The Hodded Boy I forgot
1 ◊ Forgot the „I“
Annika Ha
The Hodded Boy I forgot
Für alle, auch für die Leute von euch mit Fehlern... vorallem die ;)
1 ◊ Forgot the „I“
»Was ist mit dem hier?«, fragte mich meine beste Freundin, während sie sich durch die Menschenmenge zwängte. Der große XXL-Beutel in meiner Hand berührte dabei fast alles, was es auf dem Weg zu berühren gab. »Warum zeigt du mir eigentlich nur Kleider, die dir stehen würden?«, fragte ich sie beleidigt.
»Ganz einfach, Poppy. Ich habe bereits Entzug. Dass meine Eltern mir das Taschengeld gestrichen haben, passt mir gar nicht in den Kram.« Ich verdrehte meine Augen. »Aber du hast doch zugesagt meine Shoppingbegleitung zu sein, um mich zu beraten.«
»Schon, weil ich es bereits vermisste. Hätte ich geahnt wie hart es sein würde, wäre ich vermutlich Zuhause geblieben.« Erin machte bei dem verspielten Blümchenkleid kehrt und drehte sich zu mir um. »Schau es dir doch nur an! Das ist vielleicht ein süßes Kleid…«
»Soll ich es dir kaufen?«, fragte ich sie genervt, weil genau das ihre Augen aussagten. Aber natürlich würde sie es niemals zugeben. »Um Gottes Willen, bloß nicht. Nicht nur, dass meine Eltern mich killen würden…« Um ihre Eltern ging es hierbei sicher nicht. »Das kann ich einfach nicht von dir verlangen.« Schon eher. Erin bekam einfach nicht gerne Almosen.
»Vermutlich sollten wir einfach gehen. Auf diesem engen Raum fang ich an zu schwitzen… und das gefällt meinem Make-up so gar nicht.« Eilig zog ich meine beste Freundin Erin zur Tür. Die Aktion war schwerer als gesagt. Kaum jemand ließ uns durch. Wir mussten sie schon mit Gewalt zur Seite drücken.
Als wir uns endlich die langersehnte Freiheit erkämpft hatten, nahmen wir die nächste Straßenbahn und fuhren heim.
◊
»Mum! Bin wieder da.« Mit angewinkelten Armen stand sie in der Türschwelle. Also ein Lächeln sah anders aus… »Ach! Und ich vermute nur noch eine Stunde?«
»Ich habe dir doch gesagt, dass Heather heute Abend eine Party schmeißt. Dafür bin ich doch auch mit Erin shoppen gegangen.« »Was gefunden?«
»Ja… wenn auch nicht viel, aber ein pinkes Kleid mit einer Schleife vorne vor konnte ich noch ergattern.« Mit dem darauffolgenden Blick meiner Mutter hätte ich nicht gerechnet. »Genau, weil du ja so wenige davon schon besitzt.«
Meine Stirn kräuselte sich. Was hatte sie denn bloß? »Du weißt genau, dass ich trotz alldem jedes Kleid anziehen werde. Außerdem ist jedes Kleid in meinem Kleiderschrank ein kleines bisschen anders.«
»Wie wäre es mal, wenn du ein kleines bisschen weniger shoppen gehst oder Partys besuchst …und mir stattdessen im Haushalt hilfst? Oder noch besser: Mal zur Abwechslung wieder was für die Schule tust.« Oh, der letzte Satz erklärte alles.
»Mr. Coleman hat angerufen, oder?«, fragte ich sie gedehnt. »Wann wolltest du mir eigentlich mitteilen, dass du in Mathe bereits deine zweite sechs geschrieben hast?« Geplant war möglichst weit in der Zukunft. Aber der Plan scheint wohl nicht aufgegangen zu sein. Mr. Coleman hatte ja bereits damit gedroht meine Eltern zu informieren. Dass er es jedoch wirklich machen würde, hätte ich dann doch nicht gedacht.
»Du gehst heute nicht zu dieser Party, Fräulein!«, fuhr sie verärgert fort. Wenn sie nur verärgert gewesen wäre, hätte ich damit sogar leben können. Aber da war auch Traurigkeit und Enttäuschung in ihrem Blick zu deuten.
»Natürlich werde ich das. Jeder auf unserer Schule geht da hin.« »Jeder außer dir. Du wirst heute Abend Mathe lernen.« Ich musste mich wohl verhört haben. Meine Mutter hatte nie zu dieser Sorte gehört, die Hausarrest oder ähnliches als Bestrafung nutzten. Anders als Erins Mutter, der ja deswegen seit neustem das Taschengeld gestrichen wurde.
»Ein Scheiß werde ich! Ich kann Mathe nicht. Du müsstest mich da eigentlich verstehen können.« »Aber eine sechs? Nein, so schlecht war nicht mal ich. Im Gegensatz zu dir habe ich mich wenigstens bemüht.«
»Aber-« »Nichts aber! Du gehst nicht zu dieser Party. Ende der Diskussion.«
Beleidigt gab ich schließlich nach und rannte die Stufen zu meinem Zimmer hoch. Verdammt! Erst war ich noch schadenfroh über Erins Bestrafung gewesen. Aber jetzt… Am Ende würde sie zu der Party gehen und ich nicht.
Nachdem ich mein Handy gezückt hatte und Erin kurz und knapp mitgeteilt hatte, dass das mit der Party heute nichts wird, setzte ich mich an meinem Schreibtisch. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, seitdem ich das letzte Mal hier dran gesessen hatte. Klar hatte ich schon Hausaufgaben gemacht… ab und an. Aber nur eben auf die Schnelle, kurz vorm Schlafengehen, im Bett.
Als ich die Schubladen öffnete, wo sich ein leeres Karo Heft befand, das ich vor Urzeiten mal zum Lernen erstellt hatte, flog mir eine dicke Staubschicht entgegen. Halleluja!
Nachdem sich das Karo Heft auf meinem Schreibtisch befand, fiel mein Blick auf ein Diddltagebuch, das sich ebenfalls in der staubigen Schublade befand. Ich hatte mal Tagebuch geschrieben? Wow… das muss Urzeiten her sein! Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern.
Lächelnd öffnete ich es. Der Rechtschreibung nach zu urteilen musste ich gerade Mal in der zweiten Klasse gewesen sein. Grinsend las ich die alten Erinnerungen aus meiner Kindheit … die Zeit, wo das Leben noch einfach war. Wo die Mütter nicht zu ätzenden Alphas wurden.
Hallo Tagebuch!
Echt cool, dass mir Mami zum Geburtstag dich geschenkt hat. In der Schule können wir jetzt auch schon alle Buchstaben und so versuche ich mal mein Glück.
Hätte ich es doch nur gelassen. Echt jetzt? Glück hatte ich mit k geschrieben… ohne c.
Ich blätterte ein paar Seiten weiter. In der Hoffnung, dass es besser wurde. Fehlanzeige.
Hallo Tagebuch!
Irgendwie finde ich es blöd dich Tagebuch zu nennen. Wie findest du den Namen Lissi? Ich finde der passt gut zu dir.
Aber klar doch… Mein Tagebuch sah aus wie eine Lissi. Wenn ich das jemanden aus meiner Clique zeigen würde, die würden mich auslachen.
Also noch mal von vorne… Hallo Lissi!
Heute war ein cooler Tag. Ich war auf der Wiese gegenüber von unserem Haus. Die Wiese darf ich ja schon alleine besuchen, weil es hier keine gefährlichen Autos gibt. Und da habe ich jemanden getroffen! Jemanden den nur ich kenne! Mama und Papa und auch meine Freunde von der Schule haben ihn noch nicht kennengelernt. Hoffentlich bleibt das so. Ich finde es cool einen Freund nur für mich zu haben.
Irgendwie ist er aber komisch drauf. Er trägt eine schwarze Kapuzenjacke, die er nie absetzt. Ich weiß nicht mal, wie er aussieht! Aber das macht nichts. Mama meint nämlich, dass es auf die inneren Werte ankommt.
Genau, die inneren Werte! Die Lügen, die einem als Kleinkind immer erzählt werden. Die traurige Wahrheit ist: Kein Junge verliebt sich in ein Mädchen, weil sie hässlich ist. Andersrum vermutlich genauso…
Aber das war jetzt nebensächlich! Wer hatte das bitteschön geschrieben? Ich kann es nicht gewesen sein. An einen Jungen mit einer schwarzen Kapuze hätte ich mich doch erinnert. Doch die letzten Worte sagten etwas anderes:
Bis zum nächsten Mal, Deine Poppy
Ein nächstes Mal würde es jedoch nicht geben. Die darauffolgenden Seiten waren leer.