Funkenflug stieß ein barsches Geräusch aus, dann wirbelte er auf und davon. Hund sah ihm reuevoll nach. Der Feuergeist würde ihm fehlen.

Mit einem Seufzer stieg er in den Fluss und tauchte unter, bis das Wasser still über seinem Kopf zusammenschlug.

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