Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

Aisling Fowler · Kapitel 44 von 59

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Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

44. Kapitel

 

 

Während das Grüppchen die Treppe hinunterstürmte, verschwanden die Kugellichter um sie herum, bis die einzigen Lichtquellen das sanfte Leuchten des Eises selbst und der Mondstein in Phönix’ Hand waren. Die Wirkung war unheimlich, Licht und Schatten huschten umher und spielten ihnen Streiche.

Sechs’ Hand hielt Phönix plötzlich zurück. »Da kommt was«, flüsterte er, hob einen Finger an die Lippen und spannte lautlos seinen Bogen. Neben ihm zog Fünf sein Schwert.

Winnie zuckte auf Phönix’ Schulter mit dem Schwanz, seine Aufregung war deutlich spürbar, als sie nach einer ihrer Äxte griff, und er krallte sich an ihr fest.

»Hatte ich schon erwähnt, dass ich kein gutes Gefühl habe?«, murmelte Fünf.

Um die Biegung der Treppe kamen vier Gestalten gehuscht. Nara führte den Trupp an, dahinter folgten Sieben, Thea und Libbet.

»Beim frierenden Frost, zum Glück habe ich euch gefunden«, sagte die Hexe keuchend.

Phönix lockerte erleichtert ihren Griff um die Axt.

In diesem Augenblick wurde Eisgard von einem Dröhnen erschüttert, das hundertmal lauter war als das rhythmische Rauschen des Endlosen Meeres.

Nara warf einen Blick hinter sie und presste die Lippen aufeinander.

»Was war das? Was ist los?«, fragte Zenith, die sich nach vorn durchdrängte.

»Im Nebel da draußen haben sich dunkle Wesen versammelt«, sagte Nara schnell. »Offenbar versuchen sie in Eisgard einzudringen.« Ihr Tonfall war unbeschwert, aber sie konnte sie nicht täuschen.

Winnie fiepte leise und verschwand unter Phönix’ Bärenfell.

Libbet griff hinter Nara nach Theas Hand.

Nara schüttelte sich und wandte sich an Zenith. »Thea, Libbet, Sieben und du sucht euch einen sicheren Ort, wo ihr bleibt, bis das hier vorbei ist.« Dann wandte sie sich an Phönix, Fünf und Sechs. »Würdet ihr bei ihnen bleiben? Sie beschützen?«

»Uns beschützen?«, entgegnete Zenith beleidigt. »Ich bin sehr gut selbst in der Lage …«

»Ruhe, Zenith!« Dass Nara die Geduld verlor, verschlug allen die Sprache. Als die Hexe erneut das Wort ergriff, zitterte ihre Stimme im Versuch, ruhig zu bleiben. »Da draußen sind mehr Wesen, als ich je gesehen habe, und wir sind zu wenige, um den Eispalast zu verteidigen.« Sie hob eine Hand, um Zeniths Einspruch abzuwehren. »Du kannst uns nicht helfen, bevor du nicht befiedert bist. Das geht einfach nicht. Was du dagegen tun kannst, ist dafür zu sorgen, dass Thea und Libbet in Sicherheit sind. Wirst du das tun, Zenith? Versprich es mir.«

Zenith hatte die Fäuste geballt, aber sie nickte. Eine kurze, wütende Kopfbewegung.

Phönix konnte den Blick nicht von Nara abwenden, und sie bekam Angst. »Das ist der Schattensaum«, flüsterte sie. »Er hat die Wesen angelockt.«

Nara zuckte zusammen, als ein weiteres Dröhnen Eisgard erschütterte. »Ich muss zu den Eismüttern zurück, ihnen helfen, unsere Verteidigung zu organisieren.« Sie sah Phönix an. »Aber ich denke, du hast recht.«

Plötzlich fiel Phönix ihre Idee von gestern Nacht wieder ein. »Warum öffnest du nicht das Portal nach Kliff? Dann könntet ihr alle hindurchfliehen, ich stelle mich dem Schatten, und selbst wenn ich scheitere …«

»Du wirst nicht scheitern!«, sagte Nara entschieden. Sie wirkte ärgerlich, dass Phönix diese Möglichkeit überhaupt in Erwägung gezogen hatte. »Und wir Hexen werden Eisgard niemals verlassen; dies ist schon seit einem Jahrtausend unser Zuhause. Wir werden es nicht aufgeben, wenn es uns braucht, und dich allein der Gefahr überlassen.«

»Genau«, fügte Fünf verärgert hinzu. »Und dass wir dich alleinlassen, kannst du auch vergessen. So weit kommt’s noch!«

Phönix’ Magen wand sich plötzlich wie ein Sack Würmer, aber sie zwang sich zu nicken und richtete sich auf. Jetzt war nicht die Zeit für Diskussionen. »Ich sorge dafür, dass die anderen in Sicherheit sind, dann gehe ich direkt zum Schattensaum«, sagte sie zu Nara. »Ich … ich werde ihn zerstören.« Oder es versuchen.

»Wir treffen uns dort.« Nara war jetzt wieder ruhig und drückte Phönix’ Schulter. »Du wirst nicht allein sein.«

Phönix nickte schnell und versuchte vergeblich, ein Lächeln zustande zu bringen. Nara hatte sich bereits abgewandt und verschwand um die Biegung der Treppe. Ihre Schritte verhallten schnell, als sie zum See hinunterrannte.

Ein weiterer Einschlag erschütterte den Frostpalast, und eine Handvoll Eis regnete im Licht des Mondsteins glitzernd auf sie herab.

»Wird Eisgard einstürzen?«, flüsterte Libbet.

»Natürlich nicht«, fuhr Zenith sie an. »Sei nicht albern.« Sie nahm das kleine Mädchen an der Hand und zog sie hinter sich die Treppe hoch. »Kommt mit – wir gehen zum Horst.«

Libbet grinste und war wieder guten Mutes, als sie Zenith folgte, aber Thea warf stirnrunzelnd einen Blick die Treppe hinunter.

»Glaubst du, der Horst ist sicher genug?«, fragte Phönix, die Zenith ebenfalls folgte. In einer Hand hielt sie die Axt, in der anderen den Mondstein.

»Ja«, sagte Zenith. »Dort können wir die Mädchen auf einen Eisadler setzen, der sie in Sicherheit bringt.«

»Was?«, platzte Thea heraus. »Das hat Nara nicht gesagt! Sie hat uns nicht gesagt, dass wir den Frostpalast verlassen sollen, und das will ich auch nicht! Ich laufe nicht weg, nur weil …«

»Das ist kein Weglaufen«, schnauzte Zenith sie an. »Sondern ein taktischer Rückzug. Wenn ein Eisadler sich um euch kümmert, kann ich den Hexen helfen, Eisgard zu verteidigen.«

Thea keuchte. »Das heißt, du kommst noch nicht mal mit?« Ihre Schritte verlangsamten sich, und Zenith packte sie am Arm und zerrte sie hinter sich her.

»Sei nicht dumm«, zischte Zenith. »Du weißt, dass wir in Schwierigkeiten stecken, und du hast Nara doch gehört: Es gibt nicht genug von uns, um den Eispalast zu verteidigen. Willst du wirklich, dass ich euch babysitte, anstatt unser Zuhause zu verteidigen?«

Phönix erschrak, als sie den verletzten Gesichtsausdruck der jüngeren Hexe sah.

»Nein«, sagte Thea leise.

Sechs huschte neben Phönix. »Findest du das in Ordnung?«, murmelte er.

Phönix biss sich auf die Lippe. »Wenn die Mädchen auf einem Eisadler wirklich in Sicherheit sind, dann ja. Ich muss mich sowieso um den Schattensaum kümmern, aber …«

»Wenn sie in Sicherheit sind, könnten Fünf und ich Zenith und den Hexen helfen«, unterbrach Sechs sie eifrig. »Da unten sind dunkle Wesen, und wir sind Jäger. Wir könnten uns nützlich machen!«

»Ich auch!«, rief Sieben, die von der Anstrengung, so viele Stufen hinaufzurennen, atemlos keuchte.

»Du bist keine Jägerin, Sieben.« Sechs wirkte besorgt.

»Ich habe euch alle in unserem letzten T…training b…besiegt.« Siebens Stimme wurde lauter.

»Erstens: Das ist ewig her«, sagte Fünf grob. »Zweitens: Seitdem hast du nicht mehr trainiert. Drittens: Du hast uns nicht wirklich besiegt. Wenn wir dich mitnehmen, reißt Raureif uns die Köpfe ab.«

Sieben wandte sich hoffnungsvoll an ihren Bruder, aber Sechs schüttelte ebenfalls den Kopf. »Kann sie mit Thea und Libbet fliegen?«, fragte er Zenith und wich Siebens Blick aus.

»Natürlich«, antwortete Zenith ernst.

Phönix nahm Siebens Hand. Sie sah Verzweiflung und etwas wie Entsetzen in ihrem Blick. »Es wird alles gut«, murmelte sie. »Es ist besser, wenn du bei Thea und Libbet bleibst. Sie haben Eisgard noch nie verlassen, weißt du?« Sieben wirkte nicht überzeugt. »Du bist noch keine Jägerin.« Phönix hoffte, Sieben würde nicht weiter darauf bestehen. Sie wollte es nicht laut aussprechen, aber Sieben war als Kämpferin nicht gut genug, um ihnen zu helfen.

Sieben nickte betrübt. Phönix atmete erleichert aus.

Die Gruppe stürmte weiter die Treppe hinauf, vorbei an dem toten Glimmer und, weiter vorne, an einem sich gerade verschließenden Spalt in der Wand, durch den ein weiterer Glimmer ausgebrochen sein musste.

»Seht nur!« Libbet zeigte japsend darauf.

Zenith zog sie mit zusammengebissenen Zähnen weiter. Phönix und Fünf setzten sich mit gezückten Waffen an die Spitze der Gruppe. Nichts sollte sie unvorbereitet treffen.

»Keine Pause und keine weiteren Fragen«, knurrte Zenith. »Wir müssen euch hier rausbringen.«

Hinter ihnen ertönte noch ein lautes Dröhnen, das durch den ganzen Palast hallte und die Stufen unter ihren Füßen erbeben ließ. Zenith lief schneller, der Schweiß stand ihr auf der Stirn, ihr blauer Umhang wehte hinter ihr.

Kurz darauf standen sie wieder draußen auf dem Dach, und der Horst zeichnete sich blassgrau vor dem schweren, dämmrigen Himmel ab.

Phönix steckte den Mondstein ein. Dankbar sah sie, dass der Nebel zurückgewichen und zu den unteren Ebenen Eisgards abgesunken war. Schwaches Winterlicht drang durch die dichten Wolken über ihnen, während der undurchdringliche Nebel unter ihnen dunkel blieb.

»Man kann gar nichts sehen«, murmelte Sechs und blickte hinab. »Dort könnte sich eine ganze Armee verbergen, und man wüsste es nicht.«

Fünf umschlang sich zitternd mit den Armen und Zenith belegte die ganze Gruppe mit einem Wärmezauber.

»Danke«, sagte Phönix gleichzeitig mit Fünf und Sechs. Sieben war ganz blass und schien kaum zu bemerken, dass die eisige Kälte gewichen war.

»Schnell.« Zenith schob Thea, Sieben und Libbet von der Treppe weg zur Leiter, die zu der Plattform aus Eis hinaufführte. Im Rennen sah sie sich mit gerunzelter Stirn suchend um. »Wo sind denn die ganzen Eisadler?«

Phönix folgte ihrem Blick. Das Eis über ihnen, das in der Nacht so voller Federn und Bewegung gewesen war, lag still da. Eine dunkle Vorahnung durchströmte sie. Noch bevor sie den Mund öffnen konnte, winkte Sechs sie beiseite.

»Wir halten hier Wache und rufen, wenn wir irgendwas die Treppe heraufkommen hören. Du begleitest Zenith.« Er musterte sie durchdringend und senkte die Stimme. »Sorg dafür, dass Sieben in Sicherheit ist.«

Phönix nickte kurz, gerührt von seinem Vertrauen in sie, dann rannte sie über den eingesunkenen Pfad zwischen den aufgetürmten Eisschichten auf die Leiter zu, um Zenith und die anderen einzuholen. Sie hörte, wie die junge Hexe über ihrem Kopf einen kurzen, durchdringenden Pfiff ausstieß, gefolgt von einem längeren Ton. Das Geräusch hatte etwas Unheimliches, Gespenstisches an sich. Phönix bekam Gänsehaut, als sie sich die Axt wieder auf den Rücken hängte und loskletterte. Kurz darauf zog sie sich neben Sieben auf die Plattform hinauf und ließ den Blick suchend über die Eisschnörkel unter sich und den tief hängenden, Schnee ankündigenden Himmel über sich schweifen.

»Schaut mal!« Libbet zeigte plötzlich nach oben auf die Wolke.

»Was …« Zenith brach ab.

Winnie wurde von Neugier übermannt und steckte den Kopf aus Phönix’ Bärenfell. Er folgte Libbets Blick und jaulte vor Angst leise auf.

Über ihnen kreisten Gestalten: Große, blasse Flügel vertrieben die Wolken, während kleinere dunkle Schatten, die gezackt und eigenartig aussahen, sie attackierten.

»Glitzergleiter!« Sieben schnappte nach Luft.

Während sie noch sprach, löste sich eins der Wesen aus der Gruppe und schoss mit furchterregender Geschwindigkeit auf sie herab. Phönix war erstarrt, sie konnte die Augen nicht davon abwenden. Auf den ersten Blick sah der Glitzergleiter aus wie ein großer Vogel. Aber er war kein Vogel. Er machte einen ausgemergelten, abgerissenen Eindruck. Der Kiel unter seinem Brustbein saß irgendwie schief, seine Brust unter den schmierig schwarzen Beinahefedern war eingesunken. Sein Schnabel war unglaublich lang und voller Zähne, die Flügel durchsichtig, sodass ihre Form sich je nach Lichteinfall veränderte.

Er stieß einen Schrei aus, der wie das Weinen eines Kindes klang und Phönix ins Hier und Jetzt zurückholte. Winnie tauchte wieder unter ihr Fell ab, als sie sich vor die anderen stellte und die Äxte vom Rücken nahm. Das Wesen schoss mit herzzerreißendem Geschrei und Furcht einflößendem Anblick wie ein rachsüchtiger Geist durch die Luft. Im Sturzflug fiel das schwache Licht auf die Vorderseiten der Flügel, woraufhin sie wie Klingen funkelten. Und plötzlich fiel Phönix aus Magische Tierwelt ein, dass es wirklich Klingen waren. An den Rest des Eintrags erinnerte sie sich nur noch bruchstückhaft.

Diese tödlichen Wesen treten in Schwärmen auf. Sie sind in der Lage,

im Fliegen mit ihren ausgesprochen scharfen Flügeln … zu

durchtrennen. Man sollte sich nicht von ihren mit Zähnen versehenen

Schnäbeln ablenken lassen … den größten Schaden richten die Flügel

an …

Aggressionspotenzial: ?/10.

Bedrohungsausmaß: ?/10.

Schwierigkeitsgrad der Bekämpfung: ?/10

Libbets Schrei vermischte sich mit dem des Wesens, als Zenith die Hände und Phönix die Äxte hob und ihr Blick die abscheuliche Gestalt in sich aufnahm. Möglicherweise konnte sie sich nicht mehr an die Werte des Wesens erinnern, aber ein Blick genügte, um zu erkennen, dass schon ein Glitzergleiter unglaublich gefährlich war, geschweige denn ein ganzer Schwarm.

Dann tauchte ein Eisadler aus den Wolken dahinter auf, die Flügel im Sturzflug eng angelegt.

»Chiara!«, rief Thea.

Naras Adler erwischte den Glitzergleiter erst kurz über ihrem Kopf, drängte ihn ab und schleuderte ihn gegen eine gebogen aufragende Eiswand. Der Glitzergleiter strampelte wütend, versuchte, seine Krallen in Chiaras Bauch zu versenken, und hackte mit seinem gezackten Schnabel auf sie ein. Aber Chiara war zu stark. Ein paar Schläge mit ihren funkelnden Klauen, und das schwarze Blut des Wesens rann über das Eis hinab. Kurz darauf stürzte auch der Glitzergleiter selbst in die Tiefe.

Einen Moment später duckten sie sich alle, als der Eisadler direkt über ihren Köpfen eine enge Kurve flog, um am anderen Ende der Plattform zu landen. Er plusterte sich auf und musterte die Gruppe.

»Seid ihr verletzt?«, fragte Chiara besorgt. Phönix bemerkte, dass sie ein Auge auf sie gerichtet hatte und das andere auf den Himmel über ihnen. Eine tiefe Wunde unter ihrem Auge färbte ihr Gefieder rot.

»Nein.« Zenith schluckte. »Was ist da oben los?«

»Der größte Glitzergleiterschwarm, den ich je gesehen habe.« Chiara kratzte mit ihren Krallen über das Eis. Sie schüttelte sich und kam näher. »Und was ist im Frostpalast los? Nara ist in Gefahr – das spüre ich.«

»Wir werden auch vom Boden aus angegriffen«, sagte Zenith schnell. »Dunkle Wesen versuchen in den Frostpalast einzudringen. Nara hat mich gebeten, Thea und Libbet in Sicherheit zu bringen. Kannst du sie tragen?«

»Und Sieben«, fügte Phönix hinzu.

Als Antwort senkte Chiara leicht den Kopf. »Natürlich.« Der große Vogel sah die drei Mädchen beunruhigt an. »Ich fürchte allerdings, es wird kein einfacher Flug werden. Könnt ihr euch festhalten und still sein, was auch geschieht?«

Thea und Libbet nickten bleich. Plötzlich wurde die Gefahr konkret. Sieben trat näher und legte Libbet beruhigend die Hand auf die Schulter. »Es wird alles gut«, flüsterte sie.

»Wir müssen den Glitzergleitern ausweichen«, fuhr Chiara fort. »Die Wolken verdecken sie, aber sie können auch uns Deckung bieten, wenn wir es schlau angehen. Schnell, steigt auf.«

Zenith half zunächst Thea hinauf, dann hob sie Libbet auf den Rücken des Eisadlers. Als Letztes stemmte Phönix Sieben hoch und bemerkte, wie diese zitterte. Sieben saß stocksteif hinter Thea, die Augen weit aufgerissen und auf den Hinterkopf der jungen Hexe gerichtet. Sie wirkte überaus verängstigt.

»Es ist nur für eine Weile«, sagte Zenith tröstend, aber ihr Lächeln wankte, als Libbet Tränen über die Wangen liefen. »Chiara wird für eure Sicherheit sorgen.«

»Wir sollten hierbleiben«, flüsterte Thea, die großen Augen auf Zenith gerichtet. »Wir sollten nicht einfach so weglaufen.«

Sieben saß so starr hinter Thea, dass Phönix Angst hatte, sie könne runterfallen. Winnie huschte erneut auf ihre Schulter, um ihr ermutigend zuzufiepen, aber Sieben schien ihn nicht zu hören.

Dann breitete der große Eisadler die Schwingen aus, und seine mächtigen Schläge verursachten einen eisigen Luftstrom, von dem es Phönix kalt den Rücken runterlief. Zenith stellte sich neben sie, und sie folgten Chiara mit dem Blick, während der Eisadler immer höher zu den Wolken aufstieg, die gleichzeitig Schutz boten und Gefahr bargen.

»Ich muss zum Schattensaum«, murmelte Phönix und unterdrückte ihre Angst, als sie dem Vogel nachsah.

Zenith nickte kurz und wandte sich bereits zum Gehen, da stieß sie einen entsetzten Schrei aus, während ihr Blick immer noch auf Naras Eisadler gerichtet war.

Phönix sah gerade rechtzeitig auf, um zu sehen, wie sich der schöne Vogel veränderte. Eben noch flog Chiara dahin, dann plötzlich wurden ihre ausgestreckten Schwingen von einer entsetzlichen Reglosigkeit erfasst, und der lebendige Schimmer ihres Gefieders verwandelte sich in ein eisiges Funkeln.

»Nein«, hauchte Zenith. Dann ein ohrenbetäubender Schrei: »NEIN!«

Thea, Sieben und Libbet konnten nur einmal kurz aufschreien, bevor Chiara unter ihnen zerfiel, und ihre anmutigen Umrisse sich in nichts als glitzernden Eisstaub verwandelten.

Die drei Mädchen stürzten Richtung Boden.

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