Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

Aisling Fowler · Kapitel 47 von 59

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Feuerblut, Die Reise zum Frostpalast

47. Kapitel

 

 

Einen Augenblick lang rührte sich niemand. Der Adler betrachtete Zenith und sie den Adler.

Mit einem leisen Krächzen kam er näher heran, plusterte sich auf und senkte den Kopf, um das Mädchen auf dem Boden näher anzusehen.

»Xena«, flüsterte Zenith mit rauer, kaum wahrnehmbarer Stimme. Sie streckte eine zitternde Hand aus und strich damit über die Federn unter dem Auge des Vogels. Der Adler ließ es geschehen und beobachtete sie die ganze Zeit dabei.

Plötzlich stürzten sich Thea und Libbet auf Zenith.

»Ich dachte, es würde nicht klappen«, schluchzte Thea. »Ich dachte, du wärst zu erschöpft.«

Libbet bekam vor Entsetzen kein Wort heraus, doch sie klammerte sich mit einer Heftigkeit an Zenith, die Bände sprach.

Sieben hatte sich nicht von der Stelle gerührt, und in ihrer Miene war etwas wie Sehnsucht wahrzunehmen, als sie zwischen Zenith und ihrem frisch befiederten Eisadler hin und her sah.

Phönix hielt sich zurück, unfähig, den Blick von dem riesigen Vogel vor sich abzuwenden. Xena war riesig, sogar noch größer als Chiara.

Sie wusste nicht, wie sie ihr Staunen in Worte fassen sollte. Nichts klang richtig, und zu ihrem Entsetzen spürte sie Tränen in sich aufsteigen. Es war zu viel. Zenith hatte es geschafft. Sie hatte es wirklich geschafft.

»Xena«, wiederholte Zenith leise.

»Zenith«, entgegnete der Adler. Seine Stimme klang rauer als Chiaras, aber die Zärtlichkeit darin war nicht zu überhören.

Bevor Phönix ihre Gedanken ordnen konnte, ertönte hinter ihr ein panischer Schrei.

»Phönix!« Es war Sechs.

Sie wandte sich von der Hexe und ihrem Adler ab und rannte mit den Äxten in der Hand wieder auf die Treppe zu.

Die Jungen standen schwer atmend vor der Tür.

»Hör mal«, keuchte Sechs.

Phönix beugte sich Richtung Treppenhaus, spitzte die Ohren und verstand augenblicklich, was er meinte. Weit unter ihnen kam etwas schnell heraufgepoltert. Die Treppe bebte bei jedem Schritt. Was immer da kam, es musste riesig sein.

»Zenith hat es geschafft.« Phönix wich zurück. »Ihr Eisadler heißt Xena und ist groß genug, um euch alle zu tragen.«

»Warum klingt das so, als würdest du nicht mitkommen?«, fragte Fünf.

Phönix sah ihn entsetzt an. Einen Augenblick, während sie Zenith zugesehen hatte, hatte sie sich selbst vergessen, hatte vergessen, was sie zu tun hatte. Doch jetzt brach alles wieder über ihr zusammen, und das Grauen kehrte zurück.

»Ich muss unbedingt zum Schattensaum. Das ist möglicherweise der einzige Weg, das hier zu beenden. Wenn ich ihn zerstören kann, werden die dunklen Kreaturen vielleicht …« Sie brach ab.

Was, glaubte sie, würde geschehen? Dass die Monster einfach verschwinden würden? Dafür war es jetzt zu spät, möglicherweise sogar zu spät für die Hexen und Eisgard. Aber vielleicht konnte sie Embra noch immer retten. Sie musste es versuchen.

»Was?«, stieß Sechs hervor. »Du machst wohl Witze – wir lassen dich nicht allein!«

»Natürlich nicht«, schnaubte Fünf und wirkte schon bei dem Gedanken daran beleidigt. »Keine Sorge, Sechs. Das hat sie schon in der Krypta versucht. Die Heldin zu spielen.« Er funkelte sie an. »Idiotin.«

Phönix schluckte, ihr Blick wanderte zur Treppe. »Ihr versteht das nicht«, sagte sie. »Ich versuche bloß …«

»Fünf hat recht«, unterbrach Sechs, legte einen Pfeil an und zielte auf die Treppe. »Was es auch ist, wir treten ihm gemeinsam entgegen. Und wenn du zum Schattensaum gehst, kommen wir mit.«

Phönix unterdrückte einen frustrierten Schrei. Warum konnten sie nicht einfach tun, was sie ihnen sagte? Warum nicht?

Sie standen nebeneinander und blickten in die Dunkelheit des Treppenhauses hinab. Der Boden unter ihren Füßen bebte, als sich der unbekannte Feind näherte.

Sechs schluckte und legte einen weiteren Pfeil an, damit er zwei gleichzeitig abfeuern konnte. Phönix umfasste ihre Äxte fester, Winnie saß stocksteif auf ihrer Schulter. Sie hörte Fünfs unregelmäßige Atmung neben sich.

Das Wesen kam immer näher, es stürmte mit furchtbarer Geschwindigkeit auf sie zu.

Phönix hielt den Atem an, versuchte sich von der Angst nicht lähmen zu lassen.

Die Dunkelheit auf der Treppe vertiefte sich, als das Wesen die letzte Biegung nahm und über die obersten Stufen auf sie zugerannt kam.

Sobald er die Bewegung wahrnahm, schoss Sechs seine Pfeile ab. Fünf und Phönix sprangen gleichzeitig vor und schwangen ihre Waffen in einem todbringenden Bogen.

Das Wesen, das sich immer noch im Halbdunkel befand, schrie auf und wich zurück, als Sechs’ Pfeile ihr Ziel trafen.

»PHÖNIX!«

Voller Verwirrung gelang es ihr gerade noch rechtzeitig, ihre Axt aufzuhalten.

»Hund?«

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