The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 8 von 62

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The Hodded Boy I forgot

8 ◊ Forgot the „T“

»Warum hast du Augenringe weiter bis zum Nordpol?«, fragte mich Erin. Schön, dass sie mich so offensichtlich darauf hinwies. »Vielleicht weil ich die letzte Nacht überhaupt nicht schlafen konnte?« »Wie kommt’s?«, fragte Zoe. Ja… darf ich vorstellen meine überbesorgte Clique. Auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, dass wir ein Bilderbuchbeispiel von diesen beliebten Cliquen an der High School waren… ich konnte trotzdem auf jeden einzelnen von ihnen zählen.

Jess war, wie es sich für jede gute High School Clique gehörte, quasi unsere Anführerin. Aber sie war irgendwie nicht von der typischen Sorte. Wegen ihren rötlichen Haaren wurde sie während der Grundschulzeit oft gehänselt, so hatte sie uns erzählt. Trotzdem hat sie sich irgendwann zu einer echten Schönheit entwickelt, weshalb sich die Hänseleien einstellten. Und nicht nur das: Wegen ihres Selbstbewusstseins wurde sie ein richtiger Männerschwarm.

Seitdem hatte sie es sich irgendwie zur Aufgabe gemacht hübschen Losern zu ihrem Aufstieg zu verhelfen. Ja, ich war auch mal ein Loser. Warum? Dreimal dürft ihr raten. Wegen meines tollen Ex-besten-Freundes Lucas. Er war schon immer der Beliebtere von uns beiden gewesen, auch wo wir noch befreundet waren. Nach unserem Streit hat er dafür gesorgt, dass mich alle hassten… bis meine Freundschaft zu Jess mich in der Schulrangordnung wieder aufsteigen lies.

»Wo bist du nur mit deinen Gedanken, Süße?«, fragte mich Zoe, da ich vergessen hatte auf ihre Frage zu antworten. »Ja. Das ist ja auch der Grund warum ich letzte Nacht nicht gut schlafen konnte…« Auch wenn ich es vermutlich nicht sollte, aber vor meinen Mädels hatte ich einfach keine Geheimnisse.

Besonders nicht vor Erin. Als sie neu zu uns auf die Schule kam, hatte sie sich von Anfang an total zurückgezogen. Klar war auch sie mit ihren platinblonden Haaren bildhübsch, aber ihre Verschlossenheit gegenüber allem ließ sogar Jess die Hoffnung verlieren.

Wie genau ich es hinbekommen hatte, dass sie mir vertraute, wusste ich bislang immer noch nicht. Während einer Schulveranstaltung haben wir uns ein wenig unterhalten… und wir wurden uns immer symphytischer. Bis sie mir irgendwann von ihrem Geheimnis erzählte.

Inzwischen war es kein Geheimnis mehr. Erin ging mit dieser Zeit lockerer um, weil sie für sie abgeschlossen war. Aber es hatte einen Grund gegeben, warum Erin mitten im Schuljahr umgezogen ist. Ein paar Jungs an Erins Schule waren wohl ziemlich an ihr interessiert gewesen. Dann… nach einer Party, hat sich einer dieser Jungs an sie vergriffen. Seitdem hat sie Jungs nicht mal mehr mit dem Hintern angeguckt, was ich voll und ganz verstehen konnte.

Die Zeit mit unserer schrägen kleinen Girliclique konnte ihre Wunden aber immer mehr heilen. Als sie mir dann irgendwann erzählte, dass sie Lucas heiß findet, konnte ich ihr das einfach nicht verübeln. Auch wenn sie wusste, was für ein Arsch er zu mir gewesen ist. Immer wieder betonte sie, dass heiß und lieben ja etwas total anderes wären. Aber ich habe ihr nie geglaubt, bis sie mir gestern von David erzählt hatte.

»Dann erzähl uns doch einfach davon«, bohrte Lou nach. Lou und Zoe, die beiden, die unsere Clique vervollständigten. Die beiden waren schon beste Freunde, bevor sie sich uns angeschlossen hatten. Jess hatte sie Mal gefragt, warum sie ihre Kleidung aus dem Altkleidersack hervorholten.

Eine der beiden meinte daraufhin dann irgendwie, dass sie keine billigen Tussis waren und lieber was im Köpfchen hätten. Ja, die beiden waren nämlich die typischen Vorzeigestreber. Das hatte sich heute auch nicht geändert. Jess hatte ihnen nur gezeigt, dass man sowohl ein Streber als auch hübsch aussehen konnte.

»Wenn ich euch davon erzähle, dann werdet ihr mich für verrückt halten.« »Na und? Umso besser«, sagte Jess lachend.

◊

Und ich erzählte ihnen wirklich alles. Ich hätte es selbst kaum für möglich gehalten, aber unsere Freundschaft war wohl doch stärker als es auf den ersten Blick schien.

Danach waren sie erstmal sprachlos. »Krass. Einfach nur krass«, meldete sich Zoe als Erste. Ich konnte ihnen ansehen, dass sie mir zwar glaubten… es aber dennoch nicht recht glauben wollten.

»Und ich habe diesen Typen echt schon mal gesehen? Es nur danach wieder vergessen?«, hakte Erin nach, obwohl sie die Antwort bereits kannte. Daraufhin nickte ich nur. »Dann muss er wohl wirklich ziemlich hässlich sein, wenn ihn keiner sehen darf«, scherzte Jess.

Obwohl ich den Kapuzenjungen gar nicht kannte, hatte ich das Bedürfnis ihn verteidigen zu müssen. »Stimmt, Jess. In unserer hippen Clique wäre wohl kein Platz für jemanden wie ihn.« Diese Momente, wo ich dann doch an meiner Clique zweifelte… an meiner Beliebtheit allgemein.

»So habe ich das doch nicht gemeint. Ich wollte die Sache doch nur begründen, Poppy. Weil sie mir ansonsten nämlich so unverständlich erscheint.« Klar wollte Jess es jetzt wieder gut machen. Aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass sie mich nie richtig verstehen könnten.

»Und was hast du jetzt vor? Du ziehst doch nicht ernsthaft in Erwägung dem Typen in diese gruselige Welt zu folgen, oder?«, fragte mich Lou. »Über genau diese Frage habe ich die ganze Nacht nachgedacht.« »Das kannst du nicht machen!«, stieß Erin eindringlich hervor. Natürlich konnte ich das nicht. Weil wir nur den hübschen Losern halfen. Diejenigen, die es Wert waren.

»Wisst ihr was? Ich habe euch das nicht erzählt, um eure Meinung zu dieser Sache zu hören. Wenn ich gehen will, dann gehe ich.« »Verstehe uns doch, Poppy. Wir machen uns nur Sorgen um dich. Diese Welt könnte für dich lebensgefährlich sein«, rechtfertigte Erin ihre Panikattacke.

»Denkst du, das ist mir nicht bewusst? Diese Bewohner sind in der Lage mich zu kontrollieren, ohne dass ich mich währen könnte. Da werde ich wohl kaum Freundschaften schließen können. Aber stell dir doch nur mal das Leben dieses Typens vor. Keiner verdient das.« »Kann er nicht einfach in seiner Welt glücklich werden?«, fragte Jess gedehnt. Noch ein Grund mehr, warum ich genau wusste, dass mich keiner von ihnen verstand.

»Nein, Jess! Das kann er eben nicht. Mein bisheriges Leben war bislang viel besser als seins vielleicht je sein wird.« Als die Worte meine Lippen verließen wusste ich, dass ich meinen Grund hatte. Den Grund, den ich schon die ganze Nacht lang gesucht hatte. Der Grund, warum ich gehen sollte.

Im selben Moment wurde mir aber auch klar, dass ich das dieses Mal nicht mit meiner Clique teilen konnte. Ich musste heimlich verschwinden. Was wurde mit Schule? Mit meinen Eltern? Pah, meine Eltern! Sollte ich ruhig mal ein paar Tage vermisst sein. Der Gedanke, dass sie sich doch tatsächlich um mich sorgen konnten, gefiel mir. Und Schule? Wurde überbewertet. Würde ich der Polizei anschließend erstmal erzählen, dass man mich entführt hatte, dann brauchte ich die dummen Arbeiten sicher nicht nachschreiben.

Ich müsste die Polizei anlügen…

Ich hasste es zu lügen. Und dann auch noch so eine große Lüge. Aber aus welchem Grund konnte man sonst einfach so vom Erdboden verschwinden? Vielleicht aus Angst? Genau, das war besser! Dann würden sie mir auch keine Fragen über meinen nicht-vorhandenen-Entführer stellen. Jemand hat mich mit anonymen Nachrichten bedroht, dass ich von hier verschwinden sollte. Wer es ist, weiß ich nach meiner Rückkehr natürlich immer noch nicht…

»Hallo? Erde an Poppy! Denkst du immer noch darüber nach? Du gehst da nicht hin. Ende. Finito.« Irgendwie war es ja ganz rührend, dass Erin sich so um mich sorgte… wie sie alle sich um mich sorgten, auch wenn sie es einfach nie begreifen konnten! Ich war vermutlich einfach auf einer anderen Wellenlänge. Anders als die meisten Freundschaften… Aber dass sie trotz alldem echt ist, weiß ich jetzt.